Ukraine Krieg- Landwirtschaft im Kriegszustand

Putins Landgrabbing in der Ukraine -Lebensmittelkrise und Hungersnöte

In meinem früheren Leben habe ich tatsächlich Agrarwissenschaften studiert. Ökologische Agrarwissenschaften um genau zu sein. Ich erinnere mich, dass vor rund 15 Jahren ein starker Diskurs um das sogenannte “Land-Grabbing” anfing. Einem Prozess, bei dem zunehmend reiche Länder bzw. Konzerne und stark im Wachstum befindliche Länder fruchtbare Regionen, ja ganze Landstriche in ärmeren Ländern aufkaufen oder für lange Zeiträume pachten, um so die Ernährungssituation der eigenen Bevölkerung zu sichern oder / und von steigenden Lebensmittelpreisen, vor allem in Krisenzeiten zu profitieren. 
Teil dieser Problematik waren immer schon Patente auf Saatgut, die Nutzung von gentechnisch veränderten Organismen, die Zulassung von bestimmten Pestiziden und Düngemitteln und die generelle Frage: Wem gehört eigentlich die Erde und wem das, was darauf wächst?

Symbolbild Planet Erde auf der Hand getragen

Was Putins Armee in der Ukraine betreibt, kann als Land-Grabbing im ganz großen Stil betrachtet werden. Unter dem Vorwand des “Entnazifizierungs”- Narrativs werden ganze Landstriche entvölkert und unbewohnbar gemacht. Die Absicht ist mir angesichts des Ausmaßes der Zerstörung unbegreiflich. Angriffe der russischen Armee zielen immer wieder auf die zivile Infrastruktur ab. Was hat Putin von leeren, unbewohnbaren Landstrichen? Russland erstreckt sich über solche Weiten, dass Putin es in Generationen nicht schaffen würde sein eigenes Land zu besiedeln wenn er es denn wollte. Wenn es um Land-Grabbing im Sinne der Ernährungssicherung der eigenen Bevölkerung und dem Profit aus steigenden Lebensmittelpreisen geht, warum zerstört er dann die Agrar-Infrastruktur, ja zielt sogar auf das genetische Saatgut Erbe der Ukraine ab (Angriff auf Saatgut Bank bei Charkiw)? Das Angebot, den Überfluss der Ukraine zerstören, damit die russischen Waren im Wert steigern? Krieg und Chaos in Ländern schaffen, die von ukrainischen Exporten stark abhängig sind und Russland mit seinen Exporten als Retter in der Not präsentieren? Schon jetzt sind die Gedanken an verhungernde Kindern und deren ebenfalls hungrige aber absolut machtlosen Eltern z.B. im stark betroffenen Jemen unerträglich. Unvorstellbar, dass dies erst der Anfang einer globalen Ernährungskrise ist. Putin und seine Schergen klauen jetzt schon tonnenweise ukrainisches Getreide und schleusen es unter Verschleierung der Herkunft zu Wucherpreisen auf dem Weltmarkt ein – Sarkasmus pur! Ukrainisches Getreide finanziert das Bombardement ukrainischer Städte! – Wir in Deutschland werden in absehbarer Zeit “nur” unter stark gestiegenen Preisen leiden. Grundsätzlich ist Deutschland durch die eigene landwirtschaftliche Produktion weitestgehend souverän, aber Experten schätzen bereits jetzt, dass weltweit rund 100 Millionen Menschen zusätzlich hungern werden!  Ein großer Teil dieser Menschen wird sich aus reiner Existenznot auf die Flucht begeben müssen um zu überleben. Wenn der Krieg in der Ukraine nicht zügigst gestoppt wird, erleben wir gerade erst die Spitze des Eisbergs!

Weizenfeld Ukraine

Die Ukraine verfügte zumindest vor dem Krieg über rund 41 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (Acker- und Grünland), davon rund 32 Millionen Hektar Ackerland. Wegen des günstigen Klimas und der fruchtbaren und mächtigen Schwarzerde Vorkommen wurde die Ukraine in der Vergangenheit bereits die “Kornkammer der Sowjetunion” bzw. “Kornkammer Europas” genannt. Sie ist unter den 5 größten Weizenexporteuren (EU, Russland, Australien, Ukraine, USA) weltweit angesiedelt. Zahlreiche Länder sind auf den Import ausländischen Weizens angewiesen, Hauptabnehmer sind Länder wie Ägypten und Indonesien. Der hohe Nährwert bei gleichzeitig hervorragenden Lagereigenschaften und vielseitigen Zubereitungsmöglichkeiten macht Weizen unentbehrlich in der weltweiten Ernährungssicherung. 

Ölsaaten wie Raps und Sonnenblumen Knappheit durch Ukrainekrieg

Im Bereich der Ölsaaten wie Raps und vor allem Sonnenblumen ist die Ukraine Weltmarktführer, was sich tatsächlich allmählich auch in den hiesigen Supermärkten bemerkbar macht. War Sonnenblumenöl vor dem Krieg ein Artikel, der im Discounter preiswert für unter 1 € / Liter erworben werden konnte, so wurde mir letztens in demselben Discounter 750 ml Sonnenblumenöl für 4,99 € angeboten.  Ich kann auf andere Rezepte ausweichen, im Notfall auch auf Annehmlichkeiten verzichten, um mehr Geld für Lebensmittel zur Verfügung zu haben –  Millionen Menschen weltweit haben dieses Privileg nicht. 
Vor dem russischen Angriff arbeiteten rund ein Viertel der ukrainischen Bevölkerung in der Landwirtschaft auf schätzungsweise 90.000 landwirtschaftlichen Betrieben. Davon sind fast die Hälfte Pachtbetriebe mit durchschnittlich 1200 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und rund 40% Subsistenz-Betriebe unter 1 Hektar Größe, die statistisch schwierig zu erfassen sind. Der Rest verteilt sich auf Groß-, Mittlere- und Kleinbetriebe. Alle diese Betriebe eint nun die Angst. 

