Apfelkuchen – Ukrainisches Rezept

Schneller Apfelkuchen – Yabluchnyk

Wie in meinem Beitrag zum ukrainisch / slawisch / orthodoxen Festtag des “Apfelretters” (Я́блочный Спа́с – Jablotschni Spas) am 19. August angekündigt, folgt hier ein Rezept für den traditionellen ukrainischen Apfelkuchen Yabluchnyk! Zu dieser wundervollen Jahreszeit kann man sich in der Ukraine vor den verschiedensten Apfelsorten kaum retten. Eimer- und tütenweise stehen sie vor den Häusern an der Straße und können für wenige Hrywnja im Vorbeifahren erworben werden. Fast jedes Haus im ländlichen Raum verfügt über einen üppigen Selbstversorgergarten und die Überschüsse werden haltbar gemacht oder direkt monetarisiert. 

Wir haben auf Reisen stets von diesen regionalen und sehr einzigartigen Einkaufsmöglichkeiten Gebrauch gemacht, sind wir doch hier an ungespritzte “Bio” Äpfel und vermutlich viele alte und nicht für den kommerziellen Anbau geeignete Sorten gekommen. Manche Apfelsorten habe ich weder vorher je gegessen, noch später je wieder irgendwo wieder gesehen. Für diesen sehr einfachen und schnellen Apfelkuchen eignen sich vor allem säuerliche Äpfel wie z.B. Boskop. Der Rührkuchen lässt sich in Frischhaltefolie gewickelt gut für den späteren Verzehr einfrieren.

Glückliche Äpfel für ukrainischen Apfelkuchen Yabluchnyk

Die Zutaten sind ausreichend für eine Springform mit 24cm Durchmesser:

Apfelkuchen Rührteig

  • 100 g süße Sahne
  • 1 Ei (M)
  • 1 Msp. Vanillepulver (oder 1 Pck. Vanillezucker)
  • 185 g Mehl (Weizen- oder Dinkel)
  • 2 TL Backpulver
  • 1 Pr. Salz
  • 50 g Zucker, alternativ Zuckerersatz wie z.B. Birkenzucker
  • 75 g weiche Butter
  • Zitronenabrieb nach Geschmack

Apfelkuchen Belag

  • 2-3 Äpfel, vorzugsweise leicht säuerliche (Boskop o.ä.), alternativ können auch andere Früchte verwendet werden
  • 3 EL Rohrohrzucker
  • ca. 1/2 TL Zimt
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • 20 g weiche Butter
  • 3 EL Zitronensaft

Einfacher Apfelkuchen – Springform

Du verrührst alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig, indem du zunächst das Ei, mit dem Zucker und Vanillezucker verquirlst und dann die restlichen Ingredienzien (natürlich zunächst das Mehl mit dem Backpulver vermischen) hinzugibst. Meistens erwärme ich die Butter direkt im Ofen während des Aufheizens, dann habe ich einen fluffigen Teig, ohne Butterflocken. Die Äpfel werden nach gründlicher Säuberung vom Kerngehäuse befreit.  Du schneidest feine Apfelstücke, die du dann mit Zimt, Rohrzucker, sowie Zitronensaft (gegen die Oxidierung) vermischst. Gib den Rührteig in eine gefettete / mit Dauerbackfolie ausgelegte Springform und streich ihn möglichst eben. Die Apfel- Mischung kommt nun als Topping einfach oben auf den Teig. Im Laufe der Backzeit steigt der Teig über die Apfelstücke, so dass der Effekt eines versunkenen Apfelkuchens entsteht. Springform ab aufs Backblech und auf die mittlere Schiene.

Kurze Backzeit: Den Yabluchnyk bei 200 Grad Ober-/ Unterhitze (bzw. Umluft 180°C), für 25-30 Minuten (Stäbchenprobe!) goldbraun backen. 

Yabluchnyk - Ein ukrainischer Apfelkuchen mit Rezept

Yabluchnyk – Ukrainisches Rezept!

Typisch ukrainisch würde der Apfelkuchen pur serviert werden. In einem exquisiten Cafe in Lemberg oder Kiew könnte man eine hausgemachte Kugel Vanilleeis dazu bestellen. Sahne in geschlagener Form “взбитые сливки” (wsbitie sliwki – eines meiner Lieblingswörter – versuch das mal schnell und oft hintereinander zu sagen 😉 ist in der Ukraine absolut unüblich als Garnitur, Beilage oder Veredelung von Kuchen. Selbst in italienischen Eiscafes in der “ukrainischen Schweiz”, der Czernowitzer Flaniermeile in den Karpaten, mit dem besten Eis was ich vermutlich je gegessen habe, sind sowohl Eisbecher, als auch Schlagsahne zum Eis absolut unüblich. Wenn du Sprühsahne oder einen Mixer zum Schlagen der Sahne zu Hause hast, verbietet dir aber natürlich niemand, den Yabluchnyk auch mit Schlagsahne zu genießen. Ich möchte sogar augenzwinkernd anmerken, dass “meine” Ukrainer allmählich Gefallen an dieser deutschen Sitte gefunden haben. 

 

Viel Spaß bei der Zubereitung – und dann guten Appetit (ukr.“Smatschnoho” =Смачного!)!

Apfelkuchen Springform

Na gut, nicht nur für Apfelkuchen geeignet aber ziemlich ideal mit dem praktischen Transportdeckel gegen die aufdringlichen Wespen, die im Spätsommer jagt auf den appetitlichen Rührkuchen machen werden. Ein idealer Begleiter zum Backen und im Anschluss fürs Picknick 🙂 Dies ist ein Affiliate-Link, dass heißt du zahlst nur den regulären Preis und Amazon gibt mir eine kleine Provision, mit der ich den Blog weiter ausbauen kann! Danke dir!

Ukraine Krieg – News aktuell: Schock

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine tobt nun seit über 220 Tagen. Ein halbes Jahr Angst und Schrecken. Sorgen um eine nukleare Katastrophe durch einen russischen Atomschlag oder kriegsbedingt durch den Angriff russischer Truppen ein Super-GAU, auf ukrainischem Boden, eine globale Katastrophe durch ein Reaktor- Unglück der besetzten ukrainischen Kernkraftwerke. Zwischendurch Memes und Satire, die mich zum Nachdenken, Schmunzeln und auch Lachen bringen, eine Berg und Talfahrt und auch Schuldgefühle. 

Angst um Soldaten und Zivilisten, verheerende Zerstörungen, Bilder von Flucht, Tod, Folter, nicht ermessbarem Leid, die wir selbst hier, im noch sicheren Deutschland vermutlich unser Leben lang nicht wieder aus unserem Gedächtnis löschen können.

Ich erlebe ein Wechselbad der Gefühle, beobachte geschockt, wie ich als nun ehemalige Pazifistin Waffenlieferungen und militärische Hilfe jeder Art befürworte und fordere! Es war so leicht Pazifistin zu sein, solange meine Familie von den weltweiten Kriegen nie direkt betroffen war!

Der Krieg betrifft uns alle!

Es wechselten sich Phasen ab, in denen wir zusammen Nächte vor den Handys verbracht haben, in Angst vor Kontaktabbruch mit Angehörigen. Jeden Einschlag, jede Detonation aus den sozialen Netzwerken mit uns bekannten Landmarken, Karten verglichen und gehofft und gebangt haben, dass es nicht „unsere“ trifft. Aber es trifft „unsere“. Jeden Tag. Nach Wochen und Monaten im Kriegszustand- selbst hier in Dortmund über den persönlichen Kontakt in die Ukraine, die Nachrichten und die geflüchteten Menschen bei uns, kann ich von Herzen sagen: Jeder Ukrainer, jede Ukrainerin, jedes ukrainische Kind, die getötet, verwundet, geschändet, traumatisiert werden, jedes ukrainische Baby was nicht geboren werden wird, alle der Ukraine zur Unterstützung geeilten Helfer, Militärs aus der ganzen Welt, Männer und Frauen aus den USA, Schottland, Litauen, Polen, Weißrussland ja sogar russische Kämpfer auf Seiten der Ukraine, jeder dieser Menschen ist einer der „unseren“.

Meine Gebete, meine Hoffnung, mein Dank gelten ihnen allen. Zwischendurch war meine Angst, mein Bangen, mein Zweifel so groß, dass es Phasen gab, in denen ich tagelang versuchte, mich von den Nachrichten abzuschirmen. Nichts mehr wahrzunehmen. Die Menschen in den Kriegsgebieten haben diese Option nicht. Ich schämte mich, satt, mit einem kleinen Teil der Ukrainer*innen bei uns in Sicherheit lebend, nicht mal die Bilder, die Nachrichten aus der Ukraine aufnehmen zu können. Betrieb ich so nicht Verrat an den Zivilisten und tapferen Kämpfern? Als die Soldaten und Soldatinnen im Asow-Stahlwerk eingekesselt waren, wurde ich fast wahnsinnig vor Hilflosigkeit. Nun die Sorge um Schauprozesse zum Tag der Unabhängigkeit der Ukraine in Mariupol. Was kann man dagegen tun? Es ist zum verrückt werden. Da helfen auch kein Digital-Detox, keine Katzenvideos und kein Ausdauersport.

