Heringssalat- Ukrainisch/Russischer Schichtsalat!

Traditionelles Rezept für Heringssalat: Селёдка под шубой – Hering im Pelzmantel 

Bei diesem traditionellen, in der Sowjetunion omnipräsenten Schichtsalat-Rezept wird zarter Hering mit frischen Zwiebeln auf gekochtem Wurzelgemüse gebettet, mit Mayonnaise geschmiert und mit Eiern bebröselt. Mit Gerichten wie Borschtsch (Rote-Beete Suppe), Pampuschki (feine, weiche Brötchen mit Dill) und Horilka bzw. Wodka ist er ein absoluter Sylvester-Klassiker, der auch übers Jahr verteilt gerne zubereitet und genossen wird. 

Diesen herrlichen Schichtsalat habe ich das erste Mal auf der Geburtstagsfeier einer weißrussischen Freundin gekostet, der zeitlich recht nah an der Weihnachts-/Sylvesterzeit lag. Mal wieder stellte sich heraus, dass meine jahrelange Abneigung gegen Hering, insbesondere Matjes absolut unbegründet war. Bevor ich herausfand, dass die leckeren Häppchen in dem pinken Mayo-Traum tatsächlich Hering waren, hatte ich mich schon in dieses Gericht verliebt und Hering für mich für immer seinen Schrecken verloren. 

Übrigens ist Hering (Селёдка, sprich: Siljotka) seit dem 18.Jahrhundert in Russland sehr verbreitet gewesen, auch gerne zum “nachbeißen” nach einem Gläschen Wodka. Da sich Wodka und Siljotka so schön reimt, ist daraus im Laufe der Zeit der Spruch “Einen Reim trinken” entstanden. Das bedeutet nur so viel wie auf die schnelle ein Gläschen Wodka trinken und dazu ein Häppchen Hering – meist auf Schwarzbrot serviert, zu genießen. 

Wodka mit Hering und Schwarzbrot zum nachließen

Übrigens: Ich habe tatsächlich mal die Frage gestellt bekommen, woher man die in dem Rezept verwendete “pinke Mayonnaise” bekommt. Ich habe behauptet im russischen Lebensmittelhandel. Wer von euch findet es heraus? 

Zutaten Heringssalat für 4 Personen:

-300 g Hering bzw. Matjes (kann auch bereits mariniert sein, z.B. in Zwiebel und Dill)
– 4 mittlere Kartoffeln
– 500 g rote Beete
– 2-3 mittlere Karotten
– 4 Eier 
– 1 mittlere Zwiebel
-150 Mayonnaise 
(-1 mittleren säuerlichen Apfel- Wer mag 🙂
Zutaten Heringssalat, Kartoffeln, Möhren, Rote Beete, Zwiebeln, Hering, Mayonnaise, Eier

Zubereitung von ukrainischem Heringssalat „Hering im Pelzmantel“: 

Kartoffeln, rote Beete, Karotten und Eier mit Pelle im selben Topf weich kochen. Anschließend abkühlen lassen, schälen und getrennt voneinander reiben. 
Den Hering in mundgerechte Stücke schneiden und auf einer Servierplatte oder Schüssel verteilen. Die Zwiebeln in feinen Stückchen darauf geben. Dann kommt die geriebene Kartoffel auf den Hering, schließlich soll er “unter den Pelzmantel”. Jetzt sollte eine großzügige Mayonnaise-Beschichtung erfolgen. Anschließend kommen geriebene Karotten, geriebene Eier (eines zur Dekoration übrig behalten), wer es fruchtig mag kann jetzt einen rohen, säuerlichen Apfel auf die Ei-Schicht reiben, oder nochmal zur Mayonnaise greifen. Abschließend kommt geriebene rote Beete auf die vorigen Schichten, die reichlich mit  Mayonnaise bestrichen wird. Wer sich ein Ei aufgespart hat, kann dieses jetzt fein reiben und über dem Salat verstreuen. Und wer lange genug mit dem Essen wartet, kann beobachten, woher die pinke Mayonnaise wirklich kommt 🙂 
приятного аппетита!
Heringssalat Hering im Pelzmantel zubereitet und auf Tellern angerichtet
 

Sind die Russen für oder gegen den Ukraine Krieg?

Nazis, Neonazis & Faschisten

Bei der ganzen durch Putins Propaganda stattfindenden Geschichtsverdrehung und den vorherrschenden Fake-News in russischen Medien, finde ich es insbesondere im Hinblick auf Putins “Ukraine-Entnazifizierungs-Narrativ” sehr symbolträchtig, dass viele Ukrainer in Deutschland aufgenommen und gut versorgt werden. Die Ukraine hatte im Zweiten Weltkrieg extrem hohe Opfer, Verluste und Zerstörungen (Sewastopol u.a.) durch die Nazis zu beklagen, auf der anderen Seite jedoch einige der bekanntesten Kriegshelden der damaligen Sowjetunion hervorgebracht. Jetzt werden Ukrainer*innen unter dem wahnwitzigen Vorwand der “Entnazifizierung” getötet, gefoltert, vergewaltigt und vertrieben und landen hier in Deutschland im ehemaligen Nazi-Hotspot, während Putins Regime hierzulande durch die Linke und vor allem die Rechte besondere Unterstützung zu erfahren scheint. Währenddessen sind aus der Ukraine auch besonders viele jüdisch-ukrainische Flüchtlinge auf der Flucht vor Putins Krieg. Seit Jahrhunderten spielte die Ukraine als Zentrum der „Ostjüdischen Kultur“ eine große Rolle. Auch gab es in den letzten Jahren ein großes Bemühen die jiddische Sprache und die jüdische Kultur zu stärken (s. auch Juden in der Ukraine).

Ukraine Krieg Bilder zweiter Weltkrieg und Panzer

Putins Nazi-Narrativ

Schlimm ist es außerdem, wenn ein Feiertag wie der Sieg über Nazi-Deutschland am 9. Mai dazu missbraucht wird, um die aktuell stattfindende gezielte Zerstörung der zivilen Infrastruktur und Folterung, Vergewaltigung und Tötung von ukrainischen Militärs und Zivilisten medial zu Beschönigen. Es werden durch den russischen Angriff doch auch die Kinder und Enkel der Kameraden getötet, die einst beim Sieg über den Faschismus Seite an Seite kämpften, ungeachtet ihrer Herkunft! Ich denke bei den Kriegshelden des zweiten Weltkriegs z.B. an die weltbekannte Scharfschützin Ljudmila Pawlitschenko (*1916 Bila Zerkwa bei Kiew -1974 Moskau), deren beeindruckende Geschichte und Freundschaft mit Eleanor Roosevelt in dem Kriegsfilm “Red Sniper- Die Todesschützin” verfilmt wurde (2015, Werbung-Affiliate Link: Hier bei Amazon -Prime kannst du den Film während des Probezeitraums kostenfrei anschauen!). Der Film war eine gefeierte Koproduktion zwischen der Ukraine und Russland und hat Zuschauer in beiden Ländern gleichermaßen begeistert! Umso perfider ist die Propaganda-Strategie, alle Ukrainer als Nationalisten und Faschisten darzustellen, die “Ausrottung” aller Ukrainer zu verlangen, den Russen Maulkörbe durch das Verbot des Wortes “Krieg” anzulegen und Pazifisten pauschal als “Verräter” anzuprangern.

Wie kann innerhalb weniger Jahre dafür das Bewusstsein verloren gehen, dass die Großmütter und -väter einst zusammen erfolgreich gegen den Faschismus gekämpft haben! 

Wie sehr unterstützen die Russen den Ukraine Krieg?

Putin bediente sich des Nazi-Narrativs bisher sehr erfolgreich. Noch im März 2022 standen einer  SPIEGEL-Recherche zur Folge stehen rund 80% der Russen hinter Putins “Spezialoperation”, rund 50% der Russen gaben an, “Stolz” als dominierendes Gefühl in Bezug auf die russische Invasion zu empfinden. Nur 14% der Russen positionierten sich klar gegen den Krieg bzw. Putin, rund 6% sahen sich unentschlossen. Wir hatten und haben viel Kontakt zu russisch stämmigen Menschen und bis auf zwei traurige Ausnahmen, die uns tatsächlich zum Kriegsbeginn im Februar 2022 wortgewaltig zur „Entnazifizierung der Ukraine“ gratuliert haben, waren die anderen genauso entsetzt und hilflos wie wir. Es häufen sich Berichte, dass aufgeklärte Russen wegen der Repressionen scharenweise Russland verlassen. Mittlerweile, vor allem seit Beginn der Teilmobilisierung am 21. September 2022 bröckelt die Unterstützung für Putin in der russischen Bevölkerung. Ich befürworte jeglichen Protest gegen das Putinregime, allerdings wäre mir insgesamt wohler, wenn sich die Proteste der Bevölkerung gegen die russischen Politiker, die russischen Medien und den Angriffskrieg selbst richten würden. Statt dessen gilt der Protest und ein großer Teil der russischen Flüchtlingsbewegung von Kriegsdienstverweigerern vor allem den nicht-bezahlten Löhnen der frisch Rekrutierten, der schlechten Ausstattung, den fehlenden Waffen, den alten Armeefahrzeugen, dem schlechten Training und der mangelhaften Verpflegung der russischen Truppen. Dies bedeutet für mich im Umkehrschluss, dass diese „Protestler“ nichts gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg einzuwenden hätten, wenn ihnen der russische Sieg durch eine bessere Ausstattung und Training gewiss wären.

