Händeschütteln tabu!

Mit Kreide gemalte Szene "Händeschütteln" an Schultafel

Warum Dir Frauen in der Ukraine und Russland nicht gerne die Hand geben!

Zugegeben- jetzt während der Corona-Pandemie mag niemand so richtig gerne vermeintlich verkeimte Hände schütteln- egal welches Geschlecht mit dem Besitzer dieser Hände verbunden ist. Zumindest ich bin richtig auf Abstand. Ansonsten ist es mir wichtig Menschen freundlich zu begrüßen. Was als freundlich empfunden wird, nun ja hier befinden wir uns in einer Grauzone. Diese wird durch viele Faktoren geprägt und je mehr Faktoren dir einfallen, desto mehr verrät es über deinen Background und dein Umfeld. Zum einen ist es deine Beziehung zu der jeweiligen Person, zum anderen ist es aber auch euer jeweiliges Alter, Geschlecht und Status. 

Schüttelt man Frauen in der Ukraine die Hand zur Begrüßung?

Während ich in vielen sowjetischen Filmen beobachten kann, wie Frauen in verschiedenen Situationen mit Handschlag begrüßt werden, so scheint dies eine andere Zeit gewesen zu sein. Aus persönlichen Beobachtungen und Erfahrung kann ich sagen, dass eine physische Begrüßung unter Männern sehr wohl mit Handschlag, manchmal auch verbunden mit einer Umarmung vollzogen werden kann. Gegenüber Frauen sind Männer zurückhaltender, oft wird nur vage in Richtung der Frau geschaut und ein „Здравствуйте!“, die höfliche Begrüßung gegenüber noch-Fremden hervorgebracht. Frauen, begrüßen sich untereinander oft mit Küssen auf die Wange (meist 3 Stück-rechts-links-rechts) oder durch freundliches Zunicken.

Wie begrüßt man sich in der Ukraine?

Einige Männer reagieren auch irritiert darauf, wenn die Frau ihrerseits die Hand zur Begrüßung ausstreckt (Ich spreche da aus Erfahrung:). Dabei wird diese Zurückhaltung seitens beider Geschlechter als Zeichen des Respekts gegenüber der weiblichen Person gedeutet. Diskussionen darüber, ob es sexistisch sei einer Frau die Tür aufzuhalten, wie ich sie in gewissen Kreisen in Deutschland öfter erlebe, gibt es in der Ukraine meines Wissens nicht. Als ich Freunden meines Falken mit Hilfe seiner Übersetzung versucht habe zu erklären, was Gendersprache bedeutet und dass sich leider auch in meinem Bekanntenkreis Frauen über Tür aufhaltende „Sexisten-Schweine“ beklagen, wurde ich für verrückt erklärt.

In der Ukraine normal in Deutschland sexistisch: Fotos wie Männer Frauen in den Mantel helfen oder einen Handkuss geben

Gleichberechtigung in der Ukraine und Deutschland

Es konnte niemand verstehen, warum sich manche deutschen Frauen so schwer mit ein „bisschen gelebtem Respekt“ im Alltag tun. Ich habe öfter beobachtet wie Frauen mit Kinderwagen ganz selbstverständlich so lange vor der Eingangstreppe eines Restaurants gewartet haben, bis ein Kellner rauskam oder ein Passant ihnen den Kinderwagen ins Restaurant getragen hat. Wenn ich mühsam alleine versuche durch „Treppe hochjuckeln“ den Kinderwagen ins Restaurant zu bugsieren, so bringt mir das keine Pluspunkte für meine Selbstständigkeit als Frau ein. Eher zeige ich mangelndes kulturelles Verständnis und stelle meinen Mann bloß, wenn ich den Kinderwagen selbst trage. Ich verstehe die Argumente für Gendersprache und bin absolut gegen Sexismus, jedoch finde ich es traurig, wenn sich an Nebenschauplätzen wie Stühle-Rücken, Mantel-reichen und Tür-aufhalten abreagiert wird, statt die wahren Feinde in der Gleichberechtigung in Deutschland anzuprangern: Chancengleichheit, Gender-PayGap und Ungleichheit bei der Verteilung der Hausarbeit. Zumindest in beruflicher Hinsicht sind die Ukrainer viel weiter in Sachen Gleichstellung, was wohl vor allem an der sowjetischen Vergangenheit liegt. Vielzitiert ist ein halbironischer Spruch in unserem Freundeskreis: „Da durften auch Frauen im Straßenbau und als Soldatinnen arbeiten. Schon immer.“ Auch ist mir nie untergekommen, dass abwertend über das andere Geschlecht gesprochen wurde (weder von Frauen über Männer noch von Männern über Frauen). Mich fasziniert, dass man die Unterschiede zwischen den Geschlechtern scheinbar umso mehr zelebrieren kann, je fairer die wirtschaftlichen und sozialen Ausgleichsbedingungen für Männer und Frauen sind, auch wenn es sicherlich in allen Kulturen auch nach 111 Jahren Weltfrauentag noch Aufhol- und Klärungsbedarf gibt. 