Kriegstrauma 

Als die Nachricht der Folter, der Genitalverstümmelung durch russische Soldaten an ukrainischen POW (Kriegsgefangenen) trotz selbst auferlegter Nachrichtensperre an mich drang, spürte mein ehemaliges Pazifistenherz den heißen, lodernden Wunsch der Vergeltung. Den Drang nach Rache. Vielleicht auch Hass auf die abgestumpften, kalten Menschen, die so etwas an wehrlosen Gefangen verüben können. Mehr noch Hass auf die Troll – gewordenen Menschen, die so etwas kaltschnäuzig in „lustigen“ Memes verarbeiten und in den sozialen Netzwerken teilen. Die Beiläufigkeit, mit der Ukrainer*innen das Mensch sein, das Recht auf Selbstbestimmung, auf ein eigenes Land abgesprochen wird schockiert mich. Die nicht enden wollenden Funde von Folterkammern der russischen Armee in befreiten Gebieten. Die Bilder von Kisten mit Zahnimplantaten, die mich doch erschreckend an den Holocaust  erinnern. Das zynische Abwiegen zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Industriestaaten und dem Überlebenskampf eines Volkes, einer Nation. Die Gefühle, die ich durchlebe, die Gedanken, die ich denke, schockieren mich. Und immer noch: Ich sitze bei absoluter Meinungsfreiheit so sicher wie eine Made im Käse im fernen Deutschland. Die Menschen in der Ukraine haben den Luxus des räumlichen Abstands nicht. Sie sind mitten drin. Was macht das mit ihrer Psyche?

Die Nachrichten, wie selbst Amnesty International mit ihrem in die Kritik (bzw. Shitstorm) geratenen Bericht Verständnis für Russland zeigt, dass 61.000 getötete russische Soldaten noch nicht ausreichen, um den Nachschub an menschlichem Kanonenfutter aus Russland zu unterbinden, dass die ganze Zerstörung und der zersetzende Gestank des Todes nicht ausreichen, russische Touristen vom Urlaub auf der Krim abzuhalten. Das alles schockiert mich!

Prorussische Hetze

Harmlos anfangende Gespräche mit Menschen auf der Straße schockieren mich. Da war dieser Mann, dessen Hund mich an einem sonnigen Morgen als ich auf die U-Bahn wartete, herzerwärmend begrüßte. Nach flauschigem Smalltalk über Hund und dem Wetter fing er unvermittelt an über die Politik herzuziehen, wie spätestens im Winter alles vor die Hunde gehen werde, weil die Ukrainer uns wirtschaftlich so sehr schaden würden und die Politik nicht zu Putin halten würde, wie es seiner Ansicht nach „vernünftig“ wäre. Es wäre doch jahrzehntelang alles gut gegangen und jetzt würde man für ein paar Ukrainer alles aufs Spiel setzen. Wenn diese Uneinsichtigen doch einfach das Stückchen Erde aufgeben würden und sich Russland anschließen würden, wäre allen geholfen.

Ich bin bis jetzt schockiert, vor allem wenn ich mir annähernd vorstelle, dass er mit seiner Meinung leider absolut nicht allein ist.

Mir hilft nur das Schreiben, Kontakt mit den Ukrainer*innen, die wir in Sicherheit bei uns bringen konnten, Ablenkung wann immer möglich und mit meinem Gewissen vereinbar und seit kurzem auch gezielt selektive Wahrnehmung. Ich suche mir Erfolge der ukrainischen Armee raus, scanne die Nachrichten nach jedem optimistischen Beitrag, feiere kleine Siege, raffinierte Schachzüge der Armee, der Partisanen und versuche den Abzug, die Niederlage des russischen Militärs aus der Krim, aus der Ukraine zu visualisieren. Während weitestgehend ungestört die International Armee Games die russische „Kriegs-Olympiade“ in Russland stattfindet, stimmt es mich optimistisch, dass Putin sich nun erneut den seit 2016 durch Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko im Raum stehenden Anschuldigungen der Pädophilie stellen muss. Der aktuelle Twitter-Trend #PedoPutin vermag vielleicht das letzte Zünglein an der Waage zu sein, um das russische Volk endlich gegen den verehrten Diktator auf die Barrikaden zu bringen und den Zerfall des Putin- Regimes von innen auszulösen.

Kriegsfolgen

Ich weiß, dass es damit nicht getan ist. Ich weiß, dass trotz der Tapferkeit, der unfassbaren Stärke der unterschätzten Ukraine und ihrer Bewohner*innen auch nach einem Abzug der russischen Armee noch 100 Jahre Arbeit und Aufarbeitung auf die Ukraine warten. In Deutschland führen immer noch Funde von Weltkriegsbomben bei Bauarbeiten zur temporären Evakuierung zehntausender Menschen. Die Ukrainer*innen die bei uns sind, bekommen das aus den Nachrichten mit. Das intellektuelle Verständnis für die Langwierigkeit der Situation ist bei allen da, aber ich merke selbst, dass es trotzdem unmöglich ist, das Ausmaß wirklich zu begreifen.

Shitstorm für Elon Musk

Aktuell befreit die Ukraine Dorf um Dorf in der Region Kherson. Währenddessen rollt Putins Atomzug auf die Ukraine zu. Elon Musk, im Frühling noch wegen seine scheinbar selbstlosen Überlassung der „Starlink“ – Satelliten gefeiert, hat sich dick in die Nesseln gesetzt, als er sinngemäß twitterte, eine faire Abstimmung und ggf. die Überlassung der annektierten Gebiete an Russland könnten den Frieden wieder herstellen. Das man mit Putin nicht verhandeln kann, haben die letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gezeigt. Es ist tragisch, wenn selbst als Genie bezeichnete Menschen wie Elon Musk das nicht verstehen. Vielleicht sollte er lieber bei der Auto-Herstellung bleiben.

Tschechien „annektiert“ Kaliningrad

Nach dem niederländischen Vorschlag den Russ*innen per Referendum eine Angliederung an die Niederlande zu ermöglichen, wagt nun auch Tschechien einen geschichtlich einwandfreien Vorschlag! Tschechien fordert kurzerhand die Annexion Kaliningrads und beschert dem russischen Volk damit echte Paranoia. Das als Satire gestarteten Projekt, Kaliningrad unter 97,6 % Zustimmung in einem „freien Referendum“ zu annektieren und zur tschechischen Stadt Kralovec umzubenennen, haben einige russische Medien als ernstgemeinten Fakt missverstanden. Die ganzen eigenen Fake-News haben scheinbar die Hirne der Redakteure und Journalisten weich gekocht. Jedoch ist das Projekt wirklich gut gemacht und unter dem Hashtag #VisitKralovec findet sich bereits die Touristen Homepage des neuen „tschechischen“ Touristenmagnets – natürlich in tschechischer Sprache 🙂 
 

Der Schock, das Trauma wird noch lange da sein. Doch es gibt auch viel Hoffnung. Die Welt rückt auch irgendwie näher zusammen. Besinnt sich auf demokratische Werte. Zeigt Solidarität. Eine neue Art von Humor entsteht. Die Ukrainer zeigen mit dieser Art von Humor, dass sie sich nicht klein kriegen lassen. Das Interview von einem befreiten ukrainischen Soldaten aus Mariupol hat mich schwer beeindruckt. Er erzählte eine Geschichte aus seiner Kindheit. Wie sein Vater ihn lehrte, dass es nichts bringt den Kopf hängen zu lassen. Und auf die Frage, wie er die Zeit, die Folter in russischer Gefangenschaft ausgehalten habe antwortete er schlicht: „Man sucht sich Gleichgesinnte (unter den Gefangenen). Optimisten. Man erzählt sich Witze. Und dann geht das so.“ Misere gäbe es ja schließlich schon genug, ohne dass man mit seiner inneren Haltung noch dazu beitrüge. Ich habe größten Respekt und wünsche diese Stärke, diese innere Haltung uns allen. Slava Ukraini! 

Orthodoxe Feiertage – Sommer

Orthodoxe Fastenzeit – Maria Entschlafen

Im Sommer werden vor allem 4 Feiertage im ukrainisch- und russisch-orthodoxen Christentum, im Zusammenhang mit der 14 tägigen Fastenzeit zu Maria Entschlafen, begangen. Das Wort Spas in den Namen der Feste ist eine Abkürzung des Wortes Spasitel und beutetet Retter, es steht für Christus. Die drei Feste markieren die Fastenzeit zu Maria Entschlafung vom (das Datum in Klammern ist der neue Kalender, julianische Zeitrechnung) 1. (14.) August bis zum 15. (28.) August. An jedem der orthodoxen Festtage ist es üblich, Speisen in der Kirche segnen zu lassen und sie gemeinsam mit der Familie zu verzehren. Insgesamt gibt es drei “Feste des Erlösers”. Bei diesen Festen wie auch bei anderen des orthodoxen Kalenders, mischen sich alte ostslawische Bräuche mit dem orthodoxen Christentum. Das für alle drei Feste des Erlösers namensgebende “Спа́с” kommt vom russischen Wort “спаситель” (Spasitel) das Retter bedeutet und auf die Erlösung durch die Verklärung/Verwandlung Jesus anspielt. Manchmal werden die Speisen aufgrund des hohen Andrangs vor den Kirchen gesegnet und das Weihwasser spritzt so üppig, dass es vor den Kirchen fröhliche Pfützen bildet. Während mittlerweile auch im Westen einige Bräuche der Ostkirchen rund um die Hauptfeste wie das Osterfest oder die Weihnachtsfeiertage bekannt sind, sind ukrainische und orthodoxe Festzeiten rund ums Kirchenjahr wie Christi Himmelfahrt, Pfingsten, die Taufe oder Gottesdienste zu Ehren Maria als Gottesgebärerin mit ihren dazugehörigen Sitten nahezu unbekannt. 