Ethnische Säuberung im Ukraine-Krieg

Einige munkeln im Zusammenhang mit der Einberufungstaktik Moskaus von einer ethnischen Säuberung. Auffallend häufig werden die Einberufungen fernab von Moskaus und St. Petersburgs Eliten durchgeführt. So sollen Proteste durch die Zivilbevölkerung vermieden werden, da es überwiegend nicht-russische Minderheiten trifft, die als Kanonenfutter bei schlechter Ausrüstung, zweifelhafter Eignung und mangelhafter Vorbereitung an die Front geschickt werden. „Es häufen sich Berichte darüber, dass in den Republiken Burjatien, Tuwa, Dagestan, Kalmückien, Tatarstan, Altai oder Jakutien sämtliche Männer Einberufungsbefehle erhalten haben sollen.“ (taz, 26.09.2022) So werde bei der Einberufung weder auf das Alter der Männer, noch auf die gesundheitliche Eignung geachtet. Bei der Todesstatistik der gefallenen russisch-stämmigen Soldaten zeigt sich das eindeutig: Auf „einen gefallenen Moskauer kommen 87,5 Dagestaner, 275 Burjaten und 350 Tuviner“(taz, 26.09.2022) . Auch bei der Mobilisierung auf der durch Russland annektierten Krim, zeigt sich dieses Vorgehen. Von 5000 mobilisierten Zivilisten seien rund 80 Prozent der Bevölkerungsminderheit der Krimtartaren zuzuordnen (ebd.). Russland scheint also beim Kampf gegen den „Neofaschismus in der Ukraine“ selbst das Leben ethnischer Minderheiten geringer zu schätzen, als das Leben der ethnisch-russischen Bevölkerung. Auch zeigen sich bezüglich der Klassen deutliche Unterschiede, da viele Einberufene aus sehr armen Gebieten kommen. Ein noch größerer Hohn, dass Putins Regime dann ausgerechnet den Menschen den versprochenen Soldaten-Lohn verweigert, die mit ihren Angehörigen am meisten darauf angewiesen wären. 

Russen fliehen nach Georgien

Georgien ist wegen der erleichterten Einreisebestimmungen ein bevorzugtes Ziel der Russen. Im Gegensatz zu vielen Ländern, die die Einreise von Russen deutlich erschwert haben, bekommen Russen in Visa ohne Probleme ein einjähriges Visa. Obwohl unter den fliehenden Russen auch einige Oppositionelle sind, die in ihrer Heimat bereits nach Kräften gegen den Krieg mobilisiert und informiert haben, stehen die Georgier den einwandernden Russen insgesamt ablehnend gegenüber. Vermieter wollen nicht an Russen vermieten und viele Georgier regen sich über junge Russen auf, die sich „wie im Urlaub“ benehmen, offensichtlich Geld haben und den Krieg und die Verantwortung im Ausland aussitzen, statt zu Hause ihre Stimme gegen Putin zu erheben. Nach dem Georgien Krieg 2008 sind immer noch Teile Georgiens durch Pro-Russische Separatisten besetzt und die meisten Georgier befürchten ein Szenario wie nun in der Ukraine. Hinzu kommt, dass vor allem seit der Verkündung der Teilmobilisierung durch Putin am 21. September mittlerweile rund 250.000 russische Flüchtlinge, zumeist Männer, die Grenze nach Georgien überquert haben. Dadurch sind die Preise in kürzester Zeit um rund 40 Prozent in die Höhe geschossen, vor allem Mieten, Energie und Lebensmittel sind seitdem für viele Georgier unerschwinglich. 

zerstörtes ukrainisches Haus im Ukraine Krieg

Nur soll sich bitte niemand in Russland von den daheimgebliebenen (nach der hoffentlich erfolgenden, vernichtenden Niederlage des russischen Militärs) des anderen Weltkriegs-Narrativs berufen. Dem, “Wir haben von Nichts gewusst!”- Narrativ der Mitläufer und Ignoranten! Was damals schon unglaubwürdig erschien, ist im 21. Jahrhundert, im digitalen Zeitalter, in dem Informationen omnipräsent und überall verfügbar sind und die Ukrainer, westliche Länder und auch einige mutige Russen verifizierte Nachrichten rund um die Uhr online stellen, einfach unmöglich nachzuvollziehen. Es kann beim besten Willen kein Russe hinterher behaupten: “Wir haben von Nichts gewusst”. 80% der Russen stehen hinter Putins “Spezialoperation”. Ich kann nur hoffen und beten, dass die 14% der Russen, die sich klar gegen den Krieg bzw. Putin positionieren, die übrigen Russen aufwecken und von ihrer Mittäterschaft abbringen! Mir tut es in der Seele weh, wie in einer absurden Reality-Show live zu verfolgen, wie zwei Brüder-Völker durch Massen-Manipulation der russischen Medien für Jahrzehnte, wenn nicht über Generationen hinweg zu Feinden werden. 

Ein für mich herausragendes Beispiel für innerrussischen Protest ist die russische Journalistin Marina Owsjannikowa. Sie selbst hat vor dem Hintergrund des Tschetschenienkriegs als Kind eine Flucht miterleben müssen. Trotz jahrelanger Arbeit als “gut funktionierendes Rädchen der russischen Propagandamaschine” als Journalistin beim Kreml-treuen Sender “Perwy kanal” (erster Kanal) sei beim russischen Angriff auf die Ukraine bei ihr endlich der Punkt erreicht gewesen, an dem sie sich vor lauter Scham, so lange Teil dieses Lügensystems gewesen zu sein, aufraffte und beschloss in einer Live-Sendung zu protestieren. Die Bilder von ihr, wie sie ein Plakat mit den Worten “NOWAR – Остановите войну –  не верьте пропаганде – здесь вам врут – RUSSIANS AGAINST WAR” („Kein Krieg – Beenden Sie den Krieg – Glauben Sie der Propaganda nicht – Hier werden Sie belogen – Russen gegen den Krieg“) hochhielt, gingen um die ganze Welt. Sie ist für mich das Beispiel von einer Person, die persönlich und wider besseren Wissens zum Bestehen und Wachsen des System Putins beigetragen hat. Dennoch hat sie angesichts der Ungeheuerlichkeit dieses Krieges den Mut geschöpft alle Sicherheiten, Vorteile und Annehmlichkeiten, die ihre Arbeit ihr, als alleinerziehende Mutter, gegeben hat aufzugeben. Gerade vor dem Hintergrund der verschärften Strafen (neues Mediengesetz- bis zu 15 Jahre Haft), Blockierung ausländischer Medieninhalte und dem Wissen um in der Vergangenheit getötete kritische Journalist*innen (Anna Politkowskaja 2006, Anastassija Baburowa 2009) und des beinahe getöteten, mittlerweile inhaftierten Kreml-Kritikers Alexei Nawalny, finde ich ihren Protest bemerkenswert.

Ihre Aktion scheint zu rufen: ”Seht her, wenn ich, bisher Teil des Systems mich gegen die Propaganda stellen kann, dann könnt ihr das auch!” 

-UPDATE: Ungeachtet möglicher Repressionen hat sich Marina Owsjannikowa erneut mit einer Protestaktion gegen das russische Regime gestellt (Juli 2022). Mit Plakaten auf denen „Putin ist ein Mörder“, stand und „Seine Soldaten sind Faschisten.“, sowie „Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?“ stand sie wohl in Sichtweite des Kremls in Moskau auf der Straße. Owsjannikowa wurde daraufhin von der Moskauer Polizei verhaftet. Seit dem Vorkommnis im Juli stand sie unter Hausarrest und durfte keine Kommunikationsmittel verwenden. Ihr drohte eine Anklage wegen „Verbreitung von Falschinformationen“ über die russische Armee auf die bis zu 10 Jahre Haft stehen. Ende Oktober 2022 schaffte sie auf bisher unbekanntem Weg die gemeinsame Flucht aus Russland mit ihrer Tochter. 

Flaggen Russland und der UkraineWeiterführende Links zum SPIEGEL, ZEIT und mdr:


Putins Ukraine Krieg – Vorboten und Nachwirkungen

Ukraine Krieg – Die Vorboten.