Die 3 besten Sowjetkomödien!

Russisch lernen mit Filmen!

Warum solltest du uralte sowjetische Komödien zum Russisch lernen schauen?

Ich war auch erst irritiert als mein Falke mit vergilbten YouTube Thumbnails zu mir kam und mich bat, mich für einen Film zu entscheiden um einen unsäglichen Sonntagnachmittag bestmöglich hinter uns zu bringen! Ich ließ mich darauf ein, in der Hoffnung wenigstens ein paar neue russische Vokabeln aufzuschnappen und direkt nach der ersten sowjetischen Komödie war ich restlos begeistert. Ich mochte alles, von den Schauspielern, der Kameraführung, den Drehorten die in der ganzen Sowjetunion verstreut lagen, ganz besonders jedoch den vielschichtigen und unfassbar feinen Humor. Der Humor wird so liebevoll und von Herzen transportiert, dass mein Herz schwingt, wenn ich nur an die Szenen denke. 

Sowjetischer Humor & Regimekritik

Oft verstehe ich die Tragweite einer Situation oder eines Witzes jedoch erst, wenn mein Sokol mir Hintergrundinformationen liefert. Meistens sind das Szenen, die es wider jeder Wahrscheinlichkeit durch die strengen Zensurauflagen geschafft haben und dezente Hinweise auf soziale Missstände oder Skurilitäten geliefert haben. Absolut klassisch ist das Einblenden westlicher Alkohol oder Zigarettenmarken, deren Vorhandensein in einer sowjetischen Wohnung z.B. oder deren Konsum von einer Filmfigur  nur dem geschulten Auge als Absurdum auffallen. Diese westlichen Produkte waren der breiten sowjetischen Bevölkerung nicht verfügbar, so war das geschickte Platzieren dieser Attribute z.B. ein humorvoller Hinweis auf allgegenwärtige Bestechlichkeit durch die man zu solchen extravaganten Gütern kam und hier kommt für mich dann der “Aha”-Effekt. 

Ich finde der wichtigste Teil um eine Sprache zu lernen ist es, die Kultur von Grund auf zu verstehen. Humor ist da einfach ein sehr angenehmes und auch wichtiges Lernfeld! Ich habe mich in einem anderen Land und im Gespräch mit Leuten immer dann so richtig wohl gefühlt, wenn wir gemeinsam Lachen konnten und ich mit einfachen Mitteln oder Zitaten zur rechten Zeit das Eis brechen konnte! Dazu eignen sich die Komödien, die ich dir hier vorstellen möchte, da sie so gut wie jeder, der ein paar Lebensjahre in der Sowjetunion gelebt hat, kennt!