Orthodoxe Feiertage – Vorchristlicher Ursprung

Die Feiertage haben einen vorchristlichen Ursprung und sind mit der Ernte reifer Früchte, insbesondere Äpfel, verbunden. In der ostslawischen Folklore markieren sie den Beginn des Herbstes und bedeutet die “Verklärung”, also die Verwandlung der Natur. Dementsprechend gibt es an diesen Tagen, z.B. am Apfelretter eine Vielzahl von Apfelkuchen, Apfelrezepten und frischen, gesegneten Äpfeln (jedoch regional auch andere Herbstfrüchte, wie Trauben, Birnen, Pflaumen) vor allem jedoch Apfelspeisen zu essen. 
 

Erntedank

Wie bei vielen Feiertagen mischt sich hier landwirtschaftliche Relevanz bestimmter Daten, der christliche Glauben und alter Volksglauben. So munkelt man z.B. wer an dem Tag des Apfelretters einen Apfel verzehrt und dabei betend an einen Wunsch denkt, dessen Wunsch ginge in Erfüllung. Oft werden im Rahmen des Apfelfestes die Verstorbenen an ihren Gräbern besucht, wo man die zuvor gesegneten Apfelspeisen, jedoch auch Honig und Nüsse mit ihnen teilt. Wie auch bereits an Ostern, kann man sehen, dass sich auch die Ameisen königlich an diesem Festtag erfreuen 🙂 In manchen Regionen ist es auch üblich, den Armen und Kranken etwas von der frischen, Gesundheit spendenden Ernte vorbeizubringen. Ich versuche möglichst bald einen Artikel zu den Fastenzeiten der ukrainisch-orthodoxen Kirchen zu Verfassen, hier nur in Kurzform die zeitliche Abfolge der Feste Honig-, Apfel- und Nussretter, die die Fastenzeit rund um Maria Entschlafen kennzeichnen. Wieder etwas Verwirrung aufgrund der Kalender (julianisch /gregorianisch), das alte Datum in Klammern: 

14. August – Honigfest des Erlösers 

Das erste Fest des Erlösers ist das “Honigfest des Erlösers”, welches am 14. August (bzw. 1. August nach julianischem Kalender) begangen wird. Am Honigretter endet traditionell das Bienenjahr, der letzte Honig wird geerntet und die Bienen bereiten sich auf die Einwinterung vor. 
Honigretter (russ. Медовый спас /Medowyj Spas) in der Ukraine vielerorts häufiger “Mohnretter” genannt, markiert den Beginn der Fastenzeit zu Maria Entschlafen.

19. August – „Apfelretter“ & Verklärung Jesu

In der Ukraine sowie auch in Russland wird am 19. August das Apfelfest des “Apfelretters” (Я́блочный Спа́с – Jablotschni Spas) auch manchmal “Apfelfest des Erlösers” oder “Fest des Erlösers auf dem Hügel” gefeiert.  Am 19. August (bzw. 6. August nach julianischem Kalender) stellt es das Hochfest zu Christi Verklärung dar. 

28. August – Hochfest zu Maria Entschlafen

Dormition (bzw. 15. August nach julianischem Kalender) 

29. August – Nussfest des Erlösers 

Das dritte ist das “Nussfest des Erlösers”, das am 29. August (bzw. 16. August julianischer Kalender) gefeiert wird. Nussretter heißt es, weil zu dem Zeitpunkt traditionell die ersten Walnüsse reifen und auch Brotretter, weil an dem Tag das erste Brot aus “neuem” also frisch geernteten, gedroschenen und gemahlenem Weizen gebacken wird. Nussretter (Orechovyj Spas) bzw. Brotretter, Chlebnyj Spas, kennzeichnet das Ende der Fastenzeit zu Ehren Maria Entschlafen und gedenkt vor allem der Überbringen des Tuchbildes (Christusbildes) von Edessa nach Konstantinopel.
Apfelretter ukrainischer Feiertag zur Reife der Äpfel und Verklärung Jesu
 
Ostslawische, ukrainische und russische Feiertage Apfelretter, Honigretter, Nussretter, Brotretter
 

Kwass Rezept-Ukrainisch Russischer Brottrunk

Kwas – Altes Brot verwerten

Kwass, auch Kwas, Kvass oder Kwaß geschrieben hat so viele Schreibweisen wie Zubereitungsarten. Wichtig und allen gemeinsam ist, dass sie Brot, am besten Schwarz- bzw. Roggenbrot enthalten. Je nach Brotsorte, Zubereitungsart und Zusätzen changiert die Farbe des Gärgetränks von strohblond bis dunkelbraun. Mein ukrainischer Falke hat mir schon lange bevor wir ein Paar wurden, von dem “guten alten” sowjetischen Kwass seiner Kindheit vorgeschwärmt. Dieser wurde stets an der Straße als Erfrischungsgetränk im Sommer für wenige Kopeken aus den berühmten gelben sowjetischen Tankwagen verkauft. Verbunden damit war stets das Versprechen, mir Kwass zuzubereiten, weil es ja so einfach, gesund und lecker wär. Neben unserem Kombucha (Tee-Pilz) und selbstgemachtem Sauerkraut, passt dieses Fermentationsgetränk auch bestens thematisch in unsere Küche! Dennoch zogen die Jahre ins Land, ohne dass ich seinen selbstgemachten Kwass je kosten durfte! 

Kwass oder Kwas - Rezept für Brottrunk

Kwass kaufen ?

Selbstverständlich kann man Kwass in jedem “Russenladen” kaufen. Dieser schmeckt zwar lecker und enthält meist mehr Kohlensäure als der hausgemachte, jedoch finde ich, dass er zu süß ist und eher an Malzbier erinnert. Außerdem ist er natürlich für den Verkauf haltbar gemacht worden, dass heißt alle gesundheitlichen Vorteile von Kwas (aktive Milchsäurebakterien, Enzyme und Aminosäuren, manche behaupten sogar Vitamin B12) sind dann tot gekocht! Auch das bisschen Alkohol (schließlich ist es ein „Gärgetränk“, welches die gesunden Bakterien mühevoll aus Zucker und Hefe hergestellt haben ist dann abgekocht 🙂 Allerdings enthält Kwass wie auch Kombucha so wenig Alkohol, dass es in etwa mit frischem Brot vergleichbar ist und auch Kindern zu trinken gegeben werden kann. Außerdem, warum kaufen, wenn dieses Brotgetränk ja gerade ein perfektes nachhaltiges Rezept für die Resteverwertung von altem Brot ist! Man kann ja nicht immer nur Enten füttern! Im Notfall, falls du ungeduldig bist, nie über altes Brot verfügst und auch keinen „Russenladen“ kennst, habe ich dir unten Kwass zum fertig kaufen verlinkt 🙂  Sowjetischer Tankwagen für Kwas oder Kvass

Ukrainisches Rezept

Selbst ist die Frau und nach ein bisschen Recherche, Befragung “meiner” ukrainischen Flüchtlinge nach ihren (post-) sowjetischen Kwass Erfahrungen habe ich mich auf eigene Faust an die Kwas Herstellung gewagt. Altes Brot, gewissenhaft im Brotkorb luftgetrocknet, haben wir stets genug im Haus (wegen der Enten).

Für 2 Liter fertigen Brottrunk nach ukrainischem Rezept benötigst du vielleicht eine Stunde in der Zubereitung und je nach Temperatur deiner Behausung 4-5 Tage Geduld für die Fermentation. Für den Gärungsprozess eignen sich große Gläser, die du mit Geschirrtüchern oder Mulltüchern (“Spucktüchern”) abdecken kannst. Wenn du “All-In” in die Welt der Fermentationsprozesse gehen willst empfehle ich dir langfristig in gute Gärbehälter mit Gärverschluss zu investieren. Zur Lagerung benötigst du leere, saubere Flaschen. Hübsche Optionen für dein fertiges Brotgetränk verlinke ich dir unten.

Kwass Rezept: 

  • 2 l Leitungswasser
  • 250g  Schwarz- oder Roggenbrot
  • 100g Zucker
  • 30g  Rosinen
  • ¼ Würfel Frischhefe (d.h. ca. 10g frische Hefe oder ½ Päckchen Trockenhefe)
  • Aromastoffe nach Wahl (geriebener frischer Ingwer, Zitronen- / Orangenschale, Zimtstange, Minze, Rosmarin o.ä.) Go wild Bitch 🙂

Kwass selber machen:

Dafür, dass ich jahrelang keinen selbstgemachten Kwass erhalten habe ist die Zubereitung erstaunlich einfach: Setz das Wasser zum Kochen auf. Brot in kleine Stücke schneiden (oder hacken falls schon zu hart) und kurz in Pfanne oder Backofen anrösten, bis es anfängt aromatisch zu bräunen. Brot und Zucker in späteren Gärbehälter füllen, mit kochendem Wasser aufgießen, bis auf “Handwärme” (ca. 40° Celsius) abkühlen lassen und die Hefe einrühren. Gefäße mit sauberen Tüchern und Haushaltsgummis fliegendicht abdecken, bzw. in Behälter mit Gärverschluss geben und an warmen Ort 2-3 Tage stehen lassen. 
Das Brotwasser abseihen, in saubere Flaschen füllen und die Rosinen und Aromastoffe in die Flaschen geben. Wieder 2 Tage warten. Weil es ein Erfrischungsgetränk sein soll- am besten kalt genießen 🙂 

Bei Gelegenheit werde ich auch mal den ukrainischen Rote Beete Kwas oder Randen Kwas ausprobieren mit dem man auch gekochte Eier rot färben kann! Wenn ich soweit bin, erfahrt ihr es hier! 