2013 formten sich unter der Euromaidan- Bewegung Proteste in der Ukraine gegen die damalige Regierung. Auslöser war die überraschende Erklärung der damaligen Kabinetts Asarow II, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. Am 18.März 2014 hat Putin völkerrechtswidrig die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Am 15.Februar 2015 wurde das Minsker Abkommen (Minsk II) geschlossen, mit dem die Unruhen in der Ostukraine beschwichtigt werden sollten. Nach mehreren Übergriffen der russischen Küstenwache auf ukrainische Schiffe und der Sorge vor einer russischen Invasion wegen massivem Truppenaufgebot an der Grenze zur Ukraine, wurde in der Ukraine ab dem 26.November 2018 ein 30-tägiger Ausnahmezustand verhängt. Am 21.Februar 2022 unterzeichnete Putin ein Dekret, womit er die Unabhängigkeit der besetzten ukrainischen Gebiete anerkannte. Am 24.Februar 2022 griff Russland die Ukraine dann völkerrechtswidrig an.
Eurpoa Euromaidan Ukraine Kiew

Jetzt ist Krieg.

Hätten wir es aus den Ereignissen vorhersehen können? Hätten unsere Politiker es verhindern können? Hat die Welt zu lange weggeschaut? Die Ukraine, die vielen Deutschen nicht oder nur bislang nur vage bekannt ist, von den wenigsten jemals als Reiseziel in Betracht gezogen und sogar oft wegen der verbreiteten russischen Sprache in einen Topf geworfene, wunderschöne Ukraine, ist heute so nah an Deutschland gerückt wie nie zuvor. Jeder kennt direkt oder um ein paar Ecken Ukrainer, plötzlich erzählt der Arzt mit belegter Stimme, das sein Schwager Ukrainer ist, die IT-Studentin die das Tutorium leitet kommt doch auch aus Kiew, Omas Fußpflegerin, bringt doch immer Speck aus der Ukraine mit, der Postmann liefert das Paket am Tag des Kriegsbeginns mit geröteten Augen und gesenktem Blick ab, höre ich da nicht einen vertrauten Akzent?
Krieg Ukraine

Wir sind alle betroffen.

Und auch die, die niemanden aus der Ukraine, auch nicht um ein paar Ecken kennen sehen die Bilder und sind – sprachlos, entsetzt, berührt und hilflos. Die Angst um Angehörige, Bekannte, Freunde. Die Angst um Menschen, die man nicht mal kennt. Die Wut auf einen so sinnlosen und grausamen Krieg. Das Bewusstsein, dass alles endlich ist. Ein Stück unserer Normalität unseres Selbstverständnisses ist weggebrochen. Die Sicherheit und Souveränität Europas bedroht. Eine humanitäre Katastrophe globalen Ausmaßes: Tote, Verwundete, Waisen, verwaiste Eltern, entwurzelte Menschen auf der Flucht und im erbitterten Kampf. Drohende Hungersnöte, weil die Weizenpreise explodieren. Angst vor einer nuklearen Katastrophe. Die Ohnmacht.
Flüchtlinge Ukraine Kind auf Koffern
Die Hilfsbereitschaft. 

Von der Lähmung zur Handlung. Viele Menschen organisierten bereits in den ersten Kriegstagen private Hilfskonvois, sammelten Geld- und Sachspenden, räumten vorausschauend Zimmer leer, registrierten diese bei Organisationen und Stadtverwaltungen und fuhren z.T. sogar selbst an die überfüllten Grenzen, um Menschen mit Bussen und PKWs abzuholen. Einige organisierten Deutsch-Kurse oder Vernetzungstreffen, einige Menschen gingen auch soweit, sich bis an die Zähne bewaffnet ins Kriegsgebiet zu begeben und dort auf der Seite der Ukrainer zu kämpfen. Die deutsche Bundesregierung schickt Geld, Hilfsgüter und mittlerweile auch (schwere) Waffen. Insgesamt ist wirklich eine Solidarität und Einigkeit auf allen vorstellbaren Ebenen zu spüren, die ich so noch nicht erlebt habe. 

Demo für Frieden in der Ukraine

Selbst in diesem furchtbaren Krieg mitten in Europa und trotz persönlicher Betroffenheit, staune ich, wie standhaft die ukrainische Armee und Bevölkerung ist, versuche mich über schöne Momente mit den Menschen, die jetzt bei uns sind zu freuen und versuche die Zeit trotz Heim-bzw. Fernweh für alle so gut zu gestalten, wie es nur irgend möglich ist. 
Ich verfolge die Nachrichten, die Verschiebungen der Gebiete unter ukrainischer bzw. russischer Kontrolle, die Anzahl der Getöteten auf beiden Seiten, die “Friedensgespräche” der Politiker und die Anzahl der zerstörten russischen Panzer, Flugzeuge und Schiffe. Als ob das irgendetwas ändert, oder ob man ab einer bestimmten Zahl zerstörter Waffen und Fahrzeuge oder getöteter Soldaten ein sicheres, baldiges Ende dieses Krieges abschätzen kann! Meine Seele zerspringt beim Gedanken an die gefolterten Menschen in Butscha, mein an Herz zerreißt, sobald mir die Bilder der eingeschlossenen Kämpfer im Stahlwerk bei Mariupol in den Sinn kommen. Ich möchte mich ablenken, denke jedoch, dass wir diesen verzweifelten Soldaten zumindest ein paar Gebete schuldig sind. Es ist dieser Zynismus des Krieges, der mich auffrisst.
Ukrainischer Soldat verzweifelt vor ukrainischer Flagge
Die moralische Unvereinbarkeit “dabeizustehen” während man live durch die Nachrichten mitverfolgen kann, wie diese Menschen einem gewaltsamen Tod ins Auge blicken und gleichzeitig über Belanglosigkeiten reden, mich an einem leckeren Brokkolisalat erfreuen, meine Küken in der Sonne spielen und aufwachsen sehen dürfen. Es ist zum Verzweifeln und ich hoffe einfach nur mit jeder Faser meinen Leibes auf ein schnelles Ende des Kriegs und bete für Souveränität und den Wiederaufbau der Ukraine!
 

DIY Bulli Ideen – Frühjahrsputz im T3 für den ersten Roadtrip 2024!

Camper Van verschönern – Einfache Ideen 


Außer dem leicht entfernbaren Schmutz und handfesten technischen Herausforderungen, die wir wohl besser in einer Meisterwerkstatt durchführen lassen, möchte ich den Wohlfühlfaktor in unserem Zeit-und Raumschiff erhöhen. Irgendwie wirkt er mir zu “clean” und unpersönlich, wenn sich nicht gerade unsere Küken mit all ihren Habseligkeiten darin ausgebreitet haben. 

Letzte Woche hatte ich endlich ein bisschen Zeit zu bummeln und habe etwas Klettverschluss, ein paar Bilderrahmen und ein paar unvergängliche Blümchen besorgt. 
Ein Punkt, der mir bereits bei unseren letzten Roadtrips missfallen hat (das nennt man übrigens Jammern auf hohem Niveau 🙂 ist die Beleuchtung unseres Schätzchens.

Im Küchenbereich unseres Oldtimers gibt es eine medizinisch anmutende Neonlampe, die sich wirklich hervorragend eignet, um in finsterer Nacht Splitter aus kleinen Kinderhänden raus zu operieren, Orangen zu filetieren oder nach Mücken zu jagen. Zusätzlich gibt es noch eine sehr kuschelige, schummrig-warm-gelbe Retro-Beleuchtung im unteren Schlafbereich, die sich jedoch nicht wirklich zum Lesen eignet. Auch wenn ich mir mittlerweile einen E-Reader angeschafft habe, so möchte ich dennoch nicht auf meine handfesten Bücher verzichten, vor allem weil ich so viele noch ungelesen zu Hause für den Fall eines plötzlichen Camping-Urlaubs aufgespart habe. 

Bulli Beauty

Aus dem Bekanntenkreis kam immer wieder der Ruf nach Lichterketten im Bulli! Ich bin jedoch nicht wirklich ein Fan von Lichterketten- Zu viel Kabel für zu wenig Licht und die Vielfalt der im Handel erhältlichen Lichterketten überfordert mich häufig und ich finde den Look oft ein wenig billig, wenn man eine unpassende Lichterkette wählt oder diese nicht vernünftig anbringt und die Kabel ordentlich kaschiert. 