Film

Alte Filme

Diese Komödien haben nicht nur durch ihr mittlerweile recht stattliches Alter ein großes Publikum erreicht, sondern auch, dass sie in der ganzen Sowjetunion ausgestrahlt wurden. Meiner Ansicht nach wirklich kunstvolle Zeitzeugen eines Landes! In der Sowjetunion wurde die Kunst sehr hoch gewertet und es war selbstverständlich eine hohe Ehre und großer Verdienst, hervorragende Filme für das Sowjetvolk zu produzieren. Es wurde viel staatlich gefördert, jedoch war auch der Anspruch auf Einhaltung der politischen Linie und moralischen Standards der Sowjetunion sehr hoch. Herausgebracht hat es höchst unterhaltsame, bildgewaltige und zitierwürdige Filme, die zuweilen tief in den Zeitgeist der Sowjetunion blicken lassen. Ich muss mir immer wieder klar machen, dass alle Ukrainer, Russen, Kasachen, Aserbaidschaner (…) die vor 1991 geboren sind, ja Kinder der Sowjetunion waren. Einem Land, dass es einfach nicht mehr gibt, das jedoch die Kindheit, Jugend und je nach Alter das ganze Leben dieser Menschen maßgeblich beeinflusst hat! Leonid Gaidai hat die populärsten Komödien der Sowjetunion der späten 60er bis 80er Jahre verfilmt und war auch Drehbuchautor. Er hatte ein ausgezeichnetes Gefühl für schnelle Szenenwechsel, überraschende Kameraeinstellungen, geistreiche Dialoge und immer die besten Schauspieler an seiner Seite. Nachdem ich einige seiner Filme geschaut habe, empfinde ich zu den Charakteren und Schauspielern eine regelrechte Verbindung. 

Die besten Komödien

Meine Zusammenstellung könnt ihr jetzt sofort bequem auf dem Sofa gucken, da ich bewusst nur Filme gewählt habe, die zum Zeitpunkt des Blogposts kostenfrei, legal und mit Untertiteln (manchmal nur englisch oder automatisch deutsche Untertitel von fragwürdiger Qualität) bei YouTube verfügbar sind. Hier empfehle ich den Kanal “Mosfilm”, der neben den vollständigen Filmen, auch die in den Filmen gesungenen Lieder als einzelne Clips zur Verfügung stellt, welche sich super zum Lernen eignen und auch einfach sehnsuchtsvoll und schön sind. Dazu gibt es hier in Kürze auch einen Beitrag!

Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf

Иван Васильевич меняет профессию” (Produktion: Mosfilm)

Foto aus dem Film Iwan Wassiljewitsch wechselt den Beruf

Das Skript der Verwechslungskomödie ist stark an die Originalfassung von Michail Bulgakow  (*1891, Kiew, Ukraine -1940, Sowjetunion) angelehnt, die in den 1930er Jahren spielt. Der Film spielte jedoch in der damaligen Zeit, also den 1970er Jahren der Sowjetunion und ich behaupte jeder der ein paar Jahre in der Sowjetunion gelebt hat kennt ihn! Der Film wurde der meistgesehene Film des Jahres 1973 in der Sowjetunion und wurde einer der erfolgreichsten sowjetischen Filme überhaupt!

Dies ermöglichte dem Film-Team rund um den Regisseur Leonid Gaidai einige versteckte und zarte Kritik am System unter zu bringen und uns aus heutiger Sicht einen Einblick in den sowjetischen Alltag zu ermöglichen. Dabei ist der ganze Film voller Witz, Tempo, hochwertiger Kostüme und den besten und bekanntesten Schauspielern der Sowjetunion. 

Der zerstreute Ingenieur Schurik Timofejew arbeitet in seiner Wohnung in Moskau im Jahr 1973 an einer Zeitmaschine. Seine Frau, eine Schauspielerin, findet seine Experimente lästig und fängt eine Romanze mit ihrem Regisseur an. Der als aufdringlich kontrollierend und systemtreu dargestellte Hausverwalter Iwan Wassiljewitsch Bunscha mischt sich in ihr Privatleben und versucht Schurik davon abzuhalten sich zu trennen, weil es dem Ruf des Hauses Schaden würde. In der Nachbarwohnung befindet sich zu dem Zeitpunkt ein von der Miliz gesuchter Einbrecher, Schorsch Miloslawski. Der Ingenieur schafft es noch während Iwan Wassiljewitsch auf ihn einredet die Zeitmaschine zum laufen zu bringen und schließlich landen der Einbrecher und der Hausverwalter zusammen im Zarenreich des Zars Iwan dem Schrecklichen (1573). Diesem sieht der Hausverwalter Iwan Wassiljewitsch zum verwechseln ähnlich. Der Zar wird durch die Zeitmaschine jedoch wiederum in die Wohnung des Ingenieur Schuriks in die “Gegenwart” geholt. Während die kaputte Zeitmaschine repariert werden muss ergeben sich lustige Verwechslungen, Verfolgungsjagden und absurde Szenen. Ein Genuss den ich jedem nur wärmstens empfehlen kann!