Treibstoff zum Betrieb der landwirtschaftlichen Maschinen ist knapp oder überhaupt nicht mehr verfügbar, viele Mitarbeiter sind geflohen oder arbeiten nun an der Verteidigung der Ukraine, die Sorge ist groß die Tiere nicht mehr versorgen zu können. Wo nicht gesät und geerntet wird fehlt Geld für Saatgut, Dünger, Pestizide und Lohnzahlungen. Es gibt bislang noch keine Auskünfte und Kartierungen über den Niedergang von Blindgängern aus Artillerie, Raketen und Landminen, welche die Arbeit und das Leben von Mensch und Tier über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gefährden werden. Millionen Tieren steht die Notschlachtung bzw. in Ermangelung an Schlachthof Kapazitäten und Personal, der langsame Hungertod bevor. Es ist eine Abwärtsspirale biblischen Ausmaßes und so sehr ich nachdenke, ich kann keinen Sinn darin finden.

Errosion - unfruchtbarer Boden

Hinzu kommt, dass nun angesichts der Ernährungskrise wieder alte Forderungen aus dem Agrarlobby Bereich laut werden: Trotz aller Risiken soll wieder auf gentechnisch veränderte Organismen gesetzt werden, nicht zugelassene oder bereits verbotene Pestizide sollen die Ernten vor Schädlingen retten, der Anteil des Ökolandbaus soll verringert werden, da er angeblich weniger Erträge abwirft! Alles Diskussionen, die angesichts der unabschätzbaren Risiken und Umweltfolgen wie schnellere Erderwärmung, Auskreuzung der GMOs, mögliche und nachgewiesene Gesundheitsrisiken, Verlust der Biodiversität und Bienensterben, Verschlechterung der Bodenqualität im konventionellen Landbau, meiner Ansicht nach tabu sind! Das einzige, was uns langfristig als Menschheit das Überleben sichern kann, ist der menschliche Zusammenhalt, Solidarität über Landesgrenzen hinweg und Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, im Sinne einer Kreislaufwirtschaft, die ohne chemischen Dünger und über weite Strecken transportierter Futtermittel auskommt. Dafür müssten wir alle unsere Ernährungsgewohnheiten überdenken, aber ich bin der Meinung, dass es sich lohnt und dass genau das ein Stückchen gelebte Solidarität wäre. Mit den Menschen der Ukraine, dem Jemen, den zukünftigen Generationen und ein ganz großer Stinkefinger in Putins Richtung. 
 

Heringssalat- Ukrainisch/Russischer Schichtsalat!

Traditionelles Rezept für Heringssalat: Селёдка под шубой – Hering im Pelzmantel 

Bei diesem traditionellen, in der Sowjetunion omnipräsenten Schichtsalat-Rezept wird zarter Hering mit frischen Zwiebeln auf gekochtem Wurzelgemüse gebettet, mit Mayonnaise geschmiert und mit Eiern bebröselt. Mit Gerichten wie Borschtsch (Rote-Beete Suppe), Pampuschki (feine, weiche Brötchen mit Dill) und Horilka bzw. Wodka ist er ein absoluter Sylvester-Klassiker, der auch übers Jahr verteilt gerne zubereitet und genossen wird. 

Diesen herrlichen Schichtsalat habe ich das erste Mal auf der Geburtstagsfeier einer weißrussischen Freundin gekostet, der zeitlich recht nah an der Weihnachts-/Sylvesterzeit lag. Mal wieder stellte sich heraus, dass meine jahrelange Abneigung gegen Hering, insbesondere Matjes absolut unbegründet war. Bevor ich herausfand, dass die leckeren Häppchen in dem pinken Mayo-Traum tatsächlich Hering waren, hatte ich mich schon in dieses Gericht verliebt und Hering für mich für immer seinen Schrecken verloren. 

Übrigens ist Hering (Селёдка, sprich: Siljotka) seit dem 18.Jahrhundert in Russland sehr verbreitet gewesen, auch gerne zum “nachbeißen” nach einem Gläschen Wodka. Da sich Wodka und Siljotka so schön reimt, ist daraus im Laufe der Zeit der Spruch “Einen Reim trinken” entstanden. Das bedeutet nur so viel wie auf die schnelle ein Gläschen Wodka trinken und dazu ein Häppchen Hering – meist auf Schwarzbrot serviert, zu genießen. 

Wodka mit Hering und Schwarzbrot zum nachließen

Übrigens: Ich habe tatsächlich mal die Frage gestellt bekommen, woher man die in dem Rezept verwendete “pinke Mayonnaise” bekommt. Ich habe behauptet im russischen Lebensmittelhandel. Wer von euch findet es heraus? 