Zum Glück bin ich nach längerer Recherche endlich im Internet fündig geworden und habe diese praktischen kleinen Klemmleuchten gefunden, die nun hoffentlich mein Beleuchtungsproblem lösen. Begeistert bin ich von den drei Lichtspektren, der überraschenden Helligkeit und vor allem dem Fehlen eines lästigen Kabels. Sollte die Lampe leer sein, kann ich sie einfach über einen der zahlreichen USB-Anschlüsse meines Bullis laden und anschließend wieder dahin klemmen wo ich sie brauche. Mit Hilfe ein paar aneinander genähter Klettverschluss Streifen, die ich mit etwas Stoff optisch aufgewertet habe, lässt sich die Halterung für die Klemmen ohne Geschraube überall im hinteren und oberen Liegebereich anbringen und mit dem kleinen biegsamen “Schwanenhals” erreicht das Lämpchen mein Buch in jeder Liege- und Sitzposition. Oder man klemmt die Lampe direkt ans Buch, ich bevorzuge jedoch die “Wandbefestigung”.

Bulli Interior

Deko & Beleuchtung>Die Bilderrahmen habe ich farblich passend zum Innenleben unseres Bullis in Schwarz- und Goldtönen erworben. Ich finde ein paar Reisefotos von COSMOS beim Camping an der Ostsee, bei der Restauration unseres Bullis in der Ukraine oder beim Roadtrip durch Moldawien passend. Hier klebe ich mit der Heißklebepistole oben und unten einen Streifen Klettband auf den Rahmen. So kann ich die Position der Bilder beliebig oft auf dem Teppich wechseln, ohne Bohren oder Hämmern zu müssen. Dann habe ich mit Canva ein paar schöne Urlaubsfotos und Memes zu Collagen zusammengestellt: 

Collage Urlaubsfotos mit Classic Cars

Diese süße kleine Retro-Leuchtbox mit Buchstaben habe ich zufällig gesehen und fand sie einfach sehr passend. Zunächst war ich beim Anblick der Box zwiegespalten. Zu oft habe ich uninspirierte Kalendersprüche in Wohnungsfluren von Bekannten oder Freunden auf eben diesen Leuchtboxen lesen müssen. Aber das kleine Format hat es mir irgendwie angetan und ein bisschen mehr indirekte Beleuchtung kann ja nicht schaden. Diese ist leider nur batteriebetrieben (ich verwende aufladbare Batterien) ich hätte es toll gefunden, wenn es auch die Möglichkeit gäbe sie über USB zu betreiben. Falls ein Campervan /Bulli-Besitzer da draußen die Idee nachempfinden möchte, verlinke ich unten eine ziemlich perfekte Buchstaben-Leuchtbox (A6-Format), die sowohl über USB, als auch über Batterie zu bedienen ist. 

Bilderrahmen mit Klettband bekleben und im Bulli aufhängen

Zudem bin ich noch auf der Suche nach einer möglichst “glasig” aussehenden Plastikvase für die Kunstblumen und ein paar hübschen LED-Kerzen, die möglichst auch per USB-Anschluss geladen werden können. Hier muss ich mir noch überlegen, wie ich die ohne Schrauben an der Arbeitsplatte fixiere, so dass bei kurviger Fahrt und Bremsen alles an seinem Platz bleibt. 

Ich finde die kleinen Veränderungen haben spürbar für eine kuscheligere Atmosphäre gesorgt. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, einen verregneten Nachmittag bei geöffneter Heckklappe und guter Aussicht auf der bequemen Liegefläche meines T3 `s rumzulümmeln und mich endlich meinen ganzen ungelesenen Büchern zu widmen. Es ist definitiv Zeit für den nächsten Roadtrip!

Bilderrahmen als Deko im T3 Oldtimer Campervan

 

Brokkolisalat- Lecker, gesund, vegan!

Brokkoli stand bislang eigentlich nicht auf meiner wöchentlichen Einkaufsliste. Sehr selten nur hat mich mein schlechtes Gewissen aus gesundheitlichen Gründen zum Kauf von Brokkoli verleitet und meistens ist er dann nach einer langen Verweildauer im Kühlschrank und schleichendem Dahinwelken in einer sehr uninspirierten Cremesuppe gelandet. 

Vermutlich war es wieder das schlechte Gewissen, nachdem wir tagelang nahezu jedes Restaurant getestet haben was auf unserem Weg lag, welches mich im “Silpo” in Czernowitz bei unserem Sommerurlaub in der Ukraine letztes Jahr dazu verleitet hat Brokkolisalat an der Frischetheke zu kaufen. Es war ein sehr heißer Tag im Mai, tausende Löwenzahnblüten zeichneten im Kontrast zum azurblauen Himmel die Landesfarben der Ukraine und ich denke ich wollte mich genauso gesund und prächtig fühlen wie diese fruchtbare, erblühende Landschaft. 

Bei meiner Entscheidung spielte die Anwesenheit von Granatapfelkernen im Salat eine entscheidende Rolle. Ich habe diese Frucht bereits vor der Ukraine schätzen und lieben gelernt, jedoch gab es zumindest vor dem Krieg in jeder größeren Stadt in der Ukraine vorzügliche georgische Restaurants, welche mir den Genuss der georgische Dreifaltigkeit Walnüsse, Granatapfelkerne und frischen Koriander stets zugänglich machten. In diesem Salat spielen sowohl die Granatapfelkerne eine entscheidende Rolle, als auch der Granatapfelsirup. 

Brokkolisalat vegan mit Granatapfelkernen und Pilzen

Die ersten Bissen des Salats waren die reinste Offenbarung. Umami ist glaube ich noch die akkurateste Beschreibung. Es paarten sich würzig-buttrige Pilze, süß-scharfe  Zwiebelringe, süß-säuerlicher Granatapfel mit genau der richtigen Konsistenz und von Brokkoli – irgendwo zwischen knackig und zart, so dass seine “grünen” Eigenschaften genau hervorgehoben wurden. Ich muss glaube ich nicht erklären, dass ich diesen Supermarkt noch öfter aufsuchte und mir diesen Kick gönnte. Ich kann ehrlich gesagt bis heute nicht verstehen, wie ein dermaßen gesunder, vitaminreicher Salat einfach nur so irrsinnig lecker sein kann, dass ich ihn mindestens einmal die Woche zubereite und nicht aufhören kann zu essen, bis die Schüssel leer ist. 

Ich habe leider nirgendwo ein Rezept gefunden, welches dem “Silpo”-Frischetheken Salat nahe kommt, allerdings musste ich mich bei meiner Suche auch auf deutsch und englischsprachige Seiten konzentrieren. Ich habe also mit ein bisschen “Trial and Error” ein super “Copy-Cat” Rezept erstellt, welches ich euch hier vorstellen möchte!

Was mich zusätzlich begeistert, ist dass die Zutaten im Gegensatz zu z.B. Blattsalat lange frisch halten und man einiges tiefgekühlt kaufen kann, so dass einem spontanen sonntäglichen Vitaminkick nichts im Wege steht. Der Salat ist zudem ziemlich preiswert und wenn man Dr. Fuhrmann´s Anti-Krebs- und Anti-Aging- Forschungen Glauben schenken mag, dann ist genau die vegane Kombination aus grünem Kreuzblütler-Gemüse (Brokkoli), Beeren (Granatapfel), kurz erhitzten Pilzen (Champignons) und rohen Zwiebeln, ein absoluter Booster für das Immunsystem, Jung-Erhaltung der Zellen und der ultimative Krebs-Endboss (Dr. Fuhrmann “Eat to Life”, z.B. Youtube).

 
Dr. Fuhrmann gibt übrigens den Tipp, dass man Brokkoli zwischen dem Kleinschneiden und dem Erhitzen 45 Minuten angeschnitten liegen lassen sollte, da sich in der Zeit alle Enzyme aktivieren, die hinterher so gut für uns sind. Der alte Glauben, man solle alles so schnell wie möglich zubereiten, damit keine Vitamine verloren gehen, gilt also nicht für den Brokkoli. Wenn man tiefgekühlten Brokkoli verwendet, dann hat man diese Möglichkeit nicht unbedingt, jedoch tut das der Bekömmlichkeit des Salats keinen Abbruch! 

Zutaten veganer Brokkoli Salat mit Granatapfelkernen und Champignons

Zutaten (4 Portionen als Hauptspeise mit Brot)

  • 2 kleine Köpfe frischer Brokkoli oder ½ Paket TK Brokkoli Röschen (400g)
  • 400g Champignons 
  • 1 große rote Zwiebel
  • 1 Granatapfel oder 1-2 Tütchen TK Granatapfelkerne 
  • 3 EL Tamari Sauce (bitte tut euch den Gefallen und nehmt keine Soja-Sauce – ganz anderes „Umami“-Level!)
  • 3 EL Granatapfelsirup (ich bevorzuge 100% igen)
  • etwas Apfelessig
  • Brot zum Servieren

Zunächst schneide ich die Pilze in Scheibchen und brate sie in etwas Fett in der Pfanne an, bis sie leicht bräunen.