Lieblingszitat: Das betrunken heraus gebellte Komando: ”Dansfsujut wsech!” (Tanzt alle!) des Hausverwalters Iwan Wassiljewitsch Bunscha mit dem er den ganzen Hofstaat zum Tanzen bringt. 

Der Brillantenarm 

Бриллиантовая рука (Produktion: Mosfilm)

Foto aus dem Film Diamantenarm

Wieder eine Verwechslungskomödie des genialen Regisseurs Leonid Gaidai aus dem Jahr 1969, der bei Brilliantenarm sogar das Drehbuch in entfernter Anlehnung an eine wahre Begebenheit geschrieben hat. Die beiden Protagonisten sind absolute Gegensätze: Der treue, ehrliche und naive Sowjetbürger und Familienvater Semjon Gorbunkow, dem eine Kreuzfahrt für seine Verdienste zu Teil wird, findet sich auf dem Schiff in einer Doppelkabine mit dem charmanten aber vom Pech verfolgten Gauner Gennadi Kosodojew wieder. 

Dieser muss in den Orient fahren, um für sein Syndikat rund um den Boss Ljolik kostbare Juwelen in die Sowjetunion zu schmuggeln. Als Versteck soll ein falscher Gipsarm dienen. Durch einer Verwechslung während des Landgangs erhält stattdessen Semjon Gorbunkow den Gips mit den Juwelen, als er nach einem Sturz in Ohnmacht fällt. Er bekommt noch halb benommen mit, wie die Verbrecher die Juwelen in seinem Verband verstecken, stellt sich weiter schlafend und benachrichtigt ehrlicherweise den Kapitän über diesen Zwischenfall. 

Daraufhin setzt sich zurück in der Heimat die lokale Polizei mit Semjon Gorbunkow in Verbindung, die ihn als Köder benutzen wollen, um dem Syndikat ein für alle mal das Handwerk zu legen. Es beginnt ein Katz- und Mausspiel mit dem Syndikat, welches die Juwelen schnellstmöglich durch die vorgetäuschte Freundschaft mit Gennadi Kosodojew, vom scheinbar unwissenden Semjon Gorbunkow zurückholen wollen. Dessen unfreiwilliger Agentenstatus bringt ihn gegenüber seiner Familie und der stets wachsamen Hausverwaltung in Erklärungsnot. Die aufdringliche Hausverwalterin, gespielt von der Schauspielerin Nonna Mordjukowa dringt nicht nur ungebeten in die Privatsphäre der Familie Gorbunkow ein, sondern nötigt den armen Semjon auch noch einen Vortrag über seine Reise zu halten, ohne sich jedoch nennenswert für ihn oder seine Erlebnisse zu interessieren. Ihr geht es nur um das Ansehen des Hauses. Dies wird vor allem deutlich in der abfälligen Aussage “Unsere Leute fahren nicht mit dem Taxi zum Bäcker”, mit der sie ihrem wachsenden Misstrauen gegenüber Semjon Ausdruck verleiht. Hatte doch damals ein durchschnittlicher Sowjetbürger nicht die Dekadenz und finanziellen Mitteln für solcherlei Extravaganzen. Die Hausverwalterin steht hier einmal mehr mit einem lachenden und einem weinenden Auge für die Überwachung und staatliche Regulierung die bereits im Wohnumfeld beginnt. 

Foto aus dem Film Diamantenarm

Sie vermutet kriminelle Aktivitäten seitens Semjon und hetzt die übrigen Nachbarn und seine Frau gegen ihn auf. Ein Höhepunkt der filmischen Handlung ergibt sich, als Semjon Gorbunkow durch das Syndikat unter Rauschmittel gesetzt und in eine Honigfalle gelockt wird. Die Hausverwalterin und die von ihr alarmierte Ehefrau des mutmaßlichen Ehebrechers platzen rein und erwischen Semjon scheinbar in flagranti mit der Schönheit, gespielt von Schauspielerin Svetlana Swetlitschnaja. Eine tragische Wendung nahm das berufliche Schicksal der Schauspielerin nach der Veröffentlichung des Films. Ihre damals absolut schockierende, “Beinahe”-Nacktheit ruinierte den Ruf der aufstrebenden jungen Schönheit und machte sie bei den Produzenten und den zensierenden Ministerien unmöglich.