Übrigens ist Kwas auch eine traditionelle Zutat des sommerlichen und in Russland und der Ukraine weit verbreiteten Rezepts für Okroschka – Eine kalte Gurkensuppe für heiße Tage die entweder mit Kefir / Buttermilch und oder Kwas zubereitet wird. Probier die Okroschka doch gleich mal aus 😉

Kwass im Glas, Gärprozess und Gärverschluss

Anbei hilfreiches Kwass Zubehör als Affiliate Link (ich bekomme eine kleine Provision, du bezahlst nur den regulären Preis). Die Schnappverschluss Flaschen haben sich als äußerst vielseitig erwiesen. Ich verwende meist einen uralten Rumtopf vom Flohmarkt, oder die großen Gläser vom türkischen Markt. Wenn du direkt etwas stilvolleres haben willst, oder keine Zeit für langes Suchen hast, sieh dich gerne hier um:

Tierschutz- Haustiere im Krieg

Was passiert mit den ganzen Tieren (Haustieren, Zootieren) in der Ukraine?

Der gnadenlose Krieg in der Ukraine zerstört Leben, Hoffnungen, Infrastruktur. Menschen werden von ihren Liebsten weggerissen, müssen unfassbares Leid ertragen. Oft sind es gerade die Haustiere, die mutige Ukrainer*innen dazu bewegen in zerstörten Wohnblocks im Kriegsgebiet auszuharren, um die zahlreichen, nun herrenlosen Katzen, Hunde und anderen Tiere zu versorgen. Auch geflüchtete Ukrainer*innen hängen oft an ihren Haustieren. Zum Weltkatzentag 2022 möchte ich diesen trostspendenden Vierbeinern und den anderen Haustieren der Ukraine einen eigenen Artikel widmen. 
Bereits Mitte April 2022 ging die Nachricht um, dass mit den Flüchtlingen aus der Ukraine über 28.000 Haustiere nach Deutschland gebracht wurden. Nach damaligem Kenntnisstand waren das rund 8 Prozent der Geflüchteten, die meist mit Hund oder Katze, aber auch mit Ziervögeln oder einem Leguan geflohen sind. Bei uns in der Wohnung trudelten im März 6 geflüchtete Ukrainer*innen ein. Auch sie brachten eine Katze (Babula) und einen kleinen Hund (Nonna) mit zu uns. 
Tatsächlich wäre eine Unterbringung in einer Flüchtlingsunterkunft mit den Tieren schwierig geworden. Immer noch gestaltet sich die Wohnungssuche für Olena und ihre kleine Hündin Nonna wegen des Mischlings schwierig. Viele Vermieter*innen möchten keine Hunde oder möglichst überhaupt keine Tiere in ihren Mietwohnungen haben und machen auch für Flüchtlinge keine Ausnahme. 

Forderungen nach Haustier- gerechten Flüchtlingsunterkünften wurden seitens Menschenrechts- und Tierschutzorganisationen bereits im März laut. Den Aspekten der Trauer- und Traumabewältigung, Trost-, Halt- und Ankerfunktionen der Tiere stehen seitens der Flüchtlingsunterkünfte Sicherheits-, Seuchenschutz und Hygieneaspekte gegenüber. Dazu äußerte sich Anfang April bereits das Bundesinnenministerium. Die Menschen stehen bei Rettungsaktionen in der Ukraine und bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme ganz klar im Vordergrund, jedoch werden sowohl an den Grenzen Futter, Wasser und medizinische Hilfen für geflüchtete Haustiere bereitgestellt als auch Hilfe in Deutschland selber organisiert. 
Die Tierheime haben vielerorts weitere Kapazitäten aufgemacht, um die von ukrainischen Flüchtlingen mitgebrachten Katzen und Hunde vorübergehend aufzunehmen und zu versorgen. Die Tierhalter, können die Tiere zu sich holen, sobald sie eine Wohnung gefunden haben. 
Weltkatzentag Ukrainischen Haustieren helfen - Spenden für Hunde und Katzen

Tierschutz

Viele Ehrenamtliche haben Tierpatenschaften übernommen. Aus meinem Bekanntenkreis ist mir der Fall von vier Hunden bekannt, die mit einem ausgeklügelten “Staffel-System” von Tierfreunden quer durch Deutschland transportiert wurden. Die vier Hunde stammten von derselben ukrainischen Halterin, welche als Flüchtling vorübergehend in Süddeutschland in einer Flüchtlingsunterkunft untergekommen war, ohne die Möglichkeit sich um die Tiere zu kümmern. Damit die Hunde zusammen bleiben konnten, haben die Helfer keine Kosten und Mühen gescheut und eine geeignete Pflegestelle in Norddeutschland gefunden und den etappenweisen Transport organisiert.  Normalerweise müssen Haustiere bei der Einreise nach Deutschland geimpft und gechipt sein, für diese humanitäre Krise im Kriegsfall wurden Ausnahmen gewährt. An den meisten Grenzen können Haustiere ohne Weiteres passieren und werden dann in Deutschland nachträglich in Anbindung an die Tierheime oder Veterinärämter geimpft, entwurmt und gechipt. Auch bieten viele Tierheime, der Tierschutzbund, Tierärzte oder Veterinärämter eine kostenfreie medizinische Versorgung der geflüchteten Haustiere an. Die Seite des IFAW (International Fund for Animal Welfare) bietet auf Deutsch und Ukrainisch eine Liste der Tierärzte, die kostenfreie Behandlungen anbieten und viele weiterführende Informationen für ukrainische Haustierhalter.

Was passiert mit Tieren in ukrainischen Zoos und Tierheimen?

Es gibt Retter und Tierschutzorganisationen, die sich auf die Versorgung und Evakuation von Katzen, Hunden und anderen Haustieren aus ukrainischen Tierheimen spezialisiert haben (s. Bericht DW, Oliver Pieper, März 2022). Helfer fahren Tonnenweise Tierfutter in die Ukraine und bringen dann die Tiere nach Ungarn, wo sie vor der weiterreise nach Deutschland in eine 30-tägige Quarantäne müssen, da die Ukraine als Tollwut Gebiet gilt. Auch in der Ukraine harren viele Menschen in ihren zerstörten Wohnblöcken aus und versorgen nicht nur eigene, sondern auch die zurückgebliebenen Tiere der ganzen Nachbarschaft- oft weit über die eigene Belastungsgrenze hinaus. 

Dieser Twitter Tweet von Radio Free Europe/ Radio Liberty über eine ukrainische Tierpflegerin (Viktoria Sluzhenko) im Kiewer Zoo hat mich sehr berührt. Sie schildert, wie sie statt dem Dienst an der Waffe beschlossen hat, sich weiter um “ihre” Elefanten zu kümmern, da niemand ihre Aufgabe sonst bewältigen kann. Sie schildert auch die komplizierten Umstände, die einen Transport der Dickhäuter bzw. eine Flucht mit Elefanten unmöglich machen. 

Giraffe vor blauem Himmel - Symbolbild für Tierschutz im Ukraine Krieg

Mittlerweile kämpft vor allem der Kiewer Zoo mit großen logistischen Problemen: Zum einen sind kriegsbedingt die Lebensmittelpreise in die Höhe geschossen, so dass auch die Versorgung der Tiere mit Futtermitteln immer teurer wird. Außerdem benötigen gerade die Exoten unter den Tieren ein warmes Plätzchen um den anstehenden Winter zu überstehen, während die russischen Terrorattacken auf die ukrainische Infrastruktur konstant andauern. Zur Zeit sind rund 40 Prozent der ukrainischen Infrastruktur von den als „Energieterror“ bezeichneten Attacken betroffen (Stand 1.November 2022). Während die Versorgung der Bevölkerung Vorrang genießt, bangen die Zoos um ihr Überleben. Eine Notschlachtung der Tiere kommt für die Mitarbeiter nicht in Frage. Abgesehen vom Tierschutzaspekt und der emotionalen Verbindung mit „ihren“ Tieren, bemessen sie auch den Stellenwert ihrer tierischen Schützlinge groß, wenn es z.B. darum geht auch für die Kinder die die Zoos besuchen ein Stück Normalität und Ablenkung vom Kriegsgeschehen zu schaffen. Die ukrainische Bevölkerung unterstützt die Zoos durch private Spenden, so werden z.B. in Kiew am Zoo auch immer wieder frisch gefangene Fische aus der Dnepr und anderen Flüssen abgegeben, um bei der Fütterung zu unterstützen. 
Hier habe ich die Seite des Kiewer Zoos verlinkt, auf der auch alle Möglichkeiten zur Geldspende aufgelistet sind. Damit können wir einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung der Tiere mit Wärme und Futter leisten und sichern dadurch neben dem Schutz der Tiere auch die Arbeitsplätze der Zoomitarbeiter und vielleicht das ein oder andere Kinderlachen, beim Besuch des Zoos. 

Wie kann ich Menschen mit Tieren aus der Ukraine helfen? 