Bei frischem Brokkoli schneide ich die Röschen in mundgerechte Stücke und die Stängel ebenfalls in kleine Häppchen. Wenn überhaupt blanchiere ich nur die Stängel ganz kurz, da die frischen Röschen mit zunehmender Zeit in der Sauce ohnehin leicht weich werden und ich den knackigen Genuss nicht verderben will. Habe ich nur noch tiefgekühlten Brokkoli zur Auswahl, dann blanchiere ich die Röschen für 1-2 Minuten in kochendem Wasser, bis sie aufgetaut sind. 

Zubereitung Brokkolisalat mit Granatapfelsirup und Pilzen

Die Zwiebel mag ich gerne in feine Ringen geschnitten. Die perfekte Art einen Granatapfel ohne Sauerei zu entkernen will ich hier nicht im Detail beschreiben, auf YouTube gibt es jedoch fantastische Videos dazu. Fakt ist: Wir wollen die Kerne 🙂 Wenn Gemüse, Pilze und der Granatapfel in der Schüssel gelandet sind gebe ich die Tamari-Sauce und den Granatapfelsirup hinzu, schmecke es mit etwas Apfelessig ab und füge je nach Lust und Laune höchstens etwas Pfeffer hinzu. Es schadet meiner Ansicht nach überhaupt nicht, wenn die Pilze noch warm sind. Lauwarm und sofort genossen eignet sich dieser Salat hervorragend als leichte, vollwertige Mahlzeit. Wer mag kann noch geröstete Nüsse und Kerne hinzufügen. 

Wenn du (so wie ich am Anfang) Schwierigkeiten hast Tamari Sauce und Granatapfelsirup (100 Prozentigen ohne Zucker!) in deinem Supermarkt zu finden, habe ich dir hier eine leckere, glutenfreie Sauce mit Zutaten aus biologischem Anbau und hochwertigen Granatapfelsirup verlinkt. Dies ist ein Affiliate Link, dass heißt du zahlst den regulären Preis und ich bekomme eine kleine Provision die mir hilft den Blog weiter zu betreiben.

Welche Sprache spricht man in der Ukraine?

Russisch oder Ukrainisch? Welche Sprache spricht man in der Ukraine?

Vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Ereignisse, stellen sich immer mehr Menschen die Frage, welche Sprache nun eigentlich in der Ukraine gesprochen wird. Ich habe das Glück mit einem wundervollen Ukrainer aus Kiew liiert zu sein und habe in der Vergangenheit oft mitbekommen, dass mein Umfeld ihn – mal mehr, mal weniger wohlwollend- als Russen bezeichnet hat. Irgendwie war das da im Osten ja auch mal alles Sowjetunion. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben mehr Deutsche die Landkarte studiert und dieses Missverständnis scheint erstmal ausgeräumt.

Landkarte Ukraine mit Friedenstaube

Dabei verstehen die meisten Ukrainer sich durchaus als Brudervolk der Russen und verzehren gerne sowohl die russischen “Pelmeni” als auch die typisch ukrainischen “Wareniki”. Ich denke die kulturelle und geopolitische Verbindung der beiden Länder kann in Bezug auf Deutschland am ehesten mit unserer Nähe zu den Niederlanden in Verbindung gebracht werden. Ähnlich verhält es sich mit der Sprachverwandtschaft. Russisch ist in der Ukraine sehr weit verbreitet. Dabei wird vor allem in der Hauptstadt Kiew von ihren rund 3 Millionen Einwohnern Russisch gesprochen. Auch die größeren Radiokanäle liefen, meinen Beobachtungen nach, zumindest vor dem Krieg auf russischer Sprache.

Nach dem Fall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der Ukraine wurde im Jahr 1991 Ukrainisch als Landes- und alleinige Amtssprache festgelegt. Fast alle bis dahin russischsprachigen Schulen wurden in Ukrainischsprachige umgewandelt. In Kiew und im Osten und Süden der Ukraine war jedoch Russisch weiterhin die vorrangig gesprochene Sprache. Untersuchungen um das Jahr 2012 zeigten, dass rund 40-50% der Ukrainer angab, dass Russisch ihr Mutter- bzw. bevorzugte Sprache sei. Daraufhin wurde 2012 Russisch in 9 Bezirken der Ukraine als zweite Amtssprache eingeführt. Auch mein Mann und seine Familie sind russische Muttersprachler, beherrschen jedoch auch die ukrainische Sprache hervorragend. Im Zuge der Zuspitzung des “Ukraine-Konflikts” wurde im Jahr 2019 ein Sprachengesetz verabschiedet, mit dem Ziel der Förderung der ukrainischen Sprache, die vor allem verbindlich von Beamten während der Ausübung ihrer dienstlichen Pflichten verwendet werden sollte. Die dreijährige Übergangsfrist ist im Januar 2022 ausgelaufen und das Gesetz wurde in den russischen Medien oftmals mit einem “Verbot der russischen Sprache” gleichgesetzt. 

Ukrainer und Ukrainerin in Tracht in den Karpaten

Bei einer Reise in die Karpaten merkte ich plötzlich, dass sich die Sprachmelodie veränderte und ich trotz vertrauter Klänge noch weniger verstand als sonst. Das war natürlich bevor ich Tatjanas Kurse besucht habe 🙂 Ich erkannte ein ständig wiederkehrendes ”..treba…” und “…ne treba..”. Als ich meinen Mann darauf ansprach entgegnete er, dass er mit dem Eintritt in die ländlichen Gebiete auf Ukrainisch gewechselt habe und das häufig verwendete “Treba/ne treba” hieße so viel wie brauchen/nicht brauchen. Interessanterweise versteht mein Mann durch seine ukrainischen Sprachkenntnisse ausgezeichnet Polnisch. Polnisch und Ukrainisch seien wie Niederländisch und Deutsch. Man versteht die grundsätzliche Richtung, feilt an einer möglichst authentischen Aussprache und verpasst aber leider die Details des Gesprächs 🙂

Können Russen Ukrainisch verstehen?

Russen scheinen Ukrainisch jedoch nicht zu verstehen. Es verstehen und sprechen also fast alle Ukrainer Russisch, andersherum klappt es leider nicht. Auch die Aussprache einiger typisch ukrainischer Wörter stellt Russen (und andere “Ausländer”) vor eine Herausforderung. Dies ist so sprichwörtlich, dass bereits während des Zweiten Weltkriegs Spione dadurch überführt wurden, dass sie bestimmte Wörter aussprechen sollten. In Putins Krieg sind aus diesen Wörtern bekannte Memes geworden, die das Internet überschwemmen. Darunter z.B. das Wort „Paljanyzja“ [ein Leib Brot], welches in den russischen Medien oft fälschlicherweise mit “Erdbeere” übersetzt wird und das Wort лохина, welches Blaubeere bedeutet. Die Ukrainer können mit Hilfe dieser Wörter, die Ausländer zwangsläufig falsch aussprechen oder nicht kennen, russische Soldaten und Saboteure schnell überführen.

лохина und Paljanyzja ukrainische Wörter die Russen nicht kennen

Das deutschlandweite Interesse, die ukrainische Sprache zu lernen ist seit Kriegsbeginn rasant angestiegen und ich kann das eben aufgrund der Fluchtbewegung und auch der Schönheit der ukrainischen Sprache absolut nachvollziehen. “Meine” Ukrainer sprechen jedoch alle Russisch. Also werde ich zunächst weiterhin an meinem Plan festhalten, zunächst Russisch, die Muttersprache meines ukrainischen Mannes weiterzulernen. Trotz allem entstandenen Leid und unfassbarem Unrecht, welches durch Putins Krieg zwischen den Brudervölkern der Russen und Ukrainer entstanden ist, vertraue ich auf die Fähigkeit der Menschen zwischen Sprache und Agressor zu differenzieren. Für mich ist die Sprache in erster Linie ein verbindendes Element und ich bete und hoffe täglich auf Frieden und dass mir der Zugang zur russischen Sprache hilft, zu Menschen beider Völker eine Verbindung aufzubauen. 

 

Pasca / Paska: Rezept für ukrainisches Osterbrot

Rezept für ukrainische / russische Paska (auch manchmal Kulitsch Кули́ч)

Die Pasca oder auch Paska (russisch/ukrainisch: паска, Bedeutung Ostern), darf am orthodoxen Ostern auf keinem Ostertisch fehlen. Es handelt sich hierbei um ein fluffiges Milchgebäck mit Hefe, welches idealerweise mit Rosinen oder Zuccharde gespickt sein sollte. In Osteuropa und dem Kaukasus ist dieses Gebäck zu Ostern unter verschiedenen Namen sehr verbreitet, wobei es regionale Unterschiede in der Namensgebung und den Details der Zubereitung und Dekoration geht. So heißt das Gebäck in Russland z.B. Kulitsch und wird häufig mit Zuckerguss gefüllt, während Pa´sha (wie Paska gesprochen) in Russland oft eine österliche Quarkspeise bezeichnet, in Rumänien wird es häufig mit Symbolen aus Hefeteig (Blätter oder Kreuze) geschmückt. 