Der Film nimmt viele verblüffende Wendungen, weist ein gutes Tempo und spannende Verfolgungsjagden auf und wie fast immer in sowjetischen Filmen der 70er ist die musikalische Untermalung grandios. Auch dieser Film ist einer der bekanntesten und beliebtesten aus der Sowjetunion. 

Zitate: Wunderbar sind die in Fantasiesprache geäußerten und dennoch unmissverständlichen Werbungsversuche einer Prostituierten beim Landgang: “Zigge-zigge- Ei-Lulu?” Dieser Ausdruck ist mit ein bisschen Phantasie fast universell einsetzbar, ebenso wie das kopfschüttelnd und leicht vorwurfsvoll geäußerte “Semjon, Semjon”. Ein Wunder, dass die erstgenannte Szene von der prüden Zensur überhaupt genehmigt wurde. Vermutlich nur, weil der Ganove Gennadi die Situation erkennt und geistesgegenwärtig darauf hinweist das “sowjetische Touristen” über solcherlei Versuchungen erhaben sind. 

 

Die kaukasische Gefangene oder Entführung im Kaukasus

“Кавказская пленница, или Новые приключения Шурика” (auch “Kidnapping Caucasian Style”,  Kaukasischer Gefangener oder Shuriks neue Abenteuer genannt) 

Fotos aus dem Film Entführung im Kaukasus Kaukasische Gefangene

So uneinig man sich über die richtige Übersetzung des Filmtitels ist, so einig ist man sich über die Liebenswürdigkeit der Charaktere und der Großartigkeit dieser Komödie von 1967. Handlung und Titel des Films beziehen sich auf den traditionellen Brauch der Brautentführung im Nordkaukasus. Wieder mal ist der Regisseur der brillante Leonid Gaidai und einige verstehen diese Komödie als Fortsetzung der ebenfalls unglaublich populären Komödie “Operation “Y”” aus dem Jahr 1965 mit dem eingeschworenen Antihelden Trio („Feigling“ (Georgy Vitsin), “Trottel“ (Yuri Nikulin), und der „Profi“ (Yevgeny Morgunov), und dem gutmütigen Schurik. 

Schurik spielt in dieser Liebeskomödie einen Ethnologie Studenten, der für sein Studium in den Kaukasus reist um die lokalen “Mythen, Legenden und Trinksprüche” zu erforschen. Eigentlich strikter Nicht-Trinker, muss er nun trinken um an die wortreichen Trinksprüche zu gelangen, für die der Kaukasus berühmt berüchtigt ist. Noch auf dem Weg in die Stadt verliebt er sich in die “fortgeschrittene Studentin, Athletin, Komsomolin und nicht zuletzt: Schönheit” Nina, welche zu Besuch bei ihrem Onkel Dzhabrail ist.  Dzhabrail arbeitet als Chauffeur für den einflussreichsten und reichsten Mann in der Stadt: Kamerad Saakhov. Dieser verliebt sich ebenfalls in Nina und kauft sie Dzhabrail -ohne Ninas Wissen-  für 20 Schafe und einem Import Kühlschrank aus Finnland ab, um sie zu heiraten. 

Da beiden Männern klar ist, dass sie der Hochzeit nicht ohne nachhelfen zustimmen wird, wird ein Plan geschmiedet, bei dem das Trio und der arme Schurik eine entscheidende Rolle spielen. Schurik, welcher sich unsterblich in Nina verliebt hat, wird durch einen Trick dazu gebracht bei ihrer Entführung zu helfen, mit gebrochenem Herzen, aber in der festen Überzeugung, dass sie der Entführung und geplanten Heirat wegen der Tradition aus freien Stücken zugestimmt hat. 