Eine ausführliche Übersicht bietet die Seite der VETO, der Vereinigung europäischer Tierschutzorganisationen . Die benötigten Hilfen reichen von dem Transport der Haustiere über Futter-, Sach- und Geldspenden für Katzen und Hunde bis hin zu Pflegestellen für die Haustiere oder Wohnungsangebote und Unterkünfte für ukrainische Flüchtlinge mit Katzen oder Hunden. 

Geflüchtete Hunde und Katzen geben den ukrainischen Flüchtlingen Halt und Sicherheit

Viele Hunde dienen im übrigen auch zur Unterstützung der Bodentruppen bei der Minensuche an der Front. Die sozialen Netzwerke sind überdies nicht nur zum Weltkatzentag voll von Bildern ukrainischer Soldat*innen mit Katzen und Hunden. Der psychologische Effekt eines kleinen flauschigen Vierbeiners in diesen erschütternden Zeiten ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn ich im Zweifelsfall dafür bin, dass Leben von Menschen zuerst zu schützen, tue ich alles um „unseren“ geflüchteten ukrainischen Tieren, Babula der Katze und Nonna dem Hund, allen möglichen Komfort zu ermöglichen.  Nicht nur weil ich Tiere mag sondern ich außerdem sehe, wie unfassbar gut es „ihren“ Menschen geht, wenn sie sie bei sich haben. Ein Stückchen Heimat auf vier Pfoten. Der Weltkatzentag ist nur eine freundliche Erinnerung an alle Tiere zu denken, landwirtschaftliche Nutztiere, Wildtiere in ihren nun zerbombten Habitaten, Tiere in Zoos und eben Haustiere.

Galina (60, Kropyvnytskyi) – Flüchtlinge aus der Ukraine berichten ihr Schicksal

Teil 2: Interviewreihe mit ukrainischen Flüchtlingen

Dies ist das zweite Interview unserer neuen Reihe, die in Kooperation mit dem Dortmunder Künstler und Fotografen Klaus Pfeiffer (www.klauspfeiffer.com) entstanden ist. Gemeinsam möchten wir den geflüchteten Menschen aus der Ukraine ein Gesicht und eine Stimme geben, ihnen die Möglichkeit geben ihre Erlebnisse zu teilen und den Leser*innen neue Blickwinkel zu eröffnen! Weiter unten findest du den Text in der russischen Version. Вы можете найти русский перевод ниже!  (Danke an Galina für das Interview und an Lisa B. für die Übersetzung!)

Galina, 60, Kropyvnytskyi (Zentralukraine) über ihr Leben zwischen Moskau und der Ukraine

Mir gegenüber sitzt Galina. Funkelnde wache Augen bringen Bewegung in das ebenmäßige, ruhige Gesicht mit dem perfekten Teint. Galina ist Grenzgängerin. Beruflich zwischen der langjährigen Tätigkeit im Strafvollzug und der Erziehung von Kindern sowohl in der Ukraine als auch als Kindermädchen in Moskau bei russischen Familien. Im Ukraine-Konflikt kennt sie beide Kriegsparteien, die Länder, deren Kultur und deren Kinder. Galina ist nun 60 geworden. Ihre Mutter stammt aus Sibirien. Ihre teilweise russische Abstammung reibt sie nun zwischen den Brudervölkern auf, wird gegen sie ausgelegt. Nachdem sie ihr Leben lang nie vor etwas Angst hatte, fürchtet sie sich nun vor dem Gefühl der absoluten Verständnislosigkeit, des Nicht-Begreifen-Könnens, der Fassungslosigkeit angesichts des Schreckens, der in der Ukraine passiert. Nach einem aufrüttelnden Schlüsselmoment während der ersten Kriegstage, verlässt sie trotz aller Bedenken die Ukraine…

Galina, Ukrainische Flüchtlinge erzählen vom Krieg

Galinas Arbeit im Strafvollzug während der sowjetischen Zeit und danach

Nach Schule und Ausbildung arbeitete Galina als Erzieherin in einem Kindergarten ihres Wohnortes in Kropyvnytskyi in der Zentral-Ukraine. Durch den Mangel an Wohnraum in dem damals sowjetischen System, wechselte sie umständehalber in den Strafvollzug. Die Stelle als Verwaltungsmitarbeiterin im Strafvollzug lockte mit einer dazugehörigen Arbeitswohnung. Zu einer Zeit, in der es gang und gäbe war, dass sich ganze Familien ein 12 m² großes Zimmer teilen und Sanitäranlagen sowie Küche gemeinschaftlich mit den Nachbarn im Haus genutzt werden, war dies ein unschätzbares Privileg. Galina hat 4 Kinder. 3 Töchter und einen Sohn. Sie sagte der Kontrast beim Jobwechsel ins Gefängnis sei einprägsam gewesen. Dennoch sei sie im Umgang mit den Menschen selbst vorrangig menschlich geblieben, gleichwohl ob sie einem Kind im Kindergarten oder einem Häftling in seiner Zelle gegenübergestanden habe. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt lag im wirtschaftlichen Teil der Haftanstalt. Ihr oblag der Einkauf des benötigten Inventars und die dazu notwendigen Bestandsprüfungen führten sie täglich durch die Zellen, in denen sie z.B. die Matratzen inspizierte, um die Anzahl der notwendigen Neukäufe zu berechnen.

Sie machte dort viele Bekanntschaften und lernte fürs Leben. Die größte Herausforderung war die ständige Wachsamkeit und das vorausschauende Denken, welche sie sich für ihr Überleben an ihrer Arbeitsstelle antrainieren musste.

In der Untersuchungshaft belegten 4-25 Häftlinge eine Sammelzelle. Ein Wärter bewachte die Zellentür, während sie umgeben von Dieben, Vergewaltigern, Mördern und Menschen die Kinderfleisch gegessen hatten, das Inventar inspizierte.
Die Insassen hatten viel Zeit und enorme Kreativität. In mühsamer Arbeit wurden Aluminiumlöffel auf den Betonböden der Zellen zu Waffen geschliffen. Obwohl sie selbst miterlebte, wie Mitarbeiter des Gefängnisses Opfer blutiger Angriffe durch Häftlinge wurden und so auch einer dieser Löffel aus der Nierengegend ihres Kollegen ragte, während er in Sicherheit getragen wurde, spürte sie nie Angst oder erlaubte es sich vielleicht nicht, darüber nachzudenken.  Aber immer und überall musste sie höchst wachsam sein.
Bestechungsversuche aller Art waren an der Tagesordnung. Dem Personal war lebhaft bewusst, dass nur ein angenommenes „Geschenk“ oder auch nur ein herausgeschmuggelter Liebesbrief sie umgehend selbst zu Inhaftierten in ebendieser Haftanstalt werden lassen könnte. Mitarbeiter die „die Seite wechseln“ sind in keiner Strafanstalt der Welt vor ihren Mithäftlingen sicher.

Galina, 60, Ukrainische Flüchtlinge erzählen vom Krieg

Galina ging, wie sie sagt auch mit Kompromittierungsversuchen „frech“ und geradeheraus um. Als den Häftlingen klar war, dass sie keine Bestechungen würde annehmen, gingen sie dazu über ihr heimlich Schmuck und Geld als „umgedrehten“ Taschendiebstahl in die Kleidung zu stecken. Leicht wäre es dann für die Häftlinge sie später wegen der vermeintlich angenommenen Güter beim Direktorat zu melden und darauf zu hoffen, dass sie zukünftig durch kooperativere Mitarbeiter ersetzt werden würde. Doch Galina erkannte das gefährliche Spiel und gewöhnte sich an, beim Verlassen jeder Zelle an sich selbst eine Leibesvisitation durchzuführen und jegliche „Geschenke“ mit einem freundlichen Lachen und einem scherzhaften „Hier, sortiert euren Plunder selber“ zurück in die Zelle zu werfen.

Die letzten 9 Jahre arbeitete sie in Moskau und betreute dort russische Kinder als privates Kindermädchen in deren Familien. Sie schildert viele schöne Momente mit den Kindern, die sie liebgewonnen hat und scheint ihre Tätigkeit dort gerne ausgeübt zu haben. Jeweils drei Monate verbrachte sie in Moskau, bevor sie für jeweils 3 Monate in die Ukraine zurückkehrte. So habe sie ihr halbes Leben der letzten Dekade in Russland gelebt.

Kriegsbeginn in der Ukraine und der Entschluss zu fliehen

Der Kriegsbeginn fiel in einen ihrer 3-monatigen Aufenthalten zu Hause. Eine der höchsten Fliegerschulen der Ukraine befindet sich in Kropyvnytskyi, ihrer Heimatstadt, die bekannt ist für den militärischen Ausbildungsstützpunkt. Wie kampfbereite Hornissen schwärmten alle verfügbaren Flugzeuge zur Verteidigung aus. Galina erinnert sich vor allem an den ohrenbetäubenden Lärm dieser Flugzeuge, das Dröhnen, dass jegliche Gedanken betäubte und das Beben im frühen Morgen, das sie zunächst glauben lies es sei ein Erdbeben.