Da wir dieses Jahr -aufgrund des verheerenden Krieges- einen Teil unserer ukrainischen Familie und Freunde hier bei uns in Deutschland haben, haben wir beschlossen gleich zweimal zu feiern. Immerhin ist Ostern wirklich ein Fest der Hoffnung und der Wiederauferstehung und damit auch ein bisschen der Glaube an ein eigentlich unmögliches Wunder! Ich denke, dass ist es was die Ukraine, die Ukrainer*innen und wir alle brauchen: Frieden auf der Welt!
Nachdem vorangegangenes Wochenende sozusagen der Probelauf für die orthodoxe Osterbäckerei war (es gab auch traditionelles deutsches Hefegebäck), so geht es dieses Wochenende in die Vollen. Die Fotos der hübschen “Pasotschki” haben im Deutsch-Kurs meiner Schwägerin die Runde gemacht und nun, für das orthodoxe Osterfest, möchten alle ein Stück “verzehrbare Heimat” erhalten. 

Pasca und Osterkörbchen

Durch den Krieg ist es sogar hierzulande schwer, an gewisse Zutaten zu kommen (An dieser Stelle einen schönen Gruß an alle Hamsterkäufer da draußen ;). Da mittlerweile durch Mundpropaganda über 100 Leute eine Paska haben wollen, hatten wir außergewöhnliches Glück in einem türkischen Lebensmittelladen über 25kg Säcke mit Mehl zu stolpern. Abgabe in haushaltsüblichen Mengen: 1 Stück. Wir schleppten unsere Beute nach Hause und Olena und Lilia haben sich sofort an die Arbeit gemacht. 

Wirklich wichtig bei der Paska ist nämlich, dass sie auf keinen Fall an Karfreitag gebacken werden darf, der ähnlich wie bei Evangelen und Katholiken ein absolut stiller Feiertag ist! Auch gilt -ähnlich wie beim Einkochen von Obst- und Gemüsekonserven- die Regel, dass Frauen während ihrer Regelblutung nicht am Backprozess teilnehmen. 

Um die Zubereitung der Paska ranken sich vielerlei Mythen und Erzählungen. So berichtete meine Schwiegermutter aus ihrer Kindheit (die sie ja in Kiew, zur Zeit der vermeintlich religionsfreien Sowjetunion erlebte), dass während der Gehzeit und dem kompletten Backprozess absolute Ruhe in der Küche und im Haus herrschen mussten. Die Kinder schlichen auf Zehenspitzen um die Mutter und Großmutter herum, um den Teig nicht zu verderben. 

Ruhe gibt es situationsbedingt bei uns zu Hause gerade nicht. In jedem verfügbaren Zimmer wohnen Ukrainer*innen und wir. Und mit Hund und Kindern ist es immer ein wenig laut. Umso bemerkenswerter, dass Olena bereits letztes Wochenende absolut vorzeigbare Exemplare kreiert hat. Wir denken es ist ihre innerliche Ruhe und Ausstrahlung, die das Gelingen des Teigs maßgeblich trotz äußerem Chaos beeinflusst haben. Da es unwahrscheinlich ist (morgen am orthodoxen Karfreitag wird nicht gebacken), alle Anfragen nach “Pasotschki” zu befriedigen, habe ich Olena gebeten den Backprozess begleiten zu dürfen, so dass ein paar Kurzentschlossene mit Zugang zu einer Küche (und Mehl) vielleicht noch selbst tätig werden können.

Pasca und traditionelle orthodoxe Osterkörbe

Hier zum Rezept für traditionelle ukrainische “Pasca”. Die Mengenangabe ist bewusst groß gerechnet (ca. 4,5 kg “Endprodukt”), da es sich so gehört, dass man seinen Nachbarn, Freunden und Familie eine Pasca mitbringt. In Frischhaltefolie gewickelt halten sie eine ganze Weile und können auch wenn sie trocken sind mit Milch genossen werden. Wenn dein Bekanntenkreis kleiner ist, empfehle ich den klassischen Dreisatz anzuwenden :). Mit Zubereitungs-, Geh- und Backzeit benötigt das Rezept rund 5 Stunden. Dementsprechend lohnt es sich wirklich eine größere Menge zu produzieren.

Zutaten für ukrainische Oster Paska

Vorteig für die Paska:

  • 3 Päckchen frische Hefe
  • 1 l Milch
  • 1 kg Mehl
  • 1 Prise Salz 

Hauptteig für die Paska:

  • 12 Eier (trennen, beide Bestandteile werden benötigt!)
  • 600 g Zucker 
  • 400 g flüssige Butter
  • 1 kg Mehl 
  • Vanillezucker oder gemahlene Vanille (1 TL)
  • Rosinen (oder Cranberries oder Orangeat/Zitronat)

Verzierung der ukrainischen Paska

  • 1 Eiweiß
  • 1/2 Glas Puderzucker 
  • Saft einer halben Zitrone
  • Zuckerstreusel
  • Ostermotive aus Oblaten
  • Schokostreusel….

Zubereitung der orthodoxen Osterspeise Paska: 

Den Vorteig bereitest du zu, indem du die Milch erwärmst (lauwarm!) und darin die frische Hefe auflöst. Das Mehl vermischt du mit dem Salz und siebst es in den Vorteig. Dieser muss dann eine Stunde an einem warmen Ort aufgehen. 

In der Zwischenzeit weichst du die Rosinen in heißem Wasser ein. 

Für den Hauptteig nimmst du zunächst die 12 Eigelb und rührst diese mit dem Zucker und der Vanille glatt. Hier hinein hebst du den Vorteig unter. Nun muss die flüssige Butter eingerührt werden. Das komplette Eiweiß wird steif geschlagen und ebenfalls vorsichtig unter die Masse gehoben. Zuletzt wird noch ein Kilo Mehl in den Teig gesiebt, alles gründlich mit einem Holzlöffel gerührt und eine weitere Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.

In der Zwischenzeit schüttest du die Rosinen ab, lässt sie abtropfen und bestäubst sie mit Mehl. Nun kannst du auch die Vorbereitungen für die Förmchen treffen. Wir haben zu diesem Zweck allerlei saubere, leere Konserven-Dosen aufbewahrt, die wir nun sorgfältig mit zugeschnittenem Backpapier auskleiden. Feuerbeständige Töpfe erfüllen denselben Zweck. Normale Springformen eignen sich nicht besonders, da sie nicht hoch genug sind und die typische zylindrische Form nicht erreicht wird. Die Pasotschki gehen im Ofen nochmal ordentlich hoch! 

Den Teig erneut durchrühren, die Rosinen oder das Orangeat hinzufügen und den Teig auf die Förmchen aufteilen. Hierbei sollten die Förmchen maximal bis zur Hälfte gefüllt werden, da der Teig im Ofen noch hochgehen sollte. 

Nun werden die Pasotschki bei 150°C Ober-/Unterhitze in den Ofen geschoben. Dabei kommt es nun sehr auf die Größe deiner Formen an wie lange der Backspaß dauert. 

Die kleinen Dosen können nach einer guten Stunde entnommen werden, die mittleren nach 90 Minuten und die ganz großen benötigen rund 2 Stunden. Es empfiehlt sich in der Nähe zu bleiben und im Zweifel die berühmte Stäbchenprobe vorzunehmen. 

Nach dem Backen sollten die Pasotschki zum Abkühlen aus den Förmchen entnommen werden. Sobald sie kalt sind werden sie mit Zucker-Eischnee bedeckt und nach Lust und Laune verziert. Dazu trennst du erst das Ei, schlägst das Eiweiß steif und lässt langsam Zucker und Zitronensaft einrühren und lange lange mit dem Mixer rühren! Ich empfehle kleine Mengen Guss nach Bedarf anzurühren (immer ein Eiweiß), da der Guss schnell fest wird und dann schlecht zu verarbeiten ist. Christos Woskres! – Gesegnete Ostern!

Orthodoxe Ostern – Osterbräuche

Wie wird das Ukrainisch-Orthodoxe Ostern gefeiert?

Dieses Jahr sind kriegsbedingt unsere Verwandten und Freunde teilweise bei uns im noch sicheren Deutschland, so dass wir in den Genuss kommen das Osterfest zweimal zu feiern, dieses Jahr direkt zwei Wochenenden hintereinander. Ich denke unter den deutschen Familien, die Ukrainer*innen bei sich aufgenommen haben, stellen sich viele die Frage:

“Wie geht ukrainisch-orthodoxes Ostern?”