Kaum in Gefangenschaft und scheinbar von allen betrogen, arbeitet sie fieberhaft an einem Ausweg…

Mehr möchte ich von diesem Meisterwerk nicht vorwegnehmen. Seht es euch bei YouTube an, hier sind sogar gute deutsche Untertitel verfügbar! Interessant finde ich jedoch, dass Natalya Varley, die Nina spielt, aus über 500 Schauspielerinnen ausgewählt wurde, da die Rolle als schwierig zu besetzen galt. Obwohl Natalya Varley keinerlei Schauspielerfahrung hatte, wählte man sie, da sie als Seiltänzerin die notwendigen physischen Voraussetzungen für den Film mitbrachte.

Dieser Film hat zudem mit einem verliebten Esel, den vielleicht niedlichsten Nebendarsteller. Auch hier gibt es die für Leonid Gaidai so typischen wundervollen Lieder, tolle Kameraführung und Szenen, die dezent Kritik laut werden lassen. Nicht nur in Form des importierten Kühlschranks vom Klassenfeind. Ein Ausruf des “Feiglings”, die für uns heute recht unverfänglich klingt, bringt dies gut auf den Punkt: “Lang lebe das sowjetische Justizsystem, das humanitärste Justizsystem der Welt”. Diese Stelle wurde als zu offensichtlich positiv angesehen, so dass den Zensoren klar war, dass dies unverhohlene Ironie ausdrückte. Der Änderung zu “Lang lebe “unser” Justizsystem, das humanitärste Justizsystem der Welt!”, weiteren Änderungen und schließlich dem persönlichen Einsatz des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Leonid Brezhnev, für die Veröffentlichung des Films, konnten schließlich den drohenden Bann durch die Zensur abwenden und den Film zu einem der meistgesehenen Filme der Sowjetunion aufsteigen lassen.

Alte Film Kamera im Comicstyle

Nicht Lächeln – Kultur Ukraine

Kultur des Nichtlächelns in der Ukraine

Der böse Blick der Ukraine – Not Smiling Country!!

Dies ist ein vertiefter Beitrag zu der kurzen Übersicht „5 Dinge die du vor deiner Reise in die Ukraine wissen solltest!“ den du auch hier im Blog findest.

Gerade noch heute morgen hat mich das ungute Gefühl beschlichen aufzufallen. Manche Menschen wollen auffallen. Ich bin dem als extrovertierter Mensch grundsätzlich nicht abgeneigt, möchte jedoch gerade beim Reisen lieber Teil der Masse werden und mich gut integrieren. Ich bekomme so die besseren Einblicke in die Kultur.   

Auf dem Spielplatz nun wurde ich aus allen Himmelsrichtungen skeptisch beäugt. Zumindest habe ich es so empfunden. Große Kinderaugen, ernste Gesichter. Zurück beim Bus nahm ich auch wieder diese Blicke war. Ein junger Mann neben einem sehr teuren Auto mir unbekannter Fabrikation, schaute auf unser Kennzeichen, zurück zu uns und wieder zu seinem Auto. Er kam mit getragenem Ausdruck zu uns und redete kurz mit meinem Mann. Ich wurde unruhig und wollte wissen was passiert sei. „Nichts, gar nichts. Entspann die Brötchen.“ beruhigte mich mein Falke. „Der junge Herr fährt zurück nach Kiew und fragte uns bescheiden, ob wir seine Trinkwasservorräte übernehmen möchten.“. Ich freute mich und sagte artig Danke in die Richtung des jungen Mannes („дякую“). Dieser schaut mich nicht an aber nickt Richtung Boden. Als nächstes werde ich Zeugin, wie der mutmaßliche Oligarchensohn einen 6 Liter Behälter nach dem nächsten ablädt und wir mit 60 Litern Trinkwasser reichlich ausgestattet sind. Er verabschiedet sich knapp und braust in einer Staubwolke davon. 

Mein Falke munterte mich auf in dem er mich versicherte, dieses Verhalten sei eine reine Frage der Höflichkeit gewesen, da man auch die Frauen fremder Männer nicht einfach anlächele. Alles andere wäre Grundlage eines handfesten Klärungsbedarf. Er fügte charmant hinzu: “In orthodoxen Kulturen wie der Ukrainischen, kann dem durch zurückhaltende Mimik vorgebeugt werden.” 