Eine russische Militärkolonne mit Panzern sollte auf dem Weg in die Stadt sein, die wegen des elitären militären Ausbildungszentrums ein primäres Ziel der Russen darstellt. Sie macht sich mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und ihrem 4-jährigen Enkel auf den Weg in ein privates Haus, dessen Keller als Schutzraum zur Verfügung gestellt wurde. Dort ereignete sich ein Erlebnis, dass ihre Einstellung zur Flucht grundlegend änderte: Dicht zusammengekauert warten sie unter dem Dröhnen der Flugzeuge im dunklen Keller auf das Eintreffen der feindlichen Panzer in wenigen Stunden. Ihr Schwiegersohn hatte mit einer Axt bewaffnet Posten an der Kellertür bezogen, um jeglichen Aggressor, der seiner Familie Leid zuzuführen gedenkt, rechtzeitig zu töten. Die Absurdität und Unverhältnismäßigkeit dieser Situation ließ etwas in Galina zerbrechen. Ihr wurde klar, dass er trotz seines eisernen Willens keine Chance hätte seine Familie mit dieser Axt zu schützen, würde die es die russische Kolonne nach Kropyvnytskyi schaffen. Sie fasste den Entschluss zu fliehen, würde sie diesen Keller lebend verlassen können.
Galina, Zentralukraine, Ukrainische Flüchtlinge im Interview zum Ukraine Krieg

Das Schicksal war ihr gnädig, der ukrainische Hornissenschwarm hatte es mit Hilfe von Bodentruppen geschafft den Vormarsch der russischen Panzer ein, zwei Stunden vor Erreichen der Stadt zu vereiteln. Sie floh mit Tochter und Enkel nach Deutschland, in Dortmund arbeitet eine weitere Tochter von ihr, die sie überglücklich in Empfang nahm.
In Deutschland fühlt sie sich durch die Sprachbarriere noch nicht richtig frei, überhaupt hat sie Schwierigkeiten die Situation in Gänze zu begreifen. Es fühlt sich immer noch unwirklich an. Nur wenn ihre Tochter bei ihr ist, fühlt sich für den Moment ungezwungen und kann es genießen spazieren zu gehen, zu bummeln, sich abzulenken. Sie hat endlich eine eigene kleine Wohnung bezogen. Eher ein Studio mit 20m², aber sie sagt es reiche ihr, um ein wenig zur Ruhe zu kommen und die Dinge zu verarbeiten soweit das überhaupt möglich sei. An Deutschland fasziniert sie, dass „bis in die tiefste Seele Menschlichkeit“ herrsche, sogar im Verwaltungsapparat sei man ihr als Mensch auf Augenhöhe begegnet, während sie in der Ukraine oft familiäre Beziehung hätte nutzen müssen um Dinge überhaupt geregelt zu bekommen.

Ihre Kinder seien nun alle im Ausland, ihr Sohn hatte zum Glück schon vor dem Krieg im Ausland gearbeitet, so dass er nun in Sicherheit sei. Durch engen Kontakt mit Familie und Freunden in der Ukraine bekommt sie jedoch weiterhin täglich den Schrecken des Kriegs und den Verlauf der Kampfhandlungen hautnah mit. Der Mann ihrer Schwester wurde von einer Granate schwer verwundet und ihre Hilflosigkeit angesichts dieses Leides macht ihr schwer zu schaffen.

Mitten in unserem Gespräch erreicht uns über die sozialen Netzwerke die Nachricht, dass entgegen allen Befürchtungen, einige der Kämpfer des Asow-Stahlwerks in einem Gefangenenaustausch in die Ukraine zurückgekehrt sind. Nach der langen Sorge um die tapferen Kämpfer, Angst vor Folter, lebenslanger Kriegsgefangenschaft oder möglicher Exekutionen in Russland, brachte diese Nachricht eine Wendung in unser Interview.

Reaktionen aus Russland – Auswirkungen Putins Kriegs Propaganda

Galina seufzt, dass das Militär, dass Putin so einen schrecklichen Fehler mit dem Angriff der Ukraine begangen habe. Niemand in Russland würde bis jetzt begreifen, dass der Punkt der Unumkehrbarkeit längst überschritten sei. Über 100 Jahre würde die russischen Schreckenstaten niemand auf der Welt verzeihen können.

Viele Gedanken steigen in ihr hoch. Bilder, wie die Eltern der Kinder die sie half großzuziehen und die Großeltern zombiert vor ihren Fernsehern sitzen und trinken. Sie habe sich immer gewundert, wie diese privilegierten Familien, die sich ein privates ukrainisches Kindermädchen leisten können, so wenig reflektiert auf die Welt schauen würden. In Moskau sei das kulturelle Angebot riesig, was sie jedoch beobachtet habe sei, dass vor allem die über 40-jährigen dem Wodka verfallen seien und ihre Freizeit vor dem Fernseher zubrächten. Später wenn die Protagonisten angetrunken genug gewesen seien, habe sie häufig Lobreden auf das alte Zarenreich und Phantasien über ein Großrussland mitbekommen.

Selbst mit einer sibirischen Mutter teilweise russischstämmig, habe sie jeher verletzt, dass die Russen den Ukrainern wie „Menschen zweiter Klasse“ begegnen würden. Ukrainern werde die volle Menschenwürde abgesprochen, sie seien gut genug, um für die Russen die niederen Arbeiten zu erledigen, sonst würde ihnen jede Kompetenz abgesprochen.
Als Galina Bilder von der Zerstörung und dem Krieg in der Ukraine in den sozialen Netzwerken hochlud und versuchte ein Bewusstsein für das geschehene Unrecht zu schaffen, brachen sogar Verwandte in Usbekistan den Kontakt mit ihr ab. Immer stehe der Vorwurf im Raum, sie als „zumindest“ halb-Russin wäre eine Nestbeschmutzerin, nachdem Russland ihr durch ihre Arbeitsstelle und Herkunft ihrer Mutter aus Sibirien so viel gegeben habe. Unverständnis, wieso sie zwischen Russland und der Ukraine, die Ukraine wählt, wenn sie per Abstammung doch die Möglichkeit hätte „etwas Besseres (im Sinne von „eine Russin“)“ zu sein.
 
Auch die Familien, die sie in Russland durch die Arbeit kennen gelernt hatte versuchte sie zu informieren und ihnen Bilder der aktuellen ukrainischen Realität zu vermitteln. Dabei ist sie sich ganz sicher, dass zumindest die jüngere Generation „ganz genau“ wisse und verstehe, was sich unter dem Vorwand der „Spezialoperation“ abspiele.
 
Doch von all den Familien, mit denen sie über die Jahre guten Kontakt aufgebaut hat, deren Kinder sie jahrelang liebevoll begleitet hat, hat sich keine einzige ihr gegenüber in irgendeiner Weise geäußert, zurückgemeldet, erkundigt. Alles was als Antwort auf ihre Nachrichten kam war tiefes, unaushaltbares Schweigen. 
Ich spüre tiefe Trauer bei Galina über so viel Ungerechtigkeit, mangelnde Empathie und Ignoranz.
Einzig ihr Vermieter aus Moskau meldete sich nach Wochen der Stille. Nach unzähligen Versuchen ihm Bilder des Kriegs, Zerstörung und Butscha zuzuschicken (etliche Bilder werden nach Galinas Aussage auch durch die russische Medienüberwachung und Algorhythmen abgefangen, so dass es nur ein Bruchteil der gesendeten Bilder zum Empfänger schaffe) reagierte er endlich auf ein Bild vom Borussiastadion in Dortmund, vor dem Galina mit ihrem kleinen Enkel posiert. Sie erhält eine kurze Nachricht aufrichtigen Bedauerns und der Klarheit: „Sehr beruhigt, dass Sie in Sicherheit sind. Es schmerzt mein Herz, dass mein Land als Aggressor auftritt.“

Endlich zumindest ein Mensch in Moskau, der die Situation in Galinas Sinne einzuschätzen weiß. Dennoch übermannt sie die Wut der Verzweiflung. Parallelen zum Zweiten Weltkrieg und dem „Nicht-Gewusst-haben“ der Bevölkerung kommen mir in den Sinn, vielleicht verstärkt, weil Galinas Familie jüdisch ist und mich das Paradoxon an den Rand der Hirnschmelze treibt, dass Putin in der Ukraine vorgeblich die „Entnazifizierung“ vorantreibt.

Galina 60 flieht vor Putins Krieg

Galina beschreibt Schicksale des Kriegs: „Ein Mann ging in Odessa Milch holen und muss bei der Rückkehr feststellen, dass sein Haus mit Frau, Schwiegermutter und seiner 3-monatigen Tochter einfach einem riesigen Krater gewichen ist.“ Galina ist rasend über die Feigheit der Vergewaltiger und Mörder von Butscha, die ihren Opfern noch die Hände verbanden, bevor sie ihre Gräueltaten an ihren verrichteten und sie töteten. Auch wenn sie daran zweifelt, selbst die Kraft zu haben einen anderen Menschen umzubringen, so wünscht sich Galina doch zumindest „den Feiglingen und Bestien die Babys und Kinder getötet haben, stellvertretend für die Mütter, die ihre Kinder nicht schützen konnten, die Augen auszukratzen“. Sie kann sich nach allem was sie gesehen und mitbekommen hat, nicht immer gegen den in ihr aufsteigenden Hass schützen, einem Hass der phasenweise so groß werde, dass sie in ihrer Verzweiflung „manchmal am liebsten das ganze Volk beerdigen würde“.

Das historische Unverständnis und der Vorwurf der Russen an die Ukrainer „die Ukrainer seien immer unter der Herrschaft von Polen, Zaren oder irgendjemanden gewesen und wüssten überhaupt nicht, was Freiheit sei“, während sie selbst in Russland im Spinnennetz einer fingierten Nachrichten-Landschaft mit totalitären politischen Strukturen in Unfreiheit lebten, empfindet Galina umso mehr als Anmaßung gegenüber den Ukrainern.

Galina erlebt die Ukrainer im Gegensatz zu den Russen als durch und durch freies Volk und ist überzeugt von der einigenden Wirkung des Krieges auf die Ukrainer. Diese manifestierten sich gerade zu nie dagewesener Einigkeit und Stärke. Sie ist sich sicher, dass es für die russischen Soldaten, die in der Ukraine waren, kein Leben in Frieden mehr geben wird. So viele ukrainische Männer und Soldaten hätten ihre Frauen, Kinder, Kameraden, einfach alles verloren und nicht nur einer habe geschworen, den Rest seines Lebens damit zu verbringen jeden einzelnen Kriegsverbrecher und auch die Verräter unter den Ukrainern zu finden. Jedem werde sein persönliches Urteil überbracht werden. Kein Befehlshaber, kein Kollaborateur, kein Rädchen im Getriebe des Aggressors werde zu unbedeutend sein um von der Rache der Überlenden verschont zu bleiben und die einzige Möglichkeit vor dieser Rache verschont zu bleiben, sei es jetzt auf Seite der Ukrainer zu kämpfen.

Die Ukraine sei wie ein Wespenvolk gewesen, das friedlich vor sich hin gelebt habe, bis die russische Armee es angegriffen habe.

Vom Westen würde sie sich schnellere und umfassendere Waffenlieferungen wünschen. Gerade Waffen mit Reichweite könnten aus Galinas Sicht helfen, zumindest strategische Stützpunkte der Russen außer Gefecht zu setzen und Nachschub zu unterbinden und damit den Krieg zu verkürzen.

Nach dem russischen Angriff bleibt Angst und Hilflosigkeit

Nachdem sie ihr Leben lang nie vor etwas Angst hatte, steht Galina nun vor der Angst des Nicht-Begreifen-Könnens, dem Abgrund der Hilflosigkeit angesichts einer Situation die sich jeglicher Kontrolle entzieht. Sie erschrickt selbst vor ihrem Hass, nachdem sie wirklich jedem noch so brutalen Straftäter in ihrem Beruf mit Menschlichkeit begegnet sei. Jedoch sagt sie dieser Hass, sei ja von den Russen durch ihre Taten und ihre Ignoranz selbst in den Ukrainern erzeugt worden. Vorher sei dort ja seitens der Ukrainer Brüderlichkeit gewesen.
Galina führt an, dass auf ukrainischer Seite rund 7 Millionen Menschen geflohen sein, vor allem Mütter mit Kindern. Auf russischer Seite seien rund 5 Millionen Menschen geflohen. Sie hätte sich gewünscht, dass diese Menschen in Russland auf die Straße gegangen wären. Putin hätte sie nicht alle verhaften können.

Sinnbildlich für die ihrer Meinung nach komplette Unterschätzung der Ukrainer durch die Russen und ein absolutes Armutszeugnis für Russland seien Bilder von den Plünderungen ukrainischer Dörfer durch russische Soldaten gewesen. Selbst in den ärmsten ukrainischen Ortschaften wären noch die ältesten Kloschüsseln, Waschmaschinen und sogar Hundehütten geklaut worden und die russischen Besatzer hätten sich verwundert darüber aufgeregt „Warum leben die hier besser als wir ???“

Das stehe symbolisch dafür wie wenig Wissensvermittlung über den Tellerrand und Aufarbeitung in Russland auch seit dem Zweiten Weltkrieg und der Sowjetzeit stattgefunden haben. Seit Stalin habe sich wenig verändert „Wer seine Meinung kundtut wird niedergeknüppelt“. Es habe historisch immer nur die Darstellung als Siegermacht gegeben, eigene Fehler und auch Verbrechen seien durch die nachfolgende Politik nie eingeräumt und aufgearbeitet worden.

Die Ukraine hingegen habe durch Selenskyi den alle, auch das eigene Volk  unterschätzt haben eine echte Chance bekommen. Galina wagt einen optimistischen Blick in die Zukunft. Sie denkt, dass Russland durch die eigene Ignoranz selbst zerfallen könnte und unser aller Kinder eine Verschiebung der Grenzen wahrnehmen können.

Als ich Galina frage, ob sie noch eine Botschaft habe, die sie den Lesern abschließend mit auf den Weg geben wolle, überlegt sie kurz. „Fernsehen ist ein Narkosemittel. Die Menschen müssen weniger Fernsehen und mehr Nachdenken.“


Галина, 60 лет, Кропивницкий 

(Русскоязычную версию можно найти здесь. Если вы можете предложить украинский перевод, пожалуйста, свяжитесь со мной. Даже если вы знаете кого-то, кто хотел бы дать интервью. Я буду счастлив)

Галина садится напротив меня. Сверкающие, настороженные глаза привносят движение в ровное, спокойное лицо с идеальным цветом. Галина пересекает границу. Профессионально между многолетней работой в СИЗО и воспитанием детей как в Украине, так и няней в Москве в русских семьях.
 
В украинском конфликте она знает обе противостоящие стороны страны, их культуру и их детей.
 
Галине исполнилось 60 лет. Ее мать из Сибири. Ее частичное русское происхождение теперь утомляет  и используется против нее. Никогда в жизни ничего не боявшаяся, теперь она боится ощущений совершенной непонятности, что сбивает с толку от ужасов происходящих в Украине.
 
После ключевого момента первых дней войны она уехала из Украины, несмотря навсе свои опасения…
 
После получения образования,  Галина работала воспитателем в детском саду в своем родном городе Кропивницкий (центральная Украина). Из-за нехватки жизненного пространства в тогдашней советской системе она в силу обстоятельств перешла работать в уголовно-исполнительную систему.  Должность административного работника в СИЗО манила сопутствующим получением квартиры.
 
В то время, когда целые семьи делили комнату площадью 12 м², а санузел и кухню делили с соседями по дому, это было бесценной привилегией.
 
У Галины четверо детей. 3 дочери и сын. Она сказала, что контраст между сменой работы и тюрьмой был незабываемым. Тем не менее, она оставалась прежде всего человеком при общении с людьми, независимо от того, сталкивалась ли она с ребенком в детском саду или с заключенной в его камере.
 
В тюрьме она отвечала за хоз. часть. В ее обязанности входили покупка необходимого инвентаря, и необходимые инвентарные проверки, которые она проводила каждый день в камерах заключенных.  Например, наличие матрасов в камере, чтобы подсчитать количество необходимых новых покупок. На работе она завела много знакомств и выучилась на всю жизнь.
 
Самой большой проблемой была постоянная бдительность и дальновидность, которые ей приходилось тренировать, чтобы выжить. В СИЗО от 4 до 25 заключенных занимали общую камеру. Во время ее обходов, обычно охранник оставался у двери, а она заходила сама в камеры с совершенно разнообразным контингентом.
 
У заключенных было много времени и огромный творческий потенциал. Алюминиевые ложки кропотливо перемалывались в оружие на бетонных полах камер. Однажды она стала свидетелем того, как одного из ее коллег вынесли из камеры с торчащей ложкой в области почек.
 
Она никогда не боялась или, возможно, не позволяла себе думать об этом, но всегда и везде ей приходилось быть очень бдительной. Попытки подкупа всех видов были в порядке вещей. Персонал был в курсе что всего лишь принятый «подарок» или даже любовное письмо, вывезенное контрабандой, может привести к тому, что их мгновенно посадят в ту же самую тюрьму. Сотрудники, которые «переходят на другую сторону», не защищены от своих сокамерников ни в одной тюрьме мира. Галина, по ее словам, была «дерзкой» и прямолинейной в попытках пойти на компромисс. Как только сокамерники поняли, что она не будет брать взяток, они стали тайно засовывать драгоценности и деньги в ее одежду в качестве «обратного» карманника. Тогда заключенным было бы легко сообщить о них в управление позже из-за якобы принятых товаров и надеяться, что в будущем их заменят более сговорчивыми сотрудниками. Но Галина распознала опасную игру и при выходе из камеры отдавала все, что находила с дружеским смехом и словами: “Вот, забирайте свое барахло сами!”.
 
Последние 9 лет она работала в Москве, заботясь о русских детях в качестве частной няни в их семьях. Она описывает много прекрасных моментов с детьми, которых она полюбила и, кажется, наслаждалась своей работой там. Она проводила три месяца в Москве, возвращаясь  в Украину на три месяца. Так она прожила последние 10 лет.
 
Начало войны совпало с одним из 3-х месячных пребываний дома. Одна из высших авиационных школ Украины находится в Кропивницком, в ее родном городе, который известен военной тренировочной базой. В начале войны вся имевшаяся авиация готовилась к обороне, как готовые к бою шершни. Галина больше всего
 
помнит оглушительный шум этих самолетов, грохот, от которого онемели все мысли, и утреннюю дрожь, которая сначала заставила ее поверить в то, что это землетрясение.
 
Чтобы она не оставалась одна, ее зять забрал в частный дом, чтобы держаться всем вместе, для чего оборудовал там подвал, чтобы прятаться во время воздушной тревоги. Там произошел случай, в корне изменивший ее отношение к побегу. Из новостей они узнали, что к городу движется колонна российских танков, которая должна была проходить мимо их дома. Галина вместе с дочерью, зятем и 4-х летним
внуком, решили переждать в подвале.
 
Они жались друг к другу в темном подвале под рев самолетов, ожидая прибытия вражеских танков через несколько часов. Ее зять дежурил у дверей подвала, вооруженный топором, готовый убить любого агрессора, планирующего причинить вред его семье. Абсурдность и непропорциональность этой ситуации что-то надломила в Галине. Она понимала, что, несмотря на его железную волю, у него не будет шансов защитить этим топором свою семью, если русская колонна доберется до Кропивницкого. Именно в тот момент, она решила уехать, если сможет выбраться из этого подвала живой.
 
Судьба была к ней благосклонна, украинской армии с помощью наземных войск удалось остановить наступление русских танков, после чего она забрала дочь с внуком и уехала. Выбор пал на Германию, т.к. там жила ее старшая дочь (г. Дортмунд).
 
Находясь в Германии Галина не чувствует себя по-настоящему свободной из-за языкового барьера, ей сложно до конца разобраться в ситуации. Это все еще кажется нереальным. Только когда ее старшая дочь с ней, она чувствует себя спокойно на данный момент и может наслаждаться прогулкой по городу и отвлекаться. Наконец-то она получила свою маленькую квартиру. Больше похоже на студию площадью 20 м², но она говорит, что ей этого достаточно, чтобы немного успокоиться и обработать все, насколько это возможно.
 
Что ее очаровывает в Германии, так это то, что «человечность преобладает до самой глубины души», даже в административном аппарате к ней относились как к человеку на равных, а на Украине ей часто приходилось использовать родственные связи, чтобы решить хоть малейшую проблему. Ее дети сейчас все за границей, к счастью, ее сын работал за границей до войны, так что теперь он в безопасности. Однако, благодаря тесному общению с семьей и друзьями в Украине, она продолжает ежедневно переживать ужасы военных и боевых действий.
 
Свекр ее дочери был контужен и ей больно за все, что там происходит дома. В середине нашей беседы через социальные сети до нас дошла новость, что, вопреки всем опасениям, часть бойцов Азовского металлургического комбината вернулась в Украину в рамках обмена пленными. После долгого беспокойства за отважных бойцов, страха перед пытками, пожизненным заключением или возможными
 
расстрелами в России эта новость внесла изюминку в наше интервью. Галина вздыхает, что такую ужасную ошибку совершили военные и Путин, напав на Украину. Никто в России еще не осознал, что точка необратимости давно пройдена. Более 100 лет никто в мире не смог бы простить зверства русских. В ней возникает множество мыслей. Фотографии родителей детей, которых она помогла воспитать, а также бабушек и дедушек, сидящих зомбированными перед своими телевизорами и постоянно пьющих. Она всегда задавалась вопросом, как эти привилегированные семьи кто может позволить себе частную украинскую няню, смотрят на мир настолько ограниченно.
 
Большинство людей старше 40, проводят вечера с алкоголем и смотря бесконечные новости. Очень часто она слышала совершенно не правдивые факты о истории России, которые рассказывали ей в России.  Даже мать-сибирячка, частично русского происхождения, всегда обижалась на то, что русские относятся к украинцам как к
«людям второго сорта». Украинцам отказывают в полном человеческом достоинстве, они достаточно хороши, чтобы выполнять черную работу за русских, иначе они были бы лишены всякой компетенции. Когда Галина выкладывала в социальные сети фотографии разрушений и войны в Украине и пыталась привлечь внимание к случившейся несправедливости, с ней разорвали связь даже родственники в Узбекистане. Обвинение в том, что она «как минимум» наполовину русская, что Россия дала ей так много благодаря ее работе и сибирскому происхождению ее матери. 
 
Они не понимали, почему Галина поддерживает Украину, когда у нее есть возможность быть чем-то лучше (в смысле русской); из-за ее происхождения. Она также пыталась информировать семьи, с которыми познакомилась по работе в России, и дать им представление о нынешней украинской действительности. При этом она уверена что хотя бы молодое поколение знает и понимает точно, что происходит под предлогом “спецопераций”. Но из всех семей, с которыми у нее установился хороший контакт за эти годы, о детях которых она с любовью заботилась на протяжении многих лет, никто не написал и даже не спросил как она.  Все, что приходило в ответ на ее сообщения, было глубокой, невыносимой тишиной.
 
Я чувствую глубокую печаль в Галине из-за такой несправедливости, отсутствия сочувствия и невежества. Только ее арендодатель из Москвы вышел на связь после нескольких недель молчания. После бесчисленных попыток прислать ему снимки войны, разрушений и Бучи (по словам Галины, несколько снимков также перехвачены слежкой и алгоритмами российских СМИ, так что до адресата
 
доходит лишь часть присланных снимков) наконец-то он отреагировал на снимок стадиона «Боруссия» в Дортмунде, на фоне которого Галина позировала с маленьким внуком. Она получила от него краткое сообщение искреннего сожаления и ясности: «Я очень рад, что вы в безопасности. У меня болит сердце, что моя страна выступает в роли агрессора». Наконец-то хоть один человек в Москве, к которому она пыталась достучаться, понял все. Тем не менее, ее одолевает ярость отчаяния. На ум приходят параллели со Второй мировой войной и парадокс ситуации доводит ее  до грани расплавления мозга. Что в голове у Путина, что он якобы продвигает «денацификацию» в Украине.
 
Галина описывает судьбы войны: «Мужчина в Одессе вышел за молоком, а вернувшись, обнаружил, что его дом с женой, свекровью и 3-месячной дочерью разрушен. Или сколько замученных и искалеченных людей с перевязанными руками просто валяются на улицах городов. Хотя она сомневается, что у нее хватит сил убить хоть одного человека, Галина желает хотя бы «выцарапать глаза трусам и зверям, убивающим младенцев и детей, особенно на глазах матерей, не сумевших защитить своих детей». После всего увиденного и услышанного она не всегда может защитить себя от поднимающейся в ней ненависти. 
 
Ненависть, которая временами растет так сильно что в своем отчаянии она «хочет иногда похоронить весь (русский) народ».
 
Историческое непонимание и обвинение русских в адрес украинцев, в то время как вся Россия сидит в паутине фейковых новостей с тоталитарными политическими структурами, живущими в рабстве. Глядя на это все, Галина тем более ощущает высокомерие по отношению к украинцам.
 
В отличие от русских Галина видит в украинцах вполне свободный народ и убеждена в объединяющем влиянии войны на украинцев. Они проявились в беспрецедентном единстве и силе. Она уверена, что для российских солдат, которые были в Украине, спокойной жизни больше не будет. Столько украинских мужчин и солдат потеряли своих жен, детей, товарищей. Многие поклялись провести остаток своей жизни, отыскивая каждого военного преступника и предателя среди украинцев. Каждому из них будет дана личная оценка. Ни один командир, ни коллаборационист, ни один винтик в машине агрессора не были бы слишком незначительными, чтобы избежать мести выживших, и единственный способ избежать этой мести – сражаться на стороне украинцев сейчас.
 
Украина была как счастливый народ, который мирно жил, пока на них не напала российская армия. Она хотела бы видеть более быстрые и масштабные поставки оружия с Запада. С точки зрения Галины, именно оружие большой дальности могло бы помочь вывести из строя российские стратегические базы и перекрыть снабжение, тем самым сократив войну. Никогда в жизни ничего не боясь, Галина сейчас сталкивается со страхом непонимания, бездной беспомощности перед
лицом сложившейся ситуации. Она потрясена собственной ненавистью после того, как гуманно относилась к каждому преступнику в своей профессии, каким бы жестоким он ни был. Однако, по ее словам, эта ненависть в конечном счете была создана русскими своими действиями. До этого было братство со стороны украинцев.
 
Галина говорит, что с украинской стороны бежало около 7 миллионов человек, в основном матери с детьми. С российской стороны бежало около 5 миллионов человек.
 
Ей бы эти люди  вышли на улицы в России, этого ужаса могло и не быть. Она также задается вопросом, как некоторые мальчики, которых она с любовью воспитывала почти 10 лет назад, теперь относятся к войне. Сейчас они молодые люди.
 
Помнят ли они свою украинскую няню, прекрасные моменты, песни, рассказы? Или они тоже маршировали в сторону Украины, Бучи, бомбили, насиловали, грабили?
 
Фотографии разграбления украинских сел русскими солдатами символизировали то, что она считала полной недооценкой украинцев русскими. Даже в самых бедных украинских городах стоят самые обычные унитазы. Были украдены стиральные машины и даже собачьи конуры, чему русские оккупанты были удивлены: «Почему они
здесь живут лучше, чем мы???»
 
Абсолютный признак бедности для России. Это символизирует о том, что со времен Сталина мало что изменилось: «Всякий, кто выскажет свое мнение, будет забит дубинкой». Исторически всегда было только изображение победоносной державы, собственные ошибки и преступления никогда не признавались и не разбирались с последующей политикой. Украине же реальный шанс дал Зеленский, которого недооценили все, в том числе и его собственный народ. Галина смеет смотреть в будущее с оптимизмом. Она думает, что сама
Россия может распасться по собственному невежеству и что все наши дети могут почувствовать изменение границ. Когда я спрашиваю Галину, есть ли у нее последнее сообщение, которое она хотела бы передать читателям, она на мгновение задумывается. «Телевидение — это наркотик. Люди должны меньше смотреть телевизор и больше думать».

Спасибо Галине за интервью и Спасибо Елизавете Б. за перевод!