Wir hatten 2021 das Glück während der Osterzeit die Ukraine bereisen zu können. Abgesehen davon, dass die Landschaften unfassbar Blütenreich und üppig in den Landesfarben der Ukraine erstrahlten (alles gelb von Milliarden Löwenzahnblüten, darüber leuchtend blauer Himmel, der jedem Horizont zum Trotz unerreichbar schien), überraschte mich vor allem die weit verbreiteten Fastenspeisen in der Vorosterzeit. Jedes noch so kleine Restaurant hatte fastentaugliche Speisen im Angebot oder konnte sofort darauf umschwenken. Als Selbstexperiment waren wir zu dem Zeitpunkt vegan unterwegs und kämpften mit einigen Schwierigkeiten diesen Begriff zu vermitteln. Nachdem meinem Falken eingefallen ist, dass das orthodoxe Fasten ja überwiegend ein Verzicht auf tierische Produkte ist, bestellte er immer fastentaugliche Speisen und plötzlich bekamen wir selbst im tiefsten Bukowina, wo noch nie der Begriff “vegan” gehört wurde delikate Menüs aufgetischt, die einmal sogar veganen “Käse” aus Nüssen beinhalteten! Durch dieses Erlebnis wurde mir noch deutlicher bewusst, wie tief verwurzelt die Ukrainer in ihrem orthodoxen Glauben sind und wie weit verbreitet auch der gelebte Glaube, die Bräuche und Traditionen wie die Fastenzeit (zusammengenommen rund 180 Tage im Jahr!) sind. Veganes Essen in der Ukraine Orthodoxe Fastenspeisen

Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Ostern feiern westliche Kirchen und östliche Kirchen

In vielen Bereichen ähneln sich die orthodoxen und evangelisch-katholischen Bräuche, stammen doch viele noch aus einer Zeit vor der Christianisierung. So dreht sich auch im orthodoxen Brauchtum alles um Hefegebäck, bunt bemalte, versteckte Eier und Zeit mit der Familie aber eben auch noch mehr um den Glauben (zumindest was ich in meinem überwiegend konfessionslosen, deutschen Umfeld im Vergleich zu meinem ukrainischen Umfeld beobachten konnte).

Ein ukrainisch-orthodoxer Gottesdienst beginnt traditionell noch in der Nacht zum Ostersonntag um 23:30 Uhr. Übrigens gibt es in der ukrainisch-orthodoxen (wie auch in der russisch orthodoxen) Kirche keine Sitzplätze, so dass während der gesamten Feierlichkeiten gestanden wird. Der Gottesdienst dauert bis morgens 3:00 Uhr, jedoch kann man während der gesamten Zeit kommen und gehen und sich vorsichtig zwischen den Betenden und den Ikonen bewegen und Kerzen anzünden. Die österliche Begrüßungsformel des Würdenträgers an die Gemeinde lautet: “Christos woskres!” (Christus ist auferstanden!). Die einstimmige Antwort der Gläubigen erfolgt durch ein: “Wo istinu woskres!” (Er ist fürwahr auferstanden!). An Ostern ist es gegenüber gläubigen orthodoxen Ukrainern üblich diese Formel zur Begrüßung dreimal zu wiederholen. Wenn Dich also ein Ukrainer an Ostern (egal welchem Ostern 🙂 mit “Christos woskres!” begrüßt, erfreust Du ihn mit einem ”Wo istinu woskres!”. Dieses hin und her wird traditionell dreimal wiederholt. 

Orthodoxe Frau in der Kirche Kopfbedeckung orthodoxe Kirche

Die Gläubigen bringen zumeist Körbe mit den österlichen Speisen (Osterkuchen “Pasca” manchmal auch „Kulitsch“, Osterbrot und gefärbte Eier) mit, die während der zeremoniellen Prozession um die Kirche, die den Leidensweg Christus darstellt, gesegnet werden. Weit verbreitet ist der Glaube Wasser segnen zu lassen. Dieses Osterwasser soll daraufhin das ganze Jahr sicher verwahrt werden, bleibt frisch und soll bei zahlreichen Krankheiten helfen. Ein Freund meines Falken hat uns vor einer schwierigen Fahrt in die Ukraine mit solchem heiligen Oster Wasser gesegnet und besprenkelt und wir sind tatsächlich heile aus allen Schwierigkeiten rausgekommen. 
Rein Ukrainisch-orthodoxe Gemeinden, die nicht dem Moskauer Patriarchat unterstehen, gibt es in Deutschland meiner Recherche nach wenige. In Köln ist die uns am nächsten gelegene, die dem Kiewer Patriarchat angehörig ist. Der Ostergottesdienst findet dort am Ostersonntag auch familienfreundlich am Vormittag statt, so dass man auch bei weiterer Anreise mit Kindern (und “Pasca” 🙂 nicht auf den Ostergottesdienst in einem ukrainisch-orthodoxen Gotteshaus verzichten muss. (Update: Inzwischen haben sich in Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine beide ukrainisch-orthodoxen Kirchen vom Moskauer Patriarchat losgelöst. Dazu habe ich hier einen spannenden Artikel verfasst!)

Osterspeisen Pasca Paska Osterbrot Hefezopf Osterfest

Der restliche Ostersonntag wird -ähnlich wie in Deutschland- im Kreis der Familie verbracht, wobei es im Gegensatz zum hiesigen Familienverständnis in der Ukraine durchaus üblich ist, das Familienpicknick auf dem Friedhof am Grab der verstorbenen Verwandten abzuhalten. Vermutlich daher finden sich auf vielen orthodoxen Friedhöfen in der Ukraine kleine Bänke und auch Tischchen an den Gräbern. Es ist gute Sitte ein Becherchen oder Tellerchen mit ein paar Happen der gesegneten Ostergaben auf dem Grab zu platzieren. Nachdem sich die Seelen der Verstorbenen an Ostergebäck, Paska, Braten und Eiern gelabt haben und alle Gäste heimgekehrt sind, übernehmen Vögel und Ameisen die Kontrolle über das Buffet. Ihr Ostermal beginnt traditionell in den Abendstunden des Ostersonntags ;). 
Übrigens nennt man in unserer ukrainischen Familie die Hauptbestandteile der Osterspeisen (Kalter Braten, “Pasca” und Eier) liebevoll die “Österliche heilige Dreifaltigkeit” und der üppig genossene Horilka (ukrainischer Schnaps) wird euphemistisch als “Osterwässerchen” umschrieben. 

Der Ostermontag spielt im ukrainisch-orthodoxen Glauben, soweit ich in Erfahrung bringen konnte, keine oder zumindest keine große Rolle als Feiertag. 

Du möchtest mehr über ukrainische Bräuche und Traditionen erfahren?

Hier auf dem Blog findest du weitere Berichte von unseren Reisen , den Menschen die aus der Ukraine zu uns gekommen sind, einem traditionellen Oster Rezept für ukrainische “Pasca” und noch einiges mehr. Wir freuen uns, wenn du immer mal wieder vorbeischaust!

Orthodoxe Ostern – Osterzeit

Wie feiert man Ostern in der Ukraine?

Teil 1 – Hintergründe und orthodoxe Osterzeit

Vorab möchte ich sagen, dass ich nicht alle orthodoxen Religionen im Detail kenne und viele Informationen von meinen ukrainischen Anverwandten und Freunden erfragt habe. Die orthodoxen Kirchen in der Ukraine sind einen eigenen Beitrag wert, gibt es mittlerweile zwei ukrainisch-orthodoxe Kirchen, von denen jedoch eine dem Moskauer Patriarchat unterstellt ist. Ich versuche die mir fehlenden Informationen bestmöglich zu recherchieren, wenn Dir aus orthodoxer oder anderer Sichtweise etwas auffällt oder Du Ergänzungen hast, so freu ich mich auf eine Nachricht von Dir!

Jesus am Kreuz Ukrainisch Orthodoxe Ostern

Was wird am Ukrainisch-Orthodoxen Ostern gefeiert?

Wie am katholisch-evangelischen Ostern auch, wird während der orthodoxen Osterzeit dem Leid, der Kreuzigung und der Wiederauferstehung Jesus gedacht. Häufig wird das Osterfest größer gefeiert als Weihnachten, es bildet das wichtigste Fest im Jahresverlauf (ukrainisch-) orthodoxer Christen.

Grab Jesu Christi Auferstehung Symbolbild

Wann ist die Ukrainisch-Orthodoxe Fastenzeit vor Ostern?

Im Evangelisch-Katholischen Glauben beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch, nach Karneval und endet am Gründonnerstag, wenn die Kirche dem letzten Abendmahl von Jesus und seinen 12 Jüngern vor seiner Kreuzigung am Karfreitag gedenkt. 