Ein lächelndes Paar mit Hüten - Lachen in der Ukraine als Zeichen von Schwäche

Russisches Sprichwort

Dieser Punkt leuchtete mir ein, erinnerte es mich doch an meine kürzlich erworbene Kenntnis rund um das Phänomen der Begrüßung und des Händeschüttelns. Jedoch gibt es  im russischen Sprachraum auch noch die vielzitierte Volksweise: „Lächeln ist ein Zeichen für Schwachsinn“. Wer zu viel und ohne ersichtlichen Grund lächelt, wird schnell als debil abgestempelt. In einer Gesellschaft, in der es wenig soziale Sicherungen gibt und viel Respekt über das Auftreten (Auto, Kleidung, Haltung) eingeholt wird, gilt es seine Schwächen nicht offen zu zeigen. So kommt es auch, dass Menschen in netter Absicht mit komplett ernster Miene an mich getreten sind und ich, schon ernstlich in Sorge, lediglich die runtergefallene und sorgfältig abgeklopfte Mütze meines Kükens überreicht bekommen habe.  Wären sie zu freundlich an mich herangetreten, hätte ich sie für Bettler, Irre oder Kriminelle halten können! In diesem Fall wäre ein harsches: „Durakov zdes net!“ („Hier gibt es keine Dummköpfe“ = Ich weiß Bescheid!) meinerseits sehr angebracht gewesen.
Manche Menschen begründen die ernsten Mienen als eine Art Selbstschutz, denn wenn man zu offensichtlich einen guten Tag hat, kann das Missgunst hervorrufen, nach dem Motto: „Wer bist du, dass du einen guten Tag hast, guck dich mal um, das Leben ist Tristesse und Misere und du begreift scheinbar nicht, dass es allen schlecht geht! (Im Worst-Case begleitet von einem „Ich werd dir helfen die Misere zu begreifen!“)“. Die jüngere Generation macht gerne Scherze über das ernste und leidgeplagte „Sowjetgesicht“.

 Bürger der Sowjetunion ernst und rauchend

Sind Ukrainer unfreundlich?

Die Ukraine ist definitiv ein Land im Wandel und es gibt meiner Ansicht nach eine ausgesprochene Lockerung der alten sozialen Verhaltensmuster, vor allem weil sich die wirtschaftliche Situation vieler Menschen in den Städten gebessert hat.

UPDATE: Aktuell befindet sich die Ukraine im Krieg. Obwohl es gerade jetzt für die wenigsten Ukrainer*innen etwas zu Lachen geben dürfte offenbart sich hier Humor als eine wahre Stärke der Ukrainer*innen. Im Gedächtnis geblieben sind mir viele Eindrücke aus meinem privaten Umfeld und auch den Nachrichten, so z.B. die des Töpfers Volodymyr Kyryk, der auf einen Bombenkrater auf seinem Grundstück zeigt und schmunzelnd sagt: „Eigentlich dachte ich daran hier eine Garage hin zu bauen. Nun liebäugel ich mit einem Swimming-Pool.“

Als Deutsche bereits zu den „Viel-Lächlern“ zu gehören ist jedoch erstmal eine schöne Erfahrung, gelten Deutsche doch in vielen Ländern als kalt und humorlos. Auch wenn ich manchmal per se als dämlich abgestempelt werden dürfte, konnte ich auch die warme Erfahrung einer Art Welpenschutz machen. Mir ist es immer noch lieber unterschätzt zu werden. In mancher Situation galt daher für mich definitiv die Weisheit, das Lächeln die eleganteste Art ist, seinen Gegnern die Zähne zu zeigen.

Frau die lächelt oder Zähne zeigt?

Wenn man jedoch das Glück hat Freunde und Bekannte in oder aus der Ukraine zu kennen, stellt man schnell fest welche Herzlichkeit mit der ukrainischen Kultur einhergeht und das Gastfreundschaft hochgeschätzt wird. Es ist nahezu unmöglich sich nicht beträchtlich zu überfressen und nicht unterscheiden zu können, ob die Bauchschmerzen von einer Überbeanspruchung der Lachmuskeln oder von den üppig dargebotenen Speisen und Getränken herrühren. Und wenn man es dann doch schafft sich von der Gastlichkeit loszureißen findet man sich plötzlich mit Tüten von Einmachgläsern und Würsten in seinem Hotelzimmer wieder.