Zutaten Heringssalat für 4 Personen:

-300 g Hering bzw. Matjes (kann auch bereits mariniert sein, z.B. in Zwiebel und Dill)
– 4 mittlere Kartoffeln
– 500 g rote Beete
– 2-3 mittlere Karotten
– 4 Eier 
– 1 mittlere Zwiebel
-150 Mayonnaise 
(-1 mittleren säuerlichen Apfel- Wer mag 🙂
Zutaten Heringssalat, Kartoffeln, Möhren, Rote Beete, Zwiebeln, Hering, Mayonnaise, Eier

Zubereitung von ukrainischem Heringssalat „Hering im Pelzmantel“: 

Kartoffeln, rote Beete, Karotten und Eier mit Pelle im selben Topf weich kochen. Anschließend abkühlen lassen, schälen und getrennt voneinander reiben. 
Den Hering in mundgerechte Stücke schneiden und auf einer Servierplatte oder Schüssel verteilen. Die Zwiebeln in feinen Stückchen darauf geben. Dann kommt die geriebene Kartoffel auf den Hering, schließlich soll er “unter den Pelzmantel”. Jetzt sollte eine großzügige Mayonnaise-Beschichtung erfolgen. Anschließend kommen geriebene Karotten, geriebene Eier (eines zur Dekoration übrig behalten), wer es fruchtig mag kann jetzt einen rohen, säuerlichen Apfel auf die Ei-Schicht reiben, oder nochmal zur Mayonnaise greifen. Abschließend kommt geriebene rote Beete auf die vorigen Schichten, die reichlich mit  Mayonnaise bestrichen wird. Wer sich ein Ei aufgespart hat, kann dieses jetzt fein reiben und über dem Salat verstreuen. Und wer lange genug mit dem Essen wartet, kann beobachten, woher die pinke Mayonnaise wirklich kommt 🙂 
приятного аппетита!
Heringssalat Hering im Pelzmantel zubereitet und auf Tellern angerichtet
 

Sind die Russen für oder gegen den Ukraine Krieg?

Nazis, Neonazis & Faschisten

Bei der ganzen durch Putins Propaganda stattfindenden Geschichtsverdrehung und den vorherrschenden Fake-News in russischen Medien, finde ich es insbesondere im Hinblick auf Putins “Ukraine-Entnazifizierungs-Narrativ” sehr symbolträchtig, dass viele Ukrainer in Deutschland aufgenommen und gut versorgt werden. Die Ukraine hatte im Zweiten Weltkrieg extrem hohe Opfer, Verluste und Zerstörungen (Sewastopol u.a.) durch die Nazis zu beklagen, auf der anderen Seite jedoch einige der bekanntesten Kriegshelden der damaligen Sowjetunion hervorgebracht. Jetzt werden Ukrainer*innen unter dem wahnwitzigen Vorwand der “Entnazifizierung” getötet, gefoltert, vergewaltigt und vertrieben und landen hier in Deutschland im ehemaligen Nazi-Hotspot, während Putins Regime hierzulande durch die Linke und vor allem die Rechte besondere Unterstützung zu erfahren scheint. Währenddessen sind aus der Ukraine auch besonders viele jüdisch-ukrainische Flüchtlinge auf der Flucht vor Putins Krieg. Seit Jahrhunderten spielte die Ukraine als Zentrum der „Ostjüdischen Kultur“ eine große Rolle. Auch gab es in den letzten Jahren ein großes Bemühen die jiddische Sprache und die jüdische Kultur zu stärken (s. auch Juden in der Ukraine).

Ukraine Krieg Bilder zweiter Weltkrieg und Panzer

Putins Nazi-Narrativ

Schlimm ist es außerdem, wenn ein Feiertag wie der Sieg über Nazi-Deutschland am 9. Mai dazu missbraucht wird, um die aktuell stattfindende gezielte Zerstörung der zivilen Infrastruktur und Folterung, Vergewaltigung und Tötung von ukrainischen Militärs und Zivilisten medial zu Beschönigen. Es werden durch den russischen Angriff doch auch die Kinder und Enkel der Kameraden getötet, die einst beim Sieg über den Faschismus Seite an Seite kämpften, ungeachtet ihrer Herkunft! Ich denke bei den Kriegshelden des zweiten Weltkriegs z.B. an die weltbekannte Scharfschützin Ljudmila Pawlitschenko (*1916 Bila Zerkwa bei Kiew -1974 Moskau), deren beeindruckende Geschichte und Freundschaft mit Eleanor Roosevelt in dem Kriegsfilm “Red Sniper- Die Todesschützin” verfilmt wurde (2015, Werbung-Affiliate Link: Hier bei Amazon -Prime kannst du den Film während des Probezeitraums kostenfrei anschauen!). Der Film war eine gefeierte Koproduktion zwischen der Ukraine und Russland und hat Zuschauer in beiden Ländern gleichermaßen begeistert! Umso perfider ist die Propaganda-Strategie, alle Ukrainer als Nationalisten und Faschisten darzustellen, die “Ausrottung” aller Ukrainer zu verlangen, den Russen Maulkörbe durch das Verbot des Wortes “Krieg” anzulegen und Pazifisten pauschal als “Verräter” anzuprangern.

Wie kann innerhalb weniger Jahre dafür das Bewusstsein verloren gehen, dass die Großmütter und -väter einst zusammen erfolgreich gegen den Faschismus gekämpft haben! 

Wie sehr unterstützen die Russen den Ukraine Krieg?

Putin bediente sich des Nazi-Narrativs bisher sehr erfolgreich. Noch im März 2022 standen einer  SPIEGEL-Recherche zur Folge stehen rund 80% der Russen hinter Putins “Spezialoperation”, rund 50% der Russen gaben an, “Stolz” als dominierendes Gefühl in Bezug auf die russische Invasion zu empfinden. Nur 14% der Russen positionierten sich klar gegen den Krieg bzw. Putin, rund 6% sahen sich unentschlossen. Wir hatten und haben viel Kontakt zu russisch stämmigen Menschen und bis auf zwei traurige Ausnahmen, die uns tatsächlich zum Kriegsbeginn im Februar 2022 wortgewaltig zur „Entnazifizierung der Ukraine“ gratuliert haben, waren die anderen genauso entsetzt und hilflos wie wir. Es häufen sich Berichte, dass aufgeklärte Russen wegen der Repressionen scharenweise Russland verlassen. Mittlerweile, vor allem seit Beginn der Teilmobilisierung am 21. September 2022 bröckelt die Unterstützung für Putin in der russischen Bevölkerung. Ich befürworte jeglichen Protest gegen das Putinregime, allerdings wäre mir insgesamt wohler, wenn sich die Proteste der Bevölkerung gegen die russischen Politiker, die russischen Medien und den Angriffskrieg selbst richten würden. Statt dessen gilt der Protest und ein großer Teil der russischen Flüchtlingsbewegung von Kriegsdienstverweigerern vor allem den nicht-bezahlten Löhnen der frisch Rekrutierten, der schlechten Ausstattung, den fehlenden Waffen, den alten Armeefahrzeugen, dem schlechten Training und der mangelhaften Verpflegung der russischen Truppen. Dies bedeutet für mich im Umkehrschluss, dass diese „Protestler“ nichts gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg einzuwenden hätten, wenn ihnen der russische Sieg durch eine bessere Ausstattung und Training gewiss wären.

Ethnische Säuberung im Ukraine-Krieg

Einige munkeln im Zusammenhang mit der Einberufungstaktik Moskaus von einer ethnischen Säuberung. Auffallend häufig werden die Einberufungen fernab von Moskaus und St. Petersburgs Eliten durchgeführt. So sollen Proteste durch die Zivilbevölkerung vermieden werden, da es überwiegend nicht-russische Minderheiten trifft, die als Kanonenfutter bei schlechter Ausrüstung, zweifelhafter Eignung und mangelhafter Vorbereitung an die Front geschickt werden. „Es häufen sich Berichte darüber, dass in den Republiken Burjatien, Tuwa, Dagestan, Kalmückien, Tatarstan, Altai oder Jakutien sämtliche Männer Einberufungsbefehle erhalten haben sollen.“ (taz, 26.09.2022) So werde bei der Einberufung weder auf das Alter der Männer, noch auf die gesundheitliche Eignung geachtet. Bei der Todesstatistik der gefallenen russisch-stämmigen Soldaten zeigt sich das eindeutig: Auf „einen gefallenen Moskauer kommen 87,5 Dagestaner, 275 Burjaten und 350 Tuviner“(taz, 26.09.2022) . Auch bei der Mobilisierung auf der durch Russland annektierten Krim, zeigt sich dieses Vorgehen. Von 5000 mobilisierten Zivilisten seien rund 80 Prozent der Bevölkerungsminderheit der Krimtartaren zuzuordnen (ebd.). Russland scheint also beim Kampf gegen den „Neofaschismus in der Ukraine“ selbst das Leben ethnischer Minderheiten geringer zu schätzen, als das Leben der ethnisch-russischen Bevölkerung. Auch zeigen sich bezüglich der Klassen deutliche Unterschiede, da viele Einberufene aus sehr armen Gebieten kommen. Ein noch größerer Hohn, dass Putins Regime dann ausgerechnet den Menschen den versprochenen Soldaten-Lohn verweigert, die mit ihren Angehörigen am meisten darauf angewiesen wären. 

Russen fliehen nach Georgien

Georgien ist wegen der erleichterten Einreisebestimmungen ein bevorzugtes Ziel der Russen. Im Gegensatz zu vielen Ländern, die die Einreise von Russen deutlich erschwert haben, bekommen Russen in Visa ohne Probleme ein einjähriges Visa. Obwohl unter den fliehenden Russen auch einige Oppositionelle sind, die in ihrer Heimat bereits nach Kräften gegen den Krieg mobilisiert und informiert haben, stehen die Georgier den einwandernden Russen insgesamt ablehnend gegenüber. Vermieter wollen nicht an Russen vermieten und viele Georgier regen sich über junge Russen auf, die sich „wie im Urlaub“ benehmen, offensichtlich Geld haben und den Krieg und die Verantwortung im Ausland aussitzen, statt zu Hause ihre Stimme gegen Putin zu erheben. Nach dem Georgien Krieg 2008 sind immer noch Teile Georgiens durch Pro-Russische Separatisten besetzt und die meisten Georgier befürchten ein Szenario wie nun in der Ukraine. Hinzu kommt, dass vor allem seit der Verkündung der Teilmobilisierung durch Putin am 21. September mittlerweile rund 250.000 russische Flüchtlinge, zumeist Männer, die Grenze nach Georgien überquert haben. Dadurch sind die Preise in kürzester Zeit um rund 40 Prozent in die Höhe geschossen, vor allem Mieten, Energie und Lebensmittel sind seitdem für viele Georgier unerschwinglich. 

zerstörtes ukrainisches Haus im Ukraine Krieg

Nur soll sich bitte niemand in Russland von den daheimgebliebenen (nach der hoffentlich erfolgenden, vernichtenden Niederlage des russischen Militärs) des anderen Weltkriegs-Narrativs berufen. Dem, “Wir haben von Nichts gewusst!”- Narrativ der Mitläufer und Ignoranten! Was damals schon unglaubwürdig erschien, ist im 21. Jahrhundert, im digitalen Zeitalter, in dem Informationen omnipräsent und überall verfügbar sind und die Ukrainer, westliche Länder und auch einige mutige Russen verifizierte Nachrichten rund um die Uhr online stellen, einfach unmöglich nachzuvollziehen. Es kann beim besten Willen kein Russe hinterher behaupten: “Wir haben von Nichts gewusst”. 80% der Russen stehen hinter Putins “Spezialoperation”. Ich kann nur hoffen und beten, dass die 14% der Russen, die sich klar gegen den Krieg bzw. Putin positionieren, die übrigen Russen aufwecken und von ihrer Mittäterschaft abbringen! Mir tut es in der Seele weh, wie in einer absurden Reality-Show live zu verfolgen, wie zwei Brüder-Völker durch Massen-Manipulation der russischen Medien für Jahrzehnte, wenn nicht über Generationen hinweg zu Feinden werden. 

Ein für mich herausragendes Beispiel für innerrussischen Protest ist die russische Journalistin Marina Owsjannikowa. Sie selbst hat vor dem Hintergrund des Tschetschenienkriegs als Kind eine Flucht miterleben müssen. Trotz jahrelanger Arbeit als “gut funktionierendes Rädchen der russischen Propagandamaschine” als Journalistin beim Kreml-treuen Sender “Perwy kanal” (erster Kanal) sei beim russischen Angriff auf die Ukraine bei ihr endlich der Punkt erreicht gewesen, an dem sie sich vor lauter Scham, so lange Teil dieses Lügensystems gewesen zu sein, aufraffte und beschloss in einer Live-Sendung zu protestieren. Die Bilder von ihr, wie sie ein Plakat mit den Worten “NOWAR – Остановите войну –  не верьте пропаганде – здесь вам врут – RUSSIANS AGAINST WAR” („Kein Krieg – Beenden Sie den Krieg – Glauben Sie der Propaganda nicht – Hier werden Sie belogen – Russen gegen den Krieg“) hochhielt, gingen um die ganze Welt. Sie ist für mich das Beispiel von einer Person, die persönlich und wider besseren Wissens zum Bestehen und Wachsen des System Putins beigetragen hat. Dennoch hat sie angesichts der Ungeheuerlichkeit dieses Krieges den Mut geschöpft alle Sicherheiten, Vorteile und Annehmlichkeiten, die ihre Arbeit ihr, als alleinerziehende Mutter, gegeben hat aufzugeben. Gerade vor dem Hintergrund der verschärften Strafen (neues Mediengesetz- bis zu 15 Jahre Haft), Blockierung ausländischer Medieninhalte und dem Wissen um in der Vergangenheit getötete kritische Journalist*innen (Anna Politkowskaja 2006, Anastassija Baburowa 2009) und des beinahe getöteten, mittlerweile inhaftierten Kreml-Kritikers Alexei Nawalny, finde ich ihren Protest bemerkenswert.

Ihre Aktion scheint zu rufen: ”Seht her, wenn ich, bisher Teil des Systems mich gegen die Propaganda stellen kann, dann könnt ihr das auch!” 

-UPDATE: Ungeachtet möglicher Repressionen hat sich Marina Owsjannikowa erneut mit einer Protestaktion gegen das russische Regime gestellt (Juli 2022). Mit Plakaten auf denen „Putin ist ein Mörder“, stand und „Seine Soldaten sind Faschisten.“, sowie „Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?“ stand sie wohl in Sichtweite des Kremls in Moskau auf der Straße. Owsjannikowa wurde daraufhin von der Moskauer Polizei verhaftet. Seit dem Vorkommnis im Juli stand sie unter Hausarrest und durfte keine Kommunikationsmittel verwenden. Ihr drohte eine Anklage wegen „Verbreitung von Falschinformationen“ über die russische Armee auf die bis zu 10 Jahre Haft stehen. Ende Oktober 2022 schaffte sie auf bisher unbekanntem Weg die gemeinsame Flucht aus Russland mit ihrer Tochter. 

Flaggen Russland und der UkraineWeiterführende Links zum SPIEGEL, ZEIT und mdr:


Putins Ukraine Krieg – Vorboten und Nachwirkungen

Ukraine Krieg – Die Vorboten.


2013 formten sich unter der Euromaidan- Bewegung Proteste in der Ukraine gegen die damalige Regierung. Auslöser war die überraschende Erklärung der damaligen Kabinetts Asarow II, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. Am 18.März 2014 hat Putin völkerrechtswidrig die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Am 15.Februar 2015 wurde das Minsker Abkommen (Minsk II) geschlossen, mit dem die Unruhen in der Ostukraine beschwichtigt werden sollten. Nach mehreren Übergriffen der russischen Küstenwache auf ukrainische Schiffe und der Sorge vor einer russischen Invasion wegen massivem Truppenaufgebot an der Grenze zur Ukraine, wurde in der Ukraine ab dem 26.November 2018 ein 30-tägiger Ausnahmezustand verhängt. Am 21.Februar 2022 unterzeichnete Putin ein Dekret, womit er die Unabhängigkeit der besetzten ukrainischen Gebiete anerkannte. Am 24.Februar 2022 griff Russland die Ukraine dann völkerrechtswidrig an.
Eurpoa Euromaidan Ukraine Kiew

Jetzt ist Krieg.

Hätten wir es aus den Ereignissen vorhersehen können? Hätten unsere Politiker es verhindern können? Hat die Welt zu lange weggeschaut? Die Ukraine, die vielen Deutschen nicht oder nur bislang nur vage bekannt ist, von den wenigsten jemals als Reiseziel in Betracht gezogen und sogar oft wegen der verbreiteten russischen Sprache in einen Topf geworfene, wunderschöne Ukraine, ist heute so nah an Deutschland gerückt wie nie zuvor. Jeder kennt direkt oder um ein paar Ecken Ukrainer, plötzlich erzählt der Arzt mit belegter Stimme, das sein Schwager Ukrainer ist, die IT-Studentin die das Tutorium leitet kommt doch auch aus Kiew, Omas Fußpflegerin, bringt doch immer Speck aus der Ukraine mit, der Postmann liefert das Paket am Tag des Kriegsbeginns mit geröteten Augen und gesenktem Blick ab, höre ich da nicht einen vertrauten Akzent?
Krieg Ukraine

Wir sind alle betroffen.

Und auch die, die niemanden aus der Ukraine, auch nicht um ein paar Ecken kennen sehen die Bilder und sind – sprachlos, entsetzt, berührt und hilflos. Die Angst um Angehörige, Bekannte, Freunde. Die Angst um Menschen, die man nicht mal kennt. Die Wut auf einen so sinnlosen und grausamen Krieg. Das Bewusstsein, dass alles endlich ist. Ein Stück unserer Normalität unseres Selbstverständnisses ist weggebrochen. Die Sicherheit und Souveränität Europas bedroht. Eine humanitäre Katastrophe globalen Ausmaßes: Tote, Verwundete, Waisen, verwaiste Eltern, entwurzelte Menschen auf der Flucht und im erbitterten Kampf. Drohende Hungersnöte, weil die Weizenpreise explodieren. Angst vor einer nuklearen Katastrophe. Die Ohnmacht.
Flüchtlinge Ukraine Kind auf Koffern
Die Hilfsbereitschaft. 

Von der Lähmung zur Handlung. Viele Menschen organisierten bereits in den ersten Kriegstagen private Hilfskonvois, sammelten Geld- und Sachspenden, räumten vorausschauend Zimmer leer, registrierten diese bei Organisationen und Stadtverwaltungen und fuhren z.T. sogar selbst an die überfüllten Grenzen, um Menschen mit Bussen und PKWs abzuholen. Einige organisierten Deutsch-Kurse oder Vernetzungstreffen, einige Menschen gingen auch soweit, sich bis an die Zähne bewaffnet ins Kriegsgebiet zu begeben und dort auf der Seite der Ukrainer zu kämpfen. Die deutsche Bundesregierung schickt Geld, Hilfsgüter und mittlerweile auch (schwere) Waffen. Insgesamt ist wirklich eine Solidarität und Einigkeit auf allen vorstellbaren Ebenen zu spüren, die ich so noch nicht erlebt habe. 

Demo für Frieden in der Ukraine

Selbst in diesem furchtbaren Krieg mitten in Europa und trotz persönlicher Betroffenheit, staune ich, wie standhaft die ukrainische Armee und Bevölkerung ist, versuche mich über schöne Momente mit den Menschen, die jetzt bei uns sind zu freuen und versuche die Zeit trotz Heim-bzw. Fernweh für alle so gut zu gestalten, wie es nur irgend möglich ist. 
Ich verfolge die Nachrichten, die Verschiebungen der Gebiete unter ukrainischer bzw. russischer Kontrolle, die Anzahl der Getöteten auf beiden Seiten, die “Friedensgespräche” der Politiker und die Anzahl der zerstörten russischen Panzer, Flugzeuge und Schiffe. Als ob das irgendetwas ändert, oder ob man ab einer bestimmten Zahl zerstörter Waffen und Fahrzeuge oder getöteter Soldaten ein sicheres, baldiges Ende dieses Krieges abschätzen kann! Meine Seele zerspringt beim Gedanken an die gefolterten Menschen in Butscha, mein an Herz zerreißt, sobald mir die Bilder der eingeschlossenen Kämpfer im Stahlwerk bei Mariupol in den Sinn kommen. Ich möchte mich ablenken, denke jedoch, dass wir diesen verzweifelten Soldaten zumindest ein paar Gebete schuldig sind. Es ist dieser Zynismus des Krieges, der mich auffrisst.
Ukrainischer Soldat verzweifelt vor ukrainischer Flagge
Die moralische Unvereinbarkeit “dabeizustehen” während man live durch die Nachrichten mitverfolgen kann, wie diese Menschen einem gewaltsamen Tod ins Auge blicken und gleichzeitig über Belanglosigkeiten reden, mich an einem leckeren Brokkolisalat erfreuen, meine Küken in der Sonne spielen und aufwachsen sehen dürfen. Es ist zum Verzweifeln und ich hoffe einfach nur mit jeder Faser meinen Leibes auf ein schnelles Ende des Kriegs und bete für Souveränität und den Wiederaufbau der Ukraine!
 

DIY Bulli Ideen – Frühjahrsputz im T3 für den ersten Roadtrip 2024!

Camper Van verschönern – Einfache Ideen 


Außer dem leicht entfernbaren Schmutz und handfesten technischen Herausforderungen, die wir wohl besser in einer Meisterwerkstatt durchführen lassen, möchte ich den Wohlfühlfaktor in unserem Zeit-und Raumschiff erhöhen. Irgendwie wirkt er mir zu “clean” und unpersönlich, wenn sich nicht gerade unsere Küken mit all ihren Habseligkeiten darin ausgebreitet haben. 

Letzte Woche hatte ich endlich ein bisschen Zeit zu bummeln und habe etwas Klettverschluss, ein paar Bilderrahmen und ein paar unvergängliche Blümchen besorgt. 
Ein Punkt, der mir bereits bei unseren letzten Roadtrips missfallen hat (das nennt man übrigens Jammern auf hohem Niveau 🙂 ist die Beleuchtung unseres Schätzchens.

Im Küchenbereich unseres Oldtimers gibt es eine medizinisch anmutende Neonlampe, die sich wirklich hervorragend eignet, um in finsterer Nacht Splitter aus kleinen Kinderhänden raus zu operieren, Orangen zu filetieren oder nach Mücken zu jagen. Zusätzlich gibt es noch eine sehr kuschelige, schummrig-warm-gelbe Retro-Beleuchtung im unteren Schlafbereich, die sich jedoch nicht wirklich zum Lesen eignet. Auch wenn ich mir mittlerweile einen E-Reader angeschafft habe, so möchte ich dennoch nicht auf meine handfesten Bücher verzichten, vor allem weil ich so viele noch ungelesen zu Hause für den Fall eines plötzlichen Camping-Urlaubs aufgespart habe. 

Bulli Beauty

Aus dem Bekanntenkreis kam immer wieder der Ruf nach Lichterketten im Bulli! Ich bin jedoch nicht wirklich ein Fan von Lichterketten- Zu viel Kabel für zu wenig Licht und die Vielfalt der im Handel erhältlichen Lichterketten überfordert mich häufig und ich finde den Look oft ein wenig billig, wenn man eine unpassende Lichterkette wählt oder diese nicht vernünftig anbringt und die Kabel ordentlich kaschiert. 

Zum Glück bin ich nach längerer Recherche endlich im Internet fündig geworden und habe diese praktischen kleinen Klemmleuchten gefunden, die nun hoffentlich mein Beleuchtungsproblem lösen. Begeistert bin ich von den drei Lichtspektren, der überraschenden Helligkeit und vor allem dem Fehlen eines lästigen Kabels. Sollte die Lampe leer sein, kann ich sie einfach über einen der zahlreichen USB-Anschlüsse meines Bullis laden und anschließend wieder dahin klemmen wo ich sie brauche. Mit Hilfe ein paar aneinander genähter Klettverschluss Streifen, die ich mit etwas Stoff optisch aufgewertet habe, lässt sich die Halterung für die Klemmen ohne Geschraube überall im hinteren und oberen Liegebereich anbringen und mit dem kleinen biegsamen “Schwanenhals” erreicht das Lämpchen mein Buch in jeder Liege- und Sitzposition. Oder man klemmt die Lampe direkt ans Buch, ich bevorzuge jedoch die “Wandbefestigung”.

Bulli Interior

Deko & Beleuchtung>Die Bilderrahmen habe ich farblich passend zum Innenleben unseres Bullis in Schwarz- und Goldtönen erworben. Ich finde ein paar Reisefotos von COSMOS beim Camping an der Ostsee, bei der Restauration unseres Bullis in der Ukraine oder beim Roadtrip durch Moldawien passend. Hier klebe ich mit der Heißklebepistole oben und unten einen Streifen Klettband auf den Rahmen. So kann ich die Position der Bilder beliebig oft auf dem Teppich wechseln, ohne Bohren oder Hämmern zu müssen. Dann habe ich mit Canva ein paar schöne Urlaubsfotos und Memes zu Collagen zusammengestellt: 

Collage Urlaubsfotos mit Classic Cars

Diese süße kleine Retro-Leuchtbox mit Buchstaben habe ich zufällig gesehen und fand sie einfach sehr passend. Zunächst war ich beim Anblick der Box zwiegespalten. Zu oft habe ich uninspirierte Kalendersprüche in Wohnungsfluren von Bekannten oder Freunden auf eben diesen Leuchtboxen lesen müssen. Aber das kleine Format hat es mir irgendwie angetan und ein bisschen mehr indirekte Beleuchtung kann ja nicht schaden. Diese ist leider nur batteriebetrieben (ich verwende aufladbare Batterien) ich hätte es toll gefunden, wenn es auch die Möglichkeit gäbe sie über USB zu betreiben. Falls ein Campervan /Bulli-Besitzer da draußen die Idee nachempfinden möchte, verlinke ich unten eine ziemlich perfekte Buchstaben-Leuchtbox (A6-Format), die sowohl über USB, als auch über Batterie zu bedienen ist. 

Bilderrahmen mit Klettband bekleben und im Bulli aufhängen

Zudem bin ich noch auf der Suche nach einer möglichst “glasig” aussehenden Plastikvase für die Kunstblumen und ein paar hübschen LED-Kerzen, die möglichst auch per USB-Anschluss geladen werden können. Hier muss ich mir noch überlegen, wie ich die ohne Schrauben an der Arbeitsplatte fixiere, so dass bei kurviger Fahrt und Bremsen alles an seinem Platz bleibt. 

Ich finde die kleinen Veränderungen haben spürbar für eine kuscheligere Atmosphäre gesorgt. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, einen verregneten Nachmittag bei geöffneter Heckklappe und guter Aussicht auf der bequemen Liegefläche meines T3 `s rumzulümmeln und mich endlich meinen ganzen ungelesenen Büchern zu widmen. Es ist definitiv Zeit für den nächsten Roadtrip!

Bilderrahmen als Deko im T3 Oldtimer Campervan

 

Brokkolisalat- Lecker, gesund, vegan!

Brokkoli stand bislang eigentlich nicht auf meiner wöchentlichen Einkaufsliste. Sehr selten nur hat mich mein schlechtes Gewissen aus gesundheitlichen Gründen zum Kauf von Brokkoli verleitet und meistens ist er dann nach einer langen Verweildauer im Kühlschrank und schleichendem Dahinwelken in einer sehr uninspirierten Cremesuppe gelandet. 

Vermutlich war es wieder das schlechte Gewissen, nachdem wir tagelang nahezu jedes Restaurant getestet haben was auf unserem Weg lag, welches mich im “Silpo” in Czernowitz bei unserem Sommerurlaub in der Ukraine letztes Jahr dazu verleitet hat Brokkolisalat an der Frischetheke zu kaufen. Es war ein sehr heißer Tag im Mai, tausende Löwenzahnblüten zeichneten im Kontrast zum azurblauen Himmel die Landesfarben der Ukraine und ich denke ich wollte mich genauso gesund und prächtig fühlen wie diese fruchtbare, erblühende Landschaft. 

Bei meiner Entscheidung spielte die Anwesenheit von Granatapfelkernen im Salat eine entscheidende Rolle. Ich habe diese Frucht bereits vor der Ukraine schätzen und lieben gelernt, jedoch gab es zumindest vor dem Krieg in jeder größeren Stadt in der Ukraine vorzügliche georgische Restaurants, welche mir den Genuss der georgische Dreifaltigkeit Walnüsse, Granatapfelkerne und frischen Koriander stets zugänglich machten. In diesem Salat spielen sowohl die Granatapfelkerne eine entscheidende Rolle, als auch der Granatapfelsirup. 

Brokkolisalat vegan mit Granatapfelkernen und Pilzen

Die ersten Bissen des Salats waren die reinste Offenbarung. Umami ist glaube ich noch die akkurateste Beschreibung. Es paarten sich würzig-buttrige Pilze, süß-scharfe  Zwiebelringe, süß-säuerlicher Granatapfel mit genau der richtigen Konsistenz und von Brokkoli – irgendwo zwischen knackig und zart, so dass seine “grünen” Eigenschaften genau hervorgehoben wurden. Ich muss glaube ich nicht erklären, dass ich diesen Supermarkt noch öfter aufsuchte und mir diesen Kick gönnte. Ich kann ehrlich gesagt bis heute nicht verstehen, wie ein dermaßen gesunder, vitaminreicher Salat einfach nur so irrsinnig lecker sein kann, dass ich ihn mindestens einmal die Woche zubereite und nicht aufhören kann zu essen, bis die Schüssel leer ist. 

Ich habe leider nirgendwo ein Rezept gefunden, welches dem “Silpo”-Frischetheken Salat nahe kommt, allerdings musste ich mich bei meiner Suche auch auf deutsch und englischsprachige Seiten konzentrieren. Ich habe also mit ein bisschen “Trial and Error” ein super “Copy-Cat” Rezept erstellt, welches ich euch hier vorstellen möchte!

Was mich zusätzlich begeistert, ist dass die Zutaten im Gegensatz zu z.B. Blattsalat lange frisch halten und man einiges tiefgekühlt kaufen kann, so dass einem spontanen sonntäglichen Vitaminkick nichts im Wege steht. Der Salat ist zudem ziemlich preiswert und wenn man Dr. Fuhrmann´s Anti-Krebs- und Anti-Aging- Forschungen Glauben schenken mag, dann ist genau die vegane Kombination aus grünem Kreuzblütler-Gemüse (Brokkoli), Beeren (Granatapfel), kurz erhitzten Pilzen (Champignons) und rohen Zwiebeln, ein absoluter Booster für das Immunsystem, Jung-Erhaltung der Zellen und der ultimative Krebs-Endboss (Dr. Fuhrmann “Eat to Life”, z.B. Youtube).

 
Dr. Fuhrmann gibt übrigens den Tipp, dass man Brokkoli zwischen dem Kleinschneiden und dem Erhitzen 45 Minuten angeschnitten liegen lassen sollte, da sich in der Zeit alle Enzyme aktivieren, die hinterher so gut für uns sind. Der alte Glauben, man solle alles so schnell wie möglich zubereiten, damit keine Vitamine verloren gehen, gilt also nicht für den Brokkoli. Wenn man tiefgekühlten Brokkoli verwendet, dann hat man diese Möglichkeit nicht unbedingt, jedoch tut das der Bekömmlichkeit des Salats keinen Abbruch! 

Zutaten veganer Brokkoli Salat mit Granatapfelkernen und Champignons

Zutaten (4 Portionen als Hauptspeise mit Brot)

  • 2 kleine Köpfe frischer Brokkoli oder ½ Paket TK Brokkoli Röschen (400g)
  • 400g Champignons 
  • 1 große rote Zwiebel
  • 1 Granatapfel oder 1-2 Tütchen TK Granatapfelkerne 
  • 3 EL Tamari Sauce (bitte tut euch den Gefallen und nehmt keine Soja-Sauce – ganz anderes „Umami“-Level!)
  • 3 EL Granatapfelsirup (ich bevorzuge 100% igen)
  • etwas Apfelessig
  • Brot zum Servieren

Zunächst schneide ich die Pilze in Scheibchen und brate sie in etwas Fett in der Pfanne an, bis sie leicht bräunen.

Bei frischem Brokkoli schneide ich die Röschen in mundgerechte Stücke und die Stängel ebenfalls in kleine Häppchen. Wenn überhaupt blanchiere ich nur die Stängel ganz kurz, da die frischen Röschen mit zunehmender Zeit in der Sauce ohnehin leicht weich werden und ich den knackigen Genuss nicht verderben will. Habe ich nur noch tiefgekühlten Brokkoli zur Auswahl, dann blanchiere ich die Röschen für 1-2 Minuten in kochendem Wasser, bis sie aufgetaut sind. 

Zubereitung Brokkolisalat mit Granatapfelsirup und Pilzen

Die Zwiebel mag ich gerne in feine Ringen geschnitten. Die perfekte Art einen Granatapfel ohne Sauerei zu entkernen will ich hier nicht im Detail beschreiben, auf YouTube gibt es jedoch fantastische Videos dazu. Fakt ist: Wir wollen die Kerne 🙂 Wenn Gemüse, Pilze und der Granatapfel in der Schüssel gelandet sind gebe ich die Tamari-Sauce und den Granatapfelsirup hinzu, schmecke es mit etwas Apfelessig ab und füge je nach Lust und Laune höchstens etwas Pfeffer hinzu. Es schadet meiner Ansicht nach überhaupt nicht, wenn die Pilze noch warm sind. Lauwarm und sofort genossen eignet sich dieser Salat hervorragend als leichte, vollwertige Mahlzeit. Wer mag kann noch geröstete Nüsse und Kerne hinzufügen. 

Wenn du (so wie ich am Anfang) Schwierigkeiten hast Tamari Sauce und Granatapfelsirup (100 Prozentigen ohne Zucker!) in deinem Supermarkt zu finden, habe ich dir hier eine leckere, glutenfreie Sauce mit Zutaten aus biologischem Anbau und hochwertigen Granatapfelsirup verlinkt. Dies ist ein Affiliate Link, dass heißt du zahlst den regulären Preis und ich bekomme eine kleine Provision die mir hilft den Blog weiter zu betreiben.