Das ukrainische bzw. ostslawische Equivalent zum Karneval ist die “Masleniza” (russisch Масленица), die  “Butterwoche”. Ähnlich wie der Karneval ist sie heidnischen Ursprungs und eine Verabschiedung des Winters. Dieses Brauchtum ist mit der Christianisierung der Rus ebenfalls in den orthodoxen Festzyklus eingebettet worden. Dies ist eine Zeit der ausgelassenen “Völlerei” (Fleisch ist bereits untersagt, der Verzehr von Milchprodukten (Butter!), Eiern und Fisch jedoch noch gestattet) vor der orthodoxen Fastenzeit. Nach einer Woche der Genüsse wird ab dem ersten Montag nach der Butterwoche sieben Wochen lang gefastet. Dies ist die längste und wichtigste Fastenzeit im orthodoxen Kirchenjahr, das sogenannte “Große Fasten” (“Великий пост” [welikij poßt]). In diesem Jahr bedeutet das eine Fastenzeit vom 7. März bis zum 23. April. Beim Fasten kommt es vor allem auf die geistige Reinigung an (Vertreibung böser Gedanken, Zähmung seines Zorns, nicht Lügen, Verzicht auf körperliche Gelüste und Ablenkung). Ende der orthodoxen Fastenzeit ist der Ostersonntag. 

Maslenitza Butterwoche Pfannkuchenwoche

Wann wird das Ukrainisch-Orthodoxe Ostern gefeiert?

Im Gegensatz zur westlichen Christenheit (gregorianischer Kalender), wird für die Berechnung des orthodoxen Osterns der julianische Kalender verwendet und auch der Mondzyklus zu Grunde gelegt. Meistens folgt der julianische Kalender dem gregorianischen um 13 Tage nach, durch den Mondzyklus kann es jedoch in Ausnahmen sogar zu einer Überschneidung der beiden Feste kommen. Im 4.Jahrhundert wurde nämlich festgelegt, dass Ostern auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang stattfindet.  In diesem geschichtsträchtigen Jahr, 2022, ist das orthodoxe Osterfest genau eine Woche nach dem “deutschen” bzw. Evangelisch-Katholisch-Gregorianischem Ostern angesetzt (Ostersonntag Orthodox: 24.04.2022). Dieses Datum teilen sie sich mit anderen orthodoxen Religionen wie der Russisch-Orthodoxen oder der Griechisch-Orthodoxen Religion.

Ukraine Krieg und Flucht – Plötzlich Großfamilie

Ukraine Krieg bring ukrainische Verwandte und Freunde nach Deutschland

Ich möchte hier nach langer Pause weiter berichten. Mich bewegen die Schicksale. Für mich sind das nicht Nachrichten die mich schockieren, so wie die Bilder aus Kriegsgebieten wo ich die Länder noch nicht selbst bereist habe, vielleicht nicht einmal Menschen kenne die dort her kommen. Das ist schon schlimm und man spendet und überlegt sich Hilfsangebote. Doch irgendwie ist es abstrakter. Diesmal ist es für mich ein persönlicher Angriff auf meine Familie auf meine Werte. Putin hat die Heimat meines Falkens, das zweite Heimatland meiner Küken angegriffen. Städte und Menschen zerstört und getötet die ich kennen und lieben lernen durfte. 

Symbolbild Russland Ukraine Krieg und Flucht

Nach fast drei Wochen der Ungewissheit, des Hoffens und Bangens hatten wir endlich die (Stief-)Schwester meines Falkens zur Flucht “überreden” können. Sie war noch nie in Deutschland gewesen, ihr einziger Auslandsaufenthalt, in Tschechien bei einer Tante, war ihr schlecht in Erinnerung geblieben und zudem groß ihre Heimatverbundenheit und das Unrechtsempfinden, dass mit diesem Überfall auf ihr Zuhause einhergeht. Irgendwann überwog vermutlich die rationale Überlegung, dass Deutschland für sie und ihre Tochter der sicherere Ort ist. “Dort können wir nichts für dich tun!- Idi ka me (komm zu mir)!” Dieser verzweifelte Satz unter Tränen brach in einem Gespräch aus meinem Falken raus zusammen mit dem Versprechen ihre Flucht zu organisieren und sie in Polen abzuholen. 

Mit finanzieller Unterstützung aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis konnten wir in kürzester Zeit einen 9 Sitzer organisieren und mein Falke fuhr mit seinem Schwiegervater los. Durch einige – im Nachhinein unglückliche – Entscheidungen war auch meine in Deutschland wohnende Schwiegermutter zum Zeit des Kriegsbeginns in Kiew zu Besuch bei ihren Freundinnen. 

Ich organisierte in Windeseile die Küken zu meinen Eltern und fing wie manisch an, weiter aufzuräumen, Bettwäsche von Bekannten und Nachbarn zu erfragen, die neuen Gästezimmer herzurichten und einige Kleinmöbel- wie Kommoden zu kaufen. Mein Falke fuhr in dem Moment los, als Schwester, Mutter und seine 5-jährige Nichte nach 8 stündiger nervenaufreibender Fahrt von Kiev in Lemberg angekommen waren und erwarteten, sich Richtung polnischer Grenze zu begeben. Wie durch ein Wunder kamen sie schnell durch die Grenze und keine 25 Stunden nach dem Losfahren, kam der Sprinter voller Ukrainer wieder zurück nach Dortmund. Es war sogar noch Platz für eine weitere ukrainische Mutter mit ihren zwei Söhnen (8 und 16 Jahre alt) gewesen. Sie fuhren direkt weiter, um erstmal bei der Mutter meines Falken und seinem Stiefvater, ihrem Mann, unterzukommen. 

Kaum hatten wir Schwester und Nichte die Dusche gezeigt, sie gefüttert und mit dem Nötigsten versorgt, fielen die beiden und mein Falke in einen tiefen Schlaf. Groß war die Erschöpfung und die ganze Aufregung. Das war Donnerstag Abend. In der Zwischenzeit hatte sich für uns recht überraschend mein Schwiegervater mit seiner jetzigen Frau inklusive kleinem Kätzchen („Babulka“) angekündigt. Sie kamen nachts im eigenen Auto jedoch ohne Navi, ohne Internet irgendwo in Dortmund an und mussten bis zum Morgen warten, bis sie in Erfahrung bringen konnten, wo genau sie sich befanden, so dass wir sie endlich einsammeln konnten. Freitag morgens, im Morgengrauen, tranken wir ein wenig Tee zusammen und machten uns nachdem Schwester und Nichte wach waren, direkt auf um sie als Geflüchtete zu registrieren. 

Unsere Wohnung war nun quasi über Nacht das Zuhause einer Großfamilie im Patchwork Stil geworden. 

Ukrainische Familie in Deutschland Flüchtlinge Ukraine

Zusammenleben mit geflüchteten Ukrainern

Groß die Wiedersehensfreude, ein riesen Stück Erleichterung, schlechtes Gewissen den Zurückgebliebenen gegenüber, Unsicherheit im Umgang und Nachfrage mit den traumatisierenden Erlebnissen, die Sorge uns zur Last zu fallen – ein Potpourri der Gefühle und Gedanken. Stellvertretend für unsere Gehirne brachen erstmal sämtliche Rohrleitungen in unserer Wohnung zusammen. Alle Leitungen verstopften abwechselnd, das Treppengeländer brach ab und zeigte sinnbildlich unseren persönlichen Zustand.

Wir haben -im Gegensatz zu anderen- das unfassbare Glück unsere Familie größtenteils nun hier zu haben. Es ist schön, laut, traurig und lustig, entlastend und anstrengend. Herzzerreißend und von wahnsinniger Ohnmacht, wenn neue Nachrichten eintreffen und wieder jemand aus dem Bekanntenkreis von diesem sinnlosen Krieg aus dem Leben gerissen oder schwer verwundet wird. Es bleibt das unumstößlichen Versprechen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um den Menschen zumindest hier zu helfen. 

UPDATE: Nach über 4 Monaten ist „unsere letzte“ Ukrainerin ausgezogen. Nun haben wir wieder mehr Privatsphäre, Zeit für uns und wie mein Küken betont „mehr Platz“. Trotz nervlicher Überbelastung bin ich froh, dass wir helfen konnten, auch wenn die Enge und blank liegenden Nerven zum Hochkochen einiger alter Konflikte geführt hat. Wir haben für 6 Menschen ein komplett neues Leben eingerichtet. Eine möblierte Wohnung für zwei gefunden, eine weitere Wohnung die wir selbst komplett eingerichtet haben, eine Dame ist mittlerweile zu Verwandten nach Tschechien weitergereist, eine Dame hat eine neue Liebe gefunden und ist bei dem sympathischen Herrn den wir uns genau angesehen haben eingezogen, eine jüngere Studentin haben wir in einer befreundeten WG untergebracht wo sie sich wohl fühlt und bereits die komplette Konversation (nach 4 Monaten Sprachkurs und täglichem exzessiven Lernens!) auf Deutsch führen kann. Es ist eine Erleichterung weitestgehend den Behördenkram abgearbeitet zu haben und zu sehen, wie die Ukrainer mittlerweile recht selbstständig in unserer Stadt unterwegs sind und sich trotz der Nachrichten aus der Heimat weitestgehend eingelebt